Experten erklären, wie Sie ADHS erkennen und behandeln können.
Macht Ihr Kind viele Flüchtigkeitsfehler in den Hausaufgaben, zappelt es herum und kann nicht still sitzen? Spielt Ihr Sohn am liebsten allein oder gerät Ihre Tochter schnell in Streit mit anderen?
All das könnten Hinweise auf ADHS sein. Was steckt dahinter? Wie viele Kinder sind betroffen? Was hilft?
Häufigste psychische Erkrankung bei Kindern
BILD beantwortet für Sie die 10 wichtigsten Fragen zu der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung. ADHS ist die häufigste psychische Erkrankung bei Kindern und Jugendlichen. Sie kann bis ins Erwachsenenalter bestehen bleiben. ADHS ist eine psychische Störung, bei der betroffene Kinder durch besonders unaufmerksames, impulsives oder 'hyperaktives' Verhalten auffallen.
Unter den Begriffen 'unaufmerksam' oder 'hyperaktiv' versteht man Kinder, die Schwierigkeiten haben, sich zu konzentrieren, konstant unruhig sind und leicht abgelenkt werden. Kinder mit ADHS fallen oft auf, weil sie kaum still sitzen können, sehr zappelig sind, sich schnell ablenken lassen oder in der Schule Probleme bei der Aufmerksamkeit haben. Die genaue Ursache ist noch nicht vollständig erforscht. Es ist jedoch sicher, dass eine genetische Veranlagung in Verbindung mit anderen Umweltfaktoren zu den Symptomen von ADHS beiträgt.
Bei dieser Störung spielen Botenstoffe des Gehirns, sogenannte Neurotransmitter wie Dopamin oder Noradrenalin, eine wichtige Rolle. Auch zu viel Fernsehen oder unregelmäßiger Schlaf kann Kinder negativ beeinflussen. Experten betonen deshalb: Erst wenn solche Ursachen ausgeschlossen sind, darf die Diagnose ADHS gestellt werden. Weil die Zahl der Erstdiagnosen bei Kindern und Jugendlichen stark steigt.
Starker Anstieg der Erstdiagnosen bei Mädchen
Laut einer aktuellen DAK-Studie erhielten 2024 hochgerechnet rund 202.000 junge Menschen erstmals die Diagnose ADHS. Besonders deutlich fiel der Anstieg bei Mädchen aus. Innerhalb eines Jahres (von 2023 bis 2024) stiegen die Erstdiagnosen bei ihnen um 21 Prozent, bei Jungen um gut 14 Prozent. Verglichen mit 2020 beträgt das Plus bei Mädchen sogar rund 46 Prozent.
Allerdings: Ein Anstieg der Diagnosen bedeutet nicht zwangsläufig, dass entsprechend mehr Kinder ADHS entwickelt haben. Er kann auch bedeuten, dass bereits bestehende Fälle häufiger erkannt und diagnostiziert werden.
'Die Debatte gab es so bereits in den 2000er-Jahren, als die Zahl der verschriebenen ADHS-Medikamente plötzlich stark nach oben ging. ' Clips mit Titeln wie 'Du weißt, dass dein Kind ADHS hat, wenn ... ' könnten Eltern schnell verunsichern. 'Plötzlich wirkt jede noch so alltägliche Macke gleich wie ein Zeichen für ADHS.
Aber eine professionelle Diagnostik geht da deutlich behutsamer vor.
Gründe für Übersehen der ADHS-Symptome
' Nach Einschätzung von Michael Hubmann, Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, könnte dies darauf hindeuten, dass ADHS bei Mädchen lange Zeit übersehen wurde. Zu den Gründen dafür zählt, dass sie seltener den klassischen, lauten 'Zappelphilipp'-Typ zeigen, sondern eher unauffällig, verträumt oder angepasst wirken. Vor allem Schulkinder zwischen zehn und 14 Jahren werden häufig mit ADHS diagnostiziert. In dieser Gruppe stieg die Zahl der Erstdiagnosen binnen eines Jahres (2023 bis 2024) um 22 Prozent.
Mit steigenden schulischen Anforderungen fallen Konzentrations-, Organisations- oder Impulsivitätsprobleme stärker auf. Insgesamt erhielten 2024 rund 18 von 1000 Schulkindern erstmals die Diagnose ADHS. Betroffene Kinder sind oft leicht ablenkbar, können sich schlechter konzentrieren, haben weniger Ausdauer und einen starken Bewegungsdrang.
Zudem handeln sie häufig impulsiv und reagieren emotionaler. Allerdings: Es ist normal, dass Kinder gelegentlich unaufmerksam und impulsiv sind. Entscheidend ist, wie auffällig dieses Verhalten im Vergleich zu Gleichaltrigen ist. Erst wenn Kinder und Jugendliche deutlich unaufmerksamer, impulsiver und (übermäßig) aktiver sind als ihre Altersgenossen, könnte dies auf ADHS hindeuten.
Professionelle Diagnostik durch Fachärzte
Eine Diagnose für ADHS kann von den folgenden Experten gestellt werden: Fachärzte für Kinder- und Jugendmedizin, Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie Psychologen, die auf die Behandlung von Kindern und Jugendlichen spezialisiert sind, schließen dabei u.a. körperliche oder andere psychische Ursachen aus, arbeiten mit Fragebögen und ausführlichen Gesprächen. Christoph Correll von der Berliner Charité betont, dass ADHS keine 'Modediagnose' und keine Überdiagnostik sei. Bei etwa 80 Prozent der ADHS-Kinder persistieren die Symptome bis ins Erwachsenenalter.
Bei Erwachsenen zeigt sich oft eine Verringerung der Hyperaktivität im Vergleich zur Kindheit, jedoch verspüren sie häufig weiterhin ein Gefühl von innerer Unruhe oder Rastlosigkeit. Bei etwa 50 bis 80 Prozent der Erwachsenen, die bereits als Kind an ADHS litten, bleiben die Symptome bestehen. Es gibt verschiedene Ansätze und Therapiemöglichkeiten, die oft in Kombination angewendet werden. Die häufigsten Behandlungsmethoden für ADHS sind z.
B. eine Verhaltenstherapie, in der Kinder etwa lernen, mit Ablenkung umzugehen oder sich besser zu organisieren; Medikamente, die z. B. die Konzentrationsfähigkeit verbessern, oder auch Elterntraining und eine Familientherapie. Viele Betroffene bekommen außerdem Unterstützung in der Schule wie etwa individuelle Lernpläne oder separate Lernräume. Vollständig heilbar ist die Krankheit allerdings nicht.
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