Loslassen kann manchmal ganz schön schwer sein, aber diese Erfahrungen brauchen Teenager, um selbstständig und resilient zu werden.
© Getty Images/ Images By Tang Ming TungLoslassen kann manchmal ganz schön schwer sein, aber diese Erfahrungen brauchen Teenager, um selbstständig und resilient zu werden.
Als Eltern ist es schwer auszuhalten, wenn das eigene Kind scheitert. Man sieht den Fehler kommen, kennt die Konsequenzen und würde am liebsten sofort eingreifen. Man möchte einfach nicht, dass das eigene Kind unnötig leidet. Doch genau darin liegt ein großes Dilemma in der Pubertät.
Jugendliche entwickeln sich nämlich nicht dadurch weiter, dass wir Erwachsenen jedes Problem für sie lösen. Sie wachsen daran, eigene Erfahrungen zu machen, auch die unangenehmen. Natürlich geht es nicht darum, sein Kind ins offene Messer laufen zu lassen. Bei Themen wie Gewalt, Sucht, Selbstgefährdung oder psychischen Problemen müssen wir Eltern handeln.
Im Familienalltag aber gibt es sehr viele Situationen, in denen Zurückhaltung langfristig hilfreicher ist als ständiges Eingreifen. Dass Entscheidungen Konsequenzen haben Ob die Hausaufgaben vergessen wurden, das monatliche Taschengeld schon nach drei Tagen komplett ausgegeben wurde oder die Lieblingsjacke bei der Freundin liegen geblieben ist, wir Eltern helfen gern, wenn unsere Kinder Hilfe brauchen. Denn wir mögen es, Probleme zu lösen.
Allerdings helfen wir ihnen damit nur kurzfristig. Langfristig verhindern wir, dass sie lernen, dass Entscheidungen auch Konsequenzen haben. Genau das ist aber entscheidend, wenn man möchte, dass der Nachwuchs Verantwortungsbewusstsein entwickelt. Wir möchten den Schmerz unserer Kinder gern so klein wie möglich halten, wenn Freundschaften zerbrechen, Klassenarbeiten ordentlich in die Hose gehen oder Bewerbungen unbeantwortet bleiben oder eine Absage beinhalten.
Denn nicht nur sie leiden dann, sondern wir Eltern auch immer ein bisschen mit. Enttäuschungen gehören jedoch zum Leben und zur Entwicklung dazu. Die Fähigkeit, mit belastenden Situationen umzugehen und sich davon erholen zu können, muss man lernen. Resilienz entsteht, wenn man sich Herausforderungen stellt und lernt, sie zu bewältigen.
Gibt es Streit mit Freund*innen, Lehrer*innen oder auch Geschwistern, geraten wir schnell in Versuchung, zu vermitteln oder Lösungen vorzuschlagen. Besser ist jedoch, zuzuhören und das Kind selbst eine Lösung finden zu lassen. Teenager, die die Möglichkeit haben, den Konflikt selbst auszutragen, entwickeln wichtige soziale Kompetenzen. Sie müssen zuhören, Kompromisse finden, Grenzen setzen und Verantwortung für das eigene Verhalten übernehmen.
Niemand gibt gerne zu, etwas falsch gemacht zu haben, schon gar nicht Teenager. Sie schieben die Schuld gern von sich und machen andere dafür verantwortlich. Doch genau hier liegt die entscheidende Lektion. Fehler sind selten eine wirkliche Katastrophe, wenn man sie zugeben und Verantwortung übernehmen kann.
Sie sind nicht das Ende der Welt, sondern lassen sich oft viel leichter als gedacht beheben. Vertrauen in das Kind, das Problem selbst zu lösen, ist ein großer Antrieb, damit es Verantwortung entwickeln kann. Teenager vergessen Termine, ihre benutzte Kleidung in den Wäschekorb zu legen, suchen ständig irgendetwas und doch ist es wichtig, dass sie all diese Dinge alleine bewältigen und wir Eltern uns zurückhalten. Auch wenn wir bei allem schneller und effizienter wären.
Sich organisieren zu können ist eine gelernte Fähigkeit. Je öfter Teenager die Möglichkeit haben, genau das zu üben und auch es zu vergeigen, um so besser werden sie darin. Und natürlich wird es anfangs sehr holprig und bestimmt führt das auch zu unangenehmen Terminen, in denen sie sich und ihr Vergessen erklären müssen, aber das gehört dazu. Nicht jedem gefallen zu müssen Teenager möchten dazugehören.
Also passen sie sich an, aus Angst, ausgeschlossen zu werden. Es kommt aber der Punkt, an dem müssen sie für sich selbst einstehen und Entscheidungen treffen, die nicht jedem gefallen werden. Wir Eltern können unsere Teenager darin unterstützen, bei sich zu bleiben und weniger ins Außen zu gucken, wenn wir ihr Selbstwertgefühl fördern. Das schafft man, wenn man nicht bewertet, sondern Interesse an den Gedanken des Teens zeigt und ihm so hilft, seine eigenen Werte zu entwickeln.
Dass Eltern nicht alle Probleme lösen können Lange Zeit sind wir Eltern für Kinder allwissend. In der Pubertät