Hamas-Anhänger und linksradikale Gruppen mobilisieren zum palästinensischen „Nakba“-Gedenktag. Die jährlich stattfindenden, teils verbotenen Versammlungen gelten als besonders brenzlig.
Zum palästinensischen Gedenktag der sogenannten Nakba ist in diesem Jahr erneut eine größere Demonstration in Berlin-Kreuzberg angekündigt. Rund 1000 Teilnehmer sind angemeldet, laut Polizei werden etwa ebenso viele Beamte im Einsatz sein.
Der Aufzug mit dem Titel „Schluss mit der Besatzung Palästinas – 78 Jahre Al Nakba“ soll am Samstagnachmittag vom Oranienplatz über den Kottbusser Damm bis zum Südstern an der Grenze zu Neukölln führen. Eine ursprünglich geplante Route über die Sonnenallee wurde geändert, laut Polizei „im Rahmen von Kooperationsgesprächen“. Auch Gegenprotest hat sich angekündigt: Um 14 Uhr demonstriert das Zionistische Bündnis Berlin in Kreuzberg.
„Keinen Fußbreit für Antisemitismus, keine Toleranz für Terrorverherrlichung“, heißt es im Aufruf. Laut Polizei sind 50 Personen angemeldet. Der palästinensische Gedenktag erinnert an die Flucht und Vertreibung vieler Hunderttausender Palästinenser 1948. 1998 erklärte der damalige Präsident der Palästinensischen Autonomiebehörde, Jassir Arafat, den 15. Mai offiziell zum palästinensischen „Nakba-Tag“.
Die Demonstration hat traditionell eine stark israelfeindliche Schlagseite – das zeigt sich auch in diesem Jahr bei der Mobilisierung. In einem Aufruf heißt es, die Nakba stehe für „die gewaltsame Etablierung des imperialistischen Kolonialprojekts ‚Israel‘“ – der Name des Staates wird dort durchgehend in Anführungszeichen gesetzt. Von Palästinensern verübte Gewalttaten wie der Terrorangriff der Hamas vom 7. Oktober werden nicht erwähnt.
Stattdessen heißt es: „Es ist die Kontinuität des Widerstands des palästinensischen Volkes, das die Grausamkeit des westlichen Imperialismus entlarvt.
“ Verbreitet wurde der Aufruf unter anderem von linken Gruppen wie dem „Internationalistischen Bündnis“ und der Basisorganisation Wedding der Linkspartei. Eine weitere Gruppe, die den Aufruf teilt, ist „Falastin Resists“. Auf ihrem Instagram-Kanal zitiert die Gruppe Ghassan Kanafani, früherer führender Vertreter der marxistisch-nationalistischen „Volksfront für die Befreiung Palästinas“ . Die Organisation steht auf der Terrorliste der EU.
. Berliner Sicherheitsbehörden ordnen die Gruppierung dem Umfeld von PFLP- und islamistischen Hamas-Anhängern zu. Ein „Großteil der anti-israelischen Kundgebungen seit dem 7.
Oktober 2023“ sei vom VPNK organisiert worden, schreibt das Berliner Landesamt für Verfassungsschutz. Die diesjährige Nakba-Demo wurde laut Polizei von einer Privatperson angemeldet. In den vergangenen Jahren kam es wiederholt zu heftigen Ausschreitungen. 2025 wurden mehrere Beamte verletzt, einer davon schwer. 56 Menschen wurden festgenommen. Die Staatsanwaltschaft ermittelte anschließend unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung und schweren Landfriedensbruchs.
In den Jahren zuvor hatte die Berliner Polizei Nakba-Demonstrationen verboten, weil die Behörden solche Ausschreitungen befürchteten. Das war 2022 und 2023 der Fall. Im Februar, dass die Verbote rechtmäßig gewesen seien. Unzulässig seien allerdings Verbote kleinerer Versammlungen in diesem Zusammenhang gewesen.
In diesem Jahr wird die Demonstration „wie geplant stattfinden“, sagte ein Polizeisprecher am Freitagvormittag. Die angemeldete Teilnehmerzahl von 1000 Personen halte man für realistisch. Da zeitgleich weitere Nakba-Versammlungen außerhalb Berlins stattfinden, etwa in Hamburg und Leipzig, hofft die Polizei, dass sich die Mobilisierung auf mehrere Städte verteilt. Welche Auswirkungen das auf die Lage vor Ort haben werde, lasse sich derzeit noch nicht abschätzen, sagte ein Polizeisprecher.
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