Deutschland habe bereits 400.000 Jobs durch Chinas Exportoffensive verloren, schreibt das Handelsblatt. Was bedeutet die Zahl wirklich? Wir haben nachgefragt.
Deutschland habe bereits 400.000 Jobs durch Chinas Exportoffensive verloren, schreibt das Handelsblatt. Was bedeutet die Zahl wirklich? Wir haben nachgefragt. Ein Fahrzeug vom Typ ID.4 fährt im Februar 2026 im Werk von Volkswagen über ein Band durch die Produktionshalle.
Deutschlands China-Geschäft bricht massiv ein. Jetzt sorgt eine neue, noch nicht veröffentlichte Studie des britischen Thinktanks Center for European Reform für Aufsehen, über die das Handelsblatt am Mittwoch CER-Ökonom und Studienautor Sander Tordoir präzisierte gegenüber der Berliner Zeitung allerdings, dass es sich dabei nicht um 400.000 direkt verlorene Arbeitsplätze handelt. vom Februar dieses Jahres.
Dort ist nicht von 400.000 verschwundenen Arbeitsplätzen die Rede, sondern von einem deutlichen Rückgang der Jobs in Deutschland, die direkt oder indirekt vom China-Geschäft abhängig waren. Laut der IW-Studie hingen im Jahr 2021 noch rund 1,1 Millionen Arbeitsplätze in Deutschland direkt oder indirekt vom Endverbrauch in China ab. 2025 seien es schätzungsweise nur noch knapp 700.000 gewesen. Das entspreche einem Rückgang um weit über 400.000 Stellen, steht in der Studie geschrieben.
Während deutsche Waren- und Dienstleistungsexporte nach China 2021 noch bei mehr als 130 Milliarden Euro lagen, waren es laut dem IW 2025 nur noch rund 93 Milliarden Euro. Die Autoren der CER-Studie sprechen deshalb von einem „zweiten China-Schock“. Anders als nach Chinas WTO-Beitritt Anfang der 2000er-Jahre treffe die chinesische Exportoffensive diesmal zunehmend Deutschlands industrielle Kernbranchen wie Automobilindustrie, Maschinenbau, Chemie und Luftfahrt. Trotzdem bedeutet die Zahl 400.000 nicht zwangsläufig, dass so viele Menschen in Deutschland ihren Arbeitsplatz verloren haben.
Sie beschreibt vielmehr, wie stark die Bedeutung des China-Geschäfts für Deutschlands Industrie seit 2021 geschrumpft ist. Ein Teil der Produktion dürfte sich auf andere Märkte verlagert haben, während andere Bereiche, vor allem Teile der Automobilindustrie, tatsächlich Stellen abbauen oder Produktion ins Ausland verlagern.
Tordoir verweist zugleich auf einen weiteren wichtigen Punkt: Chinas Konkurrenz treffe deutsche Unternehmen längst nicht mehr nur in China selbst, also wenn die Chinesen weniger deutsche Produkte kaufen, sondern zunehmend auch in Drittstaaten – indem deutsche Hersteller im Konkurrenzkampf an die Chinesen verlieren. Besonders hart trifft die Entwicklung laut Tordoir klassische deutsche, stark exportorientierte Industriestandorte wie Wolfsburg, Ludwigshafen und die Region Stuttgart. Dort träfen Chinas Exportoffensive auf dem Weltmarkt und Deutschlands schwache Industrieentwicklung besonders stark aufeinander.
Laut Goldman Sachs könnte Deutschland durch Chinas Export- und Industriestrategie künftig jedes Jahr zwischen 0,2 und 0,3 Prozent seiner Wirtschaftsleistung verlieren. Gleichzeitig seien Deutschlands Nettoexporte bereits um rund drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts zurückgegangen. Besonders kritisch sieht Tordoir die Hoffnung vieler europäischer Politiker, chinesische Investitionen in Europa könnten die Industrieprobleme automatisch lösen. Tatsächlich investieren chinesische Unternehmen derzeit massiv in europäische Fabriken, etwa bei Batterien und Elektroautos.
Unternehmen wie CATL, CALB oder Gotion bauen neue Werke in Ungarn, Portugal oder der Slowakei auf. Gleichzeitig schlug Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies kürzlich vor,„Ansonsten besteht der Anreiz schlicht darin, Zölle über einfache Endmontage zu umgehen“, schrieb Tordoir auf Anfrage. Die eigentliche Lieferkette und die technologisch wertvolleren Teile der Produktion blieben dabei in China. Europa drohe dadurch am Ende lediglich zur „verlängerten Werkbank“ chinesischer Konzerne zu werden.
Der Verband der Automobilindustrie widerspricht allerdings der Vorstellung, China allein sei für die Krise verantwortlich. Eine VDA-Sprecherin erklärte gegenüber der Berliner Zeitung: „Deutschland hat eine anhaltende und gravierende Standortkrise.
“ Hohe Steuern und Abgaben, teure Energie, hohe Lohnkosten und „überbordende Bürokratie“ verschlechterten die Produktionsbedingungen zunehmend. Die Folge sei, dass sich Unternehmen „leider aus wirtschaftlichen Gründen täglich zu oft gegen den Standort Deutschland und Europa entscheiden“. Der VDA sieht die Ursachen der Krise damit deutlich breiter als die CER-Studie. China verschärfe den Wettbewerbsdruck zwar massiv.
Gleichzeitig verliere Deutschland aber selbst zunehmend an Wettbewerbsfähigkeit. Kurz gesagt: China wird nicht nur stärker. Deutschland wird gleichzeitig schwächer. , relativiert die Zahl 400.000 jedoch.
Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau erklärte auf Anfrage, man könne die Größenordnung „mangels Datengrundlage“ nicht beurteilen. Gleichzeitig verweist der Verband darauf, dass im deutschen Maschinen- und Anlagenbau allein im vergangenen Jahr rund 22.000 Stellen abgebaut wurden – mehr als zwei Prozent der Gesamtbeschäftigung der Branche. Der zunehmende Wettbewerb aus China sei „sicherlich einer“ der Gründe, erklärte der Verband.
Gleichzeitig verweist auch der VDMA ähnlich wie der VDA auf hohe Belastungen am Standort Deutschland, darunter hohe Steuern, steigende Lohnnebenkosten und Bürokratie.
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