Afrikanische Schweinepest NRW: Wie gut wird sie bekämpft?

Deutschland Nachrichten Nachrichten

Afrikanische Schweinepest NRW: Wie gut wird sie bekämpft?
Deutschland Neuesten Nachrichten, Deutschland Schlagzeilen

Vor mehr als einem Jahr hat das Virus NRW erreicht. Seitdem hat das Land zahlreiche Maßnahmen zur Eindämmung ergriffen. Mit Erfolg?

Vor mehr als einem Jahr hat das Virus NRW erreicht. Seitdem hat das Land zahlreiche Maßnahmen zur Eindämmung ergriffen. Mit Erfolg? Ausgestattet mit Schutzkleidung und Helm, begleitet von speziell geschulten Suchhunden, durchkämmen Olaf Müller und sein Team ein neblig-trübes Waldstück in der Gemeinde Kirchhundem im Kreis Olpe.

Ihr Ziel: infizierte Wildschweinkadaver aufzuspüren. Seit mittlerweile 16 Monaten leisten die Helfer diese Knochenarbeit. Kilometerweit, stundenlang, Tag für Tag. Bei Regen, Wind und Kälte.

Olaf Müller ist Hundetrainer und leitet den Suchtrupp des Landesbetriebs Wald und Holz NRW:Die Suche nach infizierten Wildschweinen ist eine von mehreren Maßnahmen der Landesregierung, um die Afrikanische Schweinepest einzudämmen. Es handelt sich dabei um eine hochansteckende Virusinfektion, die ausschließlich Schweine und Wildschweine befällt und fast immer zum Tod führt. Für den Menschen ist das Virus ungefährlich. Doch Landwirte fürchten um ihre Schweine.

In NRW gibt es mehr als 5000 Schweinebetriebe. Im Juni 2025 wurde im Kreis Olpe im Sauerland der erste Fall der Afrikanischen Schweinepest in Nordrhein-Westfalen nachgewiesen. Seitdem ist die Zahl der bestätigten Fälle bei Wildschweinen auf 845 gestiegen. Doch inzwischen gibt es Anzeichen für eine Entspannung: Seit einigen Monaten werden weniger infizierte Tiere gefunden.

Jürgen Harlizius, Leiter der Tierseuchenbekämpfung im NRW Landwirtschaftsministerium, lobt die ersten erkennbaren Erfolge: "Im Moment haben wir eine Phase, wo wir eigentlich seit vielen Wochen wenig tote Tiere, wenig verendete Tiere finden.

"Sperrzaun soll Verschleppung der Seuche verhindern Der Kampf gegen das Virus hat das Land inzwischen 35 Millionen Euro gekostet. Besonders teuer ist der Sperrzaun. Er ist neben der Jagd eine weitere Maßnahme der Landesregierung, um die Seuche in Schach zu halten. In den betroffenen Kreisen Olpe, Siegen-Wittgenstein und Hochsauerlandkreis sind insgesamt 780 Kilometer abgesperrt.

Eine Strecke fast so lang wie von dort nach Mailand. Der Zaun soll den Bewegungsradius der Tiere einschränken und dadurch verhindern, dass die Tierseuche weiter verschleppt wird. Ein Zaun sperrt das sogenannte Kerngebiet ab. Hier hat es bislang die meisten Infektionszahlen gegeben.

Vor wenigen Wochen hat das Land als zusätzliche Schutzmaßnahme einen zweiten Zaun errichtet. Dieser soll die sogenannte Sperrzone II schützen. Der Zaun sorgt aber auch für viel Unmut. Kritiker bemängeln, andere Wildtiere würden sich am Zaun verletzen und von Nahrungsquellen abgeschnitten werden.

Laut NRW-Landwirtschaftsministerium gibt es auch Spuren von Vandalismus am Zaun. Silke Müller von der Bürgerintiative"ASP - Zaun - Stopp Siegerland" unterstützt eine Petition, die den Stopp des Zauns fordert. Die Petition hat mittlerweile mehr als 2400 Unterzeichner.

"Wir finden, dass das in keinem Verhältnis steht, dass die ganze Natur zerschnitten wird und so viele andere Tiere darunter leiden müssen, die nicht betroffen sind von ASP"Das NRW Landwirtschaftsministerium räumt ein, dass inzwischen 34 verendete Tiere an Zäunen in den drei betroffenen Kreisen aufgefunden wurden. Allerdings sei nicht immer der Zaun die Ursache für den Tod der Tiere, sondern auch Entzündungen oder andere Krankheiten. Für Jäger Peter Schauerte erfüllt der Zaun seinen Zweck.

Sein Revier liegt mitten in der Sperrzone II im Kreis Olpe in Grevenbrück. In diesem Jagdjahr wurde in seinem Revier noch kein einziges positiv getestetes Wildschwein gefunden. Das sieht er als Erfolg. Eine richtige Alternative sieht er nicht.

"Wenn wir den Zaun nicht bauen, welcher Schaden würde dann passieren? Wenn man ein Wildschwein gesehen hat, das an der ASP erkrankt, wie elendig schreiend und blutend das durch den Wald rennt, da reden wir auch von Tierleid.

"Um die Schweinegrippe einzudämmen, wird auch auf eine verstärkte Bejagung gesetzt. Der Auftrag der Jäger im Seuchengebiet: So viele Wildschweine wie möglich zu schießen - auch Frischlinge. Dadurch soll das Ansteckungsrisiko klein gehalten werden.

