Partys beginnen oft nicht vor 22 Uhr - für viele zu spät! Abhilfe soll eine neue Tanzreihe am Sonntag schaffen. Ein Gespräch mit DJ Anja und Thomas Herrr Stuke.
Freuen sich auf zahlreiche Tanzgäste: DJ Anja und DJ Thomas Herrr Stuke vor dem Club Stereo in Bielefeld. | © Oliver HeroldIhr plant ab 11.
Oktober eine neue regelmäßige Partyreihe am Sonntag. Was hat es damit auf sich? DJ HERRR STUKE: Ab Oktober wird es jeden zweiten Sonntag im Monat im Stereo, jeden dritten im Zweischlingen und jeden vierten im Forum neue Sonntagsveranstaltungen geben. Anja macht ein ähnliches Format bereits seit anderthalb Jahren im Zweischlingen, und wir fanden, dass es Zeit wird, diese Idee auch in die Innenstadt zu holen.
Im Stereo liegt der Schwerpunkt auf den 80ern und 90ern, dazu kommt eine separate Rock-/Metal-Area. Auf dem Mainfloor geht es auch mal in Richtung 90er-Clubsound inklusive Rave-Klassiker. Im Forum berücksichtigen wir stärker die DNA des Hauses, also mit mehr Independent-Anteil. DJ ANJA: Mein Format im Zweischlingen heißt „Tanzen macht glücklich“.
Sonntags geht es um halb fünf los, zunächst mit Kaffee, Tee und Gebäck. Um fünf mache ich die Musik an – und dann wird getanzt. DJ HERRR STUKE: Wer in den 80ern und 90ern regelmäßig ausgegangen ist, ist heute oft zwischen 50 und 60 Jahre alt. Die Lust auf Musik und Feiern ist noch da, aber viele möchten nicht mehr nachts um zehn oder elf Uhr losziehen.
Der Nachmittag dagegen ist dafür ideal. Und Musik funktioniert im Club einfach anders als zu Hause über Handy oder Bluetooth-Box. Manche Songs muss man laut hören und körperlich spüren – ein bisschen wie Filme, die auf der großen Kinoleinwand besser wirken. DJ ANJA: Meine Gäste sind zwischen 40 und 60.
Ich bin Mitte 50, das passt also ganz gut. Musikalisch geht es quer durch die 80er und 90er, aber auch mal mit aktuellen Sachen. Ich komme eher aus dem New-Wave, Rock- und Independent-Bereich. Meine Sets plane ich nicht komplett durch.
Ich schaue, wie die Stimmung ist und worauf die Leute reagieren. DJ HERRR STUKE: Sehr. Natürlich gibt es eine Grundausrichtung, aber was an einem Nachmittag wirklich passiert, hängt von der Energie im Raum ab. Man kann vorher eine Idee haben, aber die Tanzfläche entscheidet mit.
Deshalb setzen wir klare Schwerpunkte. Früher nannte man Partys am Sonntag auch Tanztee, auch in Bielefeld gab es diese. Warum wirkt das Konzept heute nicht altmodisch? DJ ANJA: Weil die „Alten von heute“ anders sind.
Viele sind fit, mobil und haben immer noch Lust auszugehen. Aber ich kenne genauso viele, die sagen: „Heute komme ich wirklich tanzen“ – und dann sitzen sie abends auf dem Sofa und bleiben dort. Nicht, weil sie keine Lust auf Musik haben, sondern weil der Zeitpunkt am Abend nicht mehr in das Lebenskonzept passt. Manche haben Kinder, andere einen anderen Biorhythmus oder möchten nicht stundenlang warten, bis eine Party richtig losgeht.
DJ HERRR STUKE: Früher hat man sich vorher noch in einer Kneipe getroffen und ist dann gemeinsam weiter in den Club gezogen. In dieser Altersgruppe gibt es das heute viel seltener. Wenn man erst einmal zu Hause auf dem Sofa sitzt, ist die Hürde groß, später noch einmal loszugehen. Nachmittags fällt diese Hürde weg.
DJ HERRR STUKE: Definitiv. Nach Corona gab es noch einmal einen deutlichen Bruch. Bei manchen Veranstaltungen merken wir, dass 20 bis 30 Prozent der Leute, die früher regelmäßig kamen, heute seltener ausgehen. Genau deshalb kann der Nachmittag ein guter Ansatz sein.
Die Leute kommen, tanzen anderthalb, zwei oder drei Stunden, haben Spaß und gehen zufrieden nach Hause. Niemand muss bis in die frühen Morgenstunden durchhalten; wer möchte, kann danach sogar noch den Tatort schauen. DJ ANJA: Auch die Abendveranstaltungen beginnen früher. Früher machte die Disco um zehn auf, um elf war man einer der Ersten und erst um Mitternacht war richtig was los.
Mittlerweile ist teilweise schon um zehn Party auf der Tanzfläche. Wenn die Leute zwei Stunden getanzt haben, sind viele glücklich und gehen nach Hause. Das finde ich als DJ schön, weil ich nicht erst lange Hintergrundmusik spielen muss. Welche Erfahrungen habt ihr mit den Sonntagsnachmittagsveranstaltungen bisher gemacht?
