Der weltweit wichtigste Börsenindex ist den meisten Kennzahlen zufolge überbewertet. Es gibt zwar eine Ausnahme, doch die hat auch hat Tücken, meint Andreas Neuhaus.
Ein Kursrücksetzer ist überfällig, mögen viele Anlegerinnen und Anleger sagen, nachdem der S&P 500 zuvor binnen sechs Wochen um 19 Prozent gestiegen war. Mehrfach baute der Index im Zuge dessen seinen Höchststand aus, wodurch er nach vielen Metriken teurer als im historischen Durchschnitt ist.
Einer wichtigen Kennzahl zufolge ist der S&P 500 aber nicht über-, sondern unterbewertet. Eine Entwarnung ist das trotzdem nicht. Die am weitesten verbreitete Kennzahl ist wahrscheinlich das Kurs-Gewinn-Verhältnis . Es setzt den Nettogewinn der Indexmitglieder ins Verhältnis zum Preisniveau.
Auf Basis der in den kommenden zwölf Monaten erwarteten Gewinne beträgt das KGV des S&P 500 22. Demnach wäre der Index derzeit 37 Prozent teurer bewertet als im Durchschnitt. Das klingt nach einem Alarmsignal.
Allerdings ist das KGV eine statische Kennzahl. Es spiegelt das starke Gewinnwachstum nur bedingt wider. In der aktuellen Quartalssaison, die sich derzeit ihrem Ende entgegenneigt, Analysten erwarten, dass dieser Trend anhält, und haben ihre Prognosen entsprechend angepasst. Die langfristigen Konsens‑Wachstumserwartungen liegen nun bei 16 Prozent auf Jahressicht.
Berücksichtigt man diese Entwicklung, wirkt der S&P 500 plötzlich nicht mehr so teuer. Das ist der Fall, wenn man auf die PEG-Ratio schaut, die das KGV ins Verhältnis zum erwarteten Gewinnwachstum setzt. Aktuell liegt das PEG bei 1,37. Damit ist der Index nicht billig – das wäre erst bei einem Wert unter eins der Fall –, er ist aber trotzdem fünf Prozent günstiger bewertet als in seinem historischen Durchschnitt.
Der liegt bei 1,43. Vor allem aber ist der S&P 500 deutlich von seinem Extremwert entfernt, der bei 3,5 liegt. Das spricht vordergründig dafür, dass der S&P 500 seine Rally bald wieder aufnehmen könnte. BofA-Strategin Subramanian gibt jedoch zu bedenken, dass eine unterdurchschnittliche PEG-Ration in der Vergangenheit ein Kontraindikator war – also ein Warnsignal, das auf fallende Kurse hindeutet.
Demnach korrelieren langfristige Gewinnerwartungen und Aktienkurse negativ miteinander, entwickeln sich also gegenläufig. Denn ihrer Auswertung zufolge werden extrem hohe Erwartungen an das Gewinnwachstum häufiger enttäuscht als übertroffen. Sollte das auch diesmal der Fall sein, dürften die Kurse am US-Aktienmarkt entsprechend korrigieren. Denn das hohe Niveau dulden Aktionäre nur, weil die Gewinnerwartungen so hoch sind.
Sinken sie, dürfte kein KGV mehr akzeptiert werden, das 37 Prozent über seinem Durchschnittswert liegt. Die Frage ist, wie stark die Kurse korrigieren würden. Hier liefert Subramanians Auswertung eine Entwarnung. Mit Blick auf die historischen Daten leitet sie daraus einen Verlust von sechs Prozent ab.
Zum Jahresende erwartet die BofA den S&P 500 bei einem Stand von 7100 Punkten. Das wäre ein Abschlag von gut fünf Prozent zum Rekordhoch von über 7500 Punkten. Es wäre aber immer noch ein Plus von 3,5 Prozent gegenüber dem Schlusskurs des Vorjahres.
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