Aktienmärkte im vierten Quartal: Chancen trotz geopolitischer Risiken

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Geopolitische Spannungen und hohe Energiepreise belasten die Finanzmärkte. Fallende Ölpreise und nachlassende Inflation könnten Aktien im vierten Quartal stützen.

Die Finanzmärkte im vierten Quartal stehen im Spannungsfeld geopolitischer Reibereien, hoher Energiepreise und der damit verbundenen Inflation s- und Zinsängste sowie unsicherer US-Zwischenwahlen. Diese Faktoren scheinen zunächst für einen perfekten Sturm zu sprechen. Doch möglicherweise werden die Chancen für einen goldenen Aktien-Herbst unterschätzt. Dreh- und Angelpunkt bleibt die Krise am Persischen Golf.

Geopolitische Signale nach den US-Wahlen

Nach den US-Zwischenwahlen könnte neue geopolitische Bewegung entstehen. Sollten die Republikaner nicht mehr durchregieren können, dürfte der parteiinterne Druck auf Trump zunehmen. Viele Wähler drängen auf niedrigere Energiepreise und ein Ende des Krieges. Potenzielle Präsidentschaftsanwärter werden sich daher stärker von ihm abgrenzen.

Losgelöst von Befindlichkeiten und Wahlterminen spricht dies für eine zunehmende amerikanische Bereitschaft, mit dem Iran wieder ins vernünftige Gespräch zu kommen. Auch der Iran steht unter Handlungsdruck. Er hat ein Interesse an möglichst umfänglichen Energieverkäufen.

Gemäß Echtzeit-Daten des Analysehauses Kpler haben sich die Lieferungen über die Straße von Hormuz auf etwa zwei Drittel des Vorkriegsniveaus erholt. Dem Iran scheint allmählich die Kontrolle über das Nadelöhr zu entgleiten. Spielraum wäre grundsätzlich da, um über eine schrittweise Deeskalation die Ölpreise wieder deutlich unter 100 US-Dollar je Barrel zu drücken, was die Inflationserwartungen entspannte.

Inflation und Notenbanken im Fokus

Selbst wenn die Ölpreise auf dem derzeit hohen Niveau verharrten, lassen energieseitig getriebene Inflationsraten spätestens im Frühjahr 2027 nach. Ab dann fallen die kräftigen Preissteigerungen aus dem Vorjahresvergleich heraus und es kommt sogar zur Energiepreis-Deflation. Das wäre auch für Fed und Co. Anlass, zinserhöhungspolitisch milder zu werden.

Selbst im Extremfall noch stattfindende Anhebungen im Oktober und Dezember um jeweils 0,25 Prozentpunkte wären kein aggressiver Straffungszyklus. Sie würden im Wesentlichen die vorsorglichen Zinssenkungen von Kevin Warshs Vorgänger Jerome Powell aus dem Vorjahr zurücknehmen. Und die EZB? Selbst eine Anhebung des Einlagensatzes von 2,50 auf 2,75 Prozent im Dezember würde der höheren Inflation nur folgen, diese aber nicht überholen.

Ohnehin ist ein längerer, aktienbelastender Zinserhöhungszyklus unwahrscheinlich, da politische Risiken vor allem in Frankreich und die Tragfähigkeit europäischer Staatsschulden dem Stabilitätsansinnen enge Grenzen setzen. Von der Bank of Japan werden lediglich behutsame Straffungsschritte erwartet. Die Verschuldung und der kreditfinanzierte Umbau des Wirtschaftsstandorts sprechen gegen eine dynamische Zinswende nach oben. Die Notenbank wird auch künftig weiter die Rolle des zentralen Stabilitätsankers des japanischen Finanzsystems spielen müssen.

Anleihen und Aktien im Vergleich

Aus dieser Perspektive werden länger laufende Staatstitel als Anlageklasse interessant, um von der Wechselwirkung aus fallenden Inflationsrisikoprämien und Kurssteigerungen zu profitieren. Und da Amerika den weltweiten Takt vorgibt, werden fallende US-Renditen auch die Renditen an den Anleihemärkten Europas nach unten bewegen.

Jedoch, solange noch Kursverluste bei Staatsanleihen drohen, halten sich große institutionelle Anleger zurück. Aber nach einem Jahrzehnt der intensiven Renditejagd während der Nullzins-Ära markieren Renditen von gut fünf Prozent bei zehnjährigen US-Titeln wieder ein Niveau, das allmählich Käufer anziehen dürfte. Historisch betrachtet ist das aktuelle Renditeniveau von Anleihen eher Ausdruck einer Normalisierung als ein panisches Krisensignal. Zwischenzeitliche Renditesprünge sind zwar ernst zu nehmen. Das Risiko nachhaltiger zinsseitiger Belastungen für Weltwirtschaft und Aktienmärkte erscheint vor diesem Hintergrund aber begrenzt.

Natürlich ist diese eher optimistische Kausalkette über sinkende Energiepreise, nachgebende Inflation, rückläufige Zinsen, wieder entspanntere Notenbanken und robustere Aktienmärkte nicht in Stein gemeißelt und mit Risiken behaftet. Ansonsten würde die Büchse der Pandora noch mehr geöffnet. Vernunft sollte zu Realpolitik führen.

Angesichts der unfassbaren Überschuldung der Welt und aktuell hohen Preisen müssten Staatsanleihen deutlich mehr Risikoprämie bieten. Real betrachtet befinden sich die Realrenditen bei Zinspapieren aber nur überschaubar in positivem Terrain. Damit stellen sie keine große Bedrohung für sachkapitalistische Anlageklassen wie Aktien und auch Edelmetalle dar. Auch die Bewertungsfrage ist beruhigend. Gegenüber dem gesamten US-Aktienmarkt kann man schwerlich von einer Überbewertung von High-Tech-Unternehmen sprechen. Sie stellen keine Potemkinschen Dörfer mehr wie zur Zeit der Internet-Blase dar. Ihr Gewinnwachstum ist mehr als robust. Und die angedeutete Selbstbeschränkung der Investitionsbudgets scheitert schon am geopolitischen Konkurrenzkampf Amerikas mit China. Mit dieser fundamentalen Kraft erwehren sie sich auch den Zins-Turbulenzen, die ansonsten viel verbrannte Erde hinterlassen hätte.

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