"Es ist nicht das, was Spaß macht. Es sind auch Dinge, die einem abverlangt werden, die man sonst vielleicht vermieden hätte"Die Jagd wird für Peter Schauerte zusätzlich erschwert durch zwei Maisfelder, die sich in seinem Revier befinden. Wenn er durch das Feld läuft, entdeckt er viele gebrochene Stängel. Wildschweine haben sich hier zu schaffen gemacht.

Sie bedienen sich gerne am saftig süßen Mais. Das erschwert die Jagd: Denn je kräftiger die Tiere, desto eher vermehren sie sich. Die Maisfelder sind aber nicht nur eine gute Futterquelle, sondern auch ein gutes Versteck für die Tiere. Seuchenbekämpfung bedeutet für die Jäger auch, ihre Jagd auf die Nachtstunden zu legen.

Denn Wildschweine sind erst ab der Abenddämmerung aktiv: "Das ist eigentlich die größte Herausforderung, dass du dir die Nacht um die Ohren schlägst, und das ist auch nicht immer von Erfolg gekrönt.

", wie Schauerte es nennt. Hat er ein Wildschwein erlegt, müsse eine Blutprobe entnommen werden und wichtige Daten wie Größe, Alter und Gewicht des Tieres in eine spezielle App eingetragen werden. Die Proben werden dann in einem Labor in Olpe getestet. Doch auch bei einem negativen Befund darf das erlegte Wildschwein nicht verkauft werden.

Bürokratische Schritte sind auch bei der Kadaver-Suchhundestaffel von Olaf Müller erforderlich. Und zwar genau dann, wenn ein Hund anschlägt. Hin und wieder finden sie im Wald auch Knochen. Sollten diese von einem infizierten Wildschwein stammen, kann das Seuchen-Virus darin monatelang überleben.

Ein potenzielle Gefahr. Deswegen muss der Knochen raus aus dem Wald und untersucht werden. Die Helfer tragen den Fund in eine Software ein und markieren die Stelle mit einem blauen Forstmarkierband. Das hilft später dem Bergungsteam.

Für Jürgen Harlizius von der Tierseuchenbekämpfung ist wichtig, die Menschen weiter zu sensibilisieren:Pilzsammler, Wanderer und Mountainbiker müssten nun zwingend auf den Wegen bleiben. Andernfalls könnten sie das Virus aus dem Wald weitertragen. Es gebe entsprechende Schilder an den Toren, in den Restaurants und an Wanderparkplatzen. Damit ein Gebiet als seuchenfrei gilt, darf laut EU-Verordnung mindestens ein Jahr lang kein positiver Befund mehr auftauchen.

Harlizius vergleicht den Weg zur Seuchenfreiheit mit einem Marathon. Aktuell seien sie etwa bei der Hälfte angekommen. Du willst mehr Beiträge vom WDR direkt oben in der Suche bei Google sehen? Dann füge uns jetzt als"Bevorzugte Quelle" hinzu. Neue Regeln für Suche nach Top-Juristen

Rubbel die nächste Story frei

0% freigerubbelt · 100 Pkt.
Wir haben diese Nachrichten zusammengefasst, damit Sie sie schnell lesen können. Wenn Sie sich für die Nachrichten interessieren, können Sie den vollständigen Text hier lesen. Weiterlesen:

WDRaktuell /  🏆 25. in DE

 

Deutschland Neuesten Nachrichten, Deutschland Schlagzeilen

Similar News: Sie können auch ähnliche Nachrichten wie diese lesen, die wir aus anderen Nachrichtenquellen gesammelt haben.

Hilfe zur Pflege belastet Kommunen in NRW: Remscheid setzt auf WohnberatungHilfe zur Pflege belastet Kommunen in NRW: Remscheid setzt auf WohnberatungIn Remscheid steigen die Kosten für die Hilfe zur Pflege um 33,7 % und belasten die Kommune zunehmend. Fachdienstleiter Carsten Thies erklärt den Antragsprozess, die Finanzierungsmechanismen und die Bemühungen der Stadt, ältere Menschen in ihrem Zuhause zu halten.
Weiterlesen »

Mildes Wochenende in NRW – Sonne und Nebel wechseln sich abMildes Wochenende in NRW – Sonne und Nebel wechseln sich abSonne statt Herbstgrau: In Nordrhein-Westfalen wird es am Wochenende ungewöhnlich mild, nur nachts macht sich der Herbst mit Nebel bemerkbar.
Weiterlesen »

Arabische und afrikanische Verbände stützen InfantinoArabische und afrikanische Verbände stützen InfantinoFIFA-Chef Gianni Infantino steht in Teilen der Fußball-Welt massiv in der Kritik. Vor der nächsten Präsidentschaftswahl tobt ein Machtkampf - nun äußern sich...
Weiterlesen »

Tag der Deutschen Einheit: Wie 'mein' David die Mauer einriss – oder wie war das eigentlich?Tag der Deutschen Einheit: Wie 'mein' David die Mauer einriss – oder wie war das eigentlich?Warum denken viele bei diesem bedeutsamen, historischen Ereignis, als 1989 die Mauer fiel, unwillkürlich an 'The Hoff'? Unsere Autorin weiß jedenfalls, warum sie es tut.
Weiterlesen »