DJ HERRR STUKE: Die Leute freuen sich, dass es dieses Angebot gibt. Sie kommen, tanzen ein oder zwei Stunden und sind danach glücklich und zufrieden. DJ ANJA: Im Zweischlingen passiert es sogar, dass Eltern ihre erwachsenen Kinder mitbringen und beide Generationen zusammen tanzen. Manche machen aus dem Nachmittag einen Ausflug, gehen vorher essen oder spazieren.
Mit der Zeit bildet sich ein Publikum, das gut zusammenpasst. Für mich ist es jedes Mal kurios, nach vier Stunden Party aus dem Club zu kommen und draußen ist es im Sommer noch hell. DJ ANJA: Ich denke, das Interesse wird eher mehr werden. Die Leute möchten weiter ausgehen, tanzen, Freunde treffen und Teil des Nachtlebens bleiben, nur eben zu Zeiten, die besser zu ihrem Alltag und Biorhythmus passen.
DJ HERRR STUKE: Die Lust auf Musik ist ja nicht verschwunden. Es braucht nur passende Formate. Hinzu kommt natürlich auch das Thema Sicherheit. Viele, vor allem ältere, fühlen sich im dunkeln oder nachts unsicher als früher.
Das entfällt, wenn die Party im Hellen beginnt. DJ HERRR STUKE: Weil Musik unglaublich viel auslösen kann. Wenn ein bestimmter Song läuft, bist du sofort in einer anderen Zeit. Du erinnerst dich an bestimmte Menschen, Orte oder Situationen.
Musik ist ähnlich stark wie Gerüche, sie kann Erinnerungen unmittelbar zurückholen. Und wenn du diese Songs laut im Club hörst, entsteht noch einmal ein ganz anderes Gefühl. DJ ANJA: Genau deshalb spiele ich sonntags andere Musik als bei meinen normalen Clubnächten. Dort versuche ich auch neue Musik einzubauen.
Am Sonntag geht es viel stärker um Musik, die die Leute kennen. Die Songs dürfen Erinnerungen auslösen. Das ist ein wesentlicher Teil des Konzepts. DJ HERRR STUKE: Im Stereo und Forum sind die 80er und 90er deshalb ganz bewusst der gemeinsame Nenner.
Zur Abrundung unserer Angebote im Stereo und im Forum findet am ersten Sonntag im Dezember, also am Nikolaustag dem 6. Dezember, im Bunker Ulmenwall in Bielefeld außerdem eine Nachmittagsveranstaltung mit House-Musik statt. House funktioniert ja anders: Da geht es weniger um einzelne bekannte Songs, als um ein Gefühl, das sich entwickelt, einen Vibe, der dich trägt. DJ ANJA: Für mich sind Oldies immer noch die 70er.
Ich habe da offenbar eine eigene Zeitwahrnehmung . DJ HERRR STUKE: Ich würde lieber von Klassikern sprechen. Das sind Songs, die sich über die Jahre gehalten haben und einen sofort in eine bestimmte Zeit zurückholen.
„Classics“ klingt außerdem viel besser als Oldies. DJ HERRR STUKE: Wünsche sind natürlich erlaubt, ob sie gerade dann gespielt werden können, wird abgewogen. Ein Song muss in dem Moment zur Stimmung passen. Wenn die Tanzfläche voll ist und alle auf einen bestimmten Sound reagieren, kann ein nicht passender Song die Energie komplett rausnehmen.
Passende Musikwünsche bauen wir gern ein, aber das Timing muss stimmen. DJ ANJA: Genau. Die Leute, für die die Musik gerade perfekt passt, stehen ja meistens auf der Tanzfläche. Dann kommt manchmal jemand und möchte genau in diesem Moment etwas völlig anderes hören.
Dafür sind wir DJs da: Wir müssen einschätzen, was gerade funktioniert. DJ HERRR STUKE: Dass sie open minded sind, Freunde mitbringen und eine gute Zeit haben. Früher ist man mit der ganzen Clique losgezogen – genau dieses Gefühl darf gern wieder entstehen. Jeweils am zweiten, dritten und vierten Sonntag im Monat wird es ab Oktober ein neues, regelmäßig stattfindendes Tanzformat in Bielefeld geben, und zwar vom späten Nachmittag an bis abends.
Die Partys sollen verschiedene Altersgruppen ansprechen, insbesondere jene, die aufgrund geänderter Lebensumstände nicht mehr aktiv am Nachtleben teilnehmen möchten/können, dennoch aber weiterhin ausgehen und vor allem tanzen möchten. Musikalisch soll die gesamte Bandbreite der 80er und 90er Jahre gespielt werden, je nach Veranstaltungsort allerdings mit einem Schwerpunkt, der zu den unterschiedlichen Locations passt. Die Reihe startet am 11. Oktober, Karten für das Stereo und Forum gibt’s im Vorverkauf sowie an der Tageskasse, für das Zweischlingen nur an der Abendkasse.
Sonntag, 11.10. , 17 bis 21 Uhr, jeweils am 2. Sonntag im Monat, Stereo, Bielefeld; Eintritt: 10 €. Karten im Vorverkauf:Sonntag, 18.10.
, 16.30 bis 21 Uhr, jeweils am 3. Sonntag im Monat, Zweischlingen, Bielefeld; Eintritt: 8 €. Sonntag, 25.10. , 17 bis 21 Uhr, jeweils am 4. Sonntag im Monat, Forum, Bielefeld; Eintritt: 10 €.
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