'Die kulturelle Vielfalt muss sich noch viel mehr in der Polizei widerspiegeln', sagt Derya Yildirim. 37Grad begleitet sie und andere Polizisten mit Migrationsgeschichte in ihrem Arbeitsalltag und zeigt, welche besondere Herausforderung auf ihnen lastet.
Der Film zeigt, was drei von ihnen erleben und leisten. Mal sind sie besondere Vertrauenspersonen, mal sprachbegabte Mittler in Krisensituationen oder kultursensible Türöffner in Einwanderungsmilieus.37 Grad schildert, wie es sich anfühlt, immer wieder auch "dazwischen" zu sein.
Einerseits erleben sie immer wieder, dass es noch keine Selbstverständlichkeit ist, dass es Polizist*innen gibt, die nicht deutscher Herkunft sind. Andereseits kommen die besonderen Fähigkeiten von Polizist*innen mit Migrationsgeschichte vor allem in Einwanderungsmilieus zum Einsatz. Im Vergleich zu vielen ihrer Kolleg*innen ohne Zuwanderungsgeschichte lastet auf ihnen eine besondere Herausforderung: Man erwartet von ihnen auch, dass sie aufgrund ihrer Zuwanderungsgeschichte zwischen den Kulturen vermitteln und immer mit der nötigen interkulturellen Kompetenz ausgestattet sind.Derya Yildirim war vor 20 Jahren eine der ersten Polizeibeamtinnen mit türkischen Wurzeln in Hamburg. Vorurteile und Diskriminierungserfahrungen kennt sie aus vielen Perspektiven. Heute ist sie die treibende Kraft im "Institut für transkulturelle Kompetenz" der Polizei Hamburg und sagt: "Die kulturelle Vielfalt muss sich noch viel mehr in der Polizei widerspiegeln". Unnachgiebig, kreativ und mit viel Herz erreicht sie Menschen, die sonst nie den Weg zur Polizei finden würden. 37 Grad begleitet sie dabei und erfährt, warum es für viele Menschen mit Zuwanderungsgeschichte wichtig ist, sich auch in der Polizei vertreten zu sehen.Kevin Shaikh ist in Magdeburg als Polizeibeamter mit pakistanisch-polnischen Wurzeln eine Seltenheit. Die Prägung durch die Herkunftskultur seiner Eltern und seine besonderen Sprachkenntnisse machen ihn zu einem geschätzten Kollegen in seinem Revier. Sein Einfühlungsvermögen und seine Kompetenz in anderen Kulturen helfen ihm oft, wenn es um Deeskalation in Konfliktsituationen geht. Er kann Ruhe bewahren, auch dann, wenn ein Neonazi ihn provoziert. 37 Grad begleitet Kevin Sheikh im Einsatz und erfährt von ihm, wie schwierig es schon war, als dunkelhäutiges Kind in der Schule um Anerkennung zu kämpfen.Auch Dina Brewer aus Ägypten musste kämpfen, um sich ihren Traum vom Polizeiberuf zu erfüllen. Ihre Familie war über den Berufswunsch nicht erfreut und hadert heute noch mit der Entscheidung der zweifachen Mutter. Als eine der wenigen arabisch sprechenden Frauen bei der Berliner Polizei sagt sie, dass es nicht nur die Sprache sei, die ihr einen besonderen Zugang zu den Menschen verschaffe. Es sei vor allem das Wissen um die kulturellen Eigenarten und Besonderheiten. Polizistinnen und Polizisten mit Migrationshintergrund haben dieses Wissen im Gepäck. Die Zukunft der Polizei ist ganz klar: Sie wird bunter.Nah dran, ohne den Einsatz zu behindern, immer dabei, ohne direkte Beteiligung – auch für unsere Protagonisten und deren Kollegen keine alltägliche Situation - Polizisten im Einsatz zu begleiten, war für uns eine besondere Herausforderung. Es gab aufregende, spannende, traurige, witzige und, ehrlich gesagt, auch sehr langweilige Stunden. Letzteres immer dann, wenn die Papierarbeit den Einsatztag bestimmte. Kein Drehtag war wirklich planbar. Niemand kann im Voraus sagen, wie der Dienst einer Funkstreifenbesatzung verlaufen wird.Polizistinnen und Polizisten, egal welchen kulturellen Hintergrund sie haben, leisten jeden Tag eine sehr wichtige Arbeit für uns alle: So viel war uns vorher klar. Und doch habe ich selten bei einem Dreh so viel gelernt wie bei diesem. Neben all den Gefahren, die dieser Beruf mit sich bringt, war es vor allem der Respekt für die Menschen gegenüber, der mir in der Beobachtung immer wieder auffiel. Und die zum Teil erschütternden Einblicke in vollkommen unterschiedliche Lebenswelten, mit denen Polizistinnen und Polizisten täglich konfrontiert sind, werden wir so schnell nicht vergessen.Den größten Teil der Zeit – und das zeigt der Film nicht – hören die Beamten den Menschen, mit denen sie zu tun haben, einfach zu. Die verwirrte Frau, die nachts brüllend das ganze Haus aufweckt, der betrunkene Obdachlose, der Unfallverursacher, der unnachgiebig jede Schuld von sich weist – alle bekommen die Zeit, sich zu erklären und werden angehört. Die kulturelle Kompetenz von Beamten mit Zuwanderungsgeschichte zeigt sich dabei in vielen kleinen Nuancen im Alltagsgeschäft. Mal ist es ein verständnisvoller Blick, ein Nicken, ein beruhigendes Wort in einer anderen Sprache, eine Geste, die Vertrauen schafft und Menschen das Gefühl von Sicherheit gibt in schwierigen Lebenssituationen.Polizistinnen und Polizisten mit offensichtlicher Migrationsgeschichte müssen dabei vielen Anforderungen gerecht werden. Sie sind Projektionsfläche im Guten wie im Schlechten und gleichzeitig sind sie Mittler zwischen Welten. Allein deshalb ist es wichtig, einen Film über sie zu machen.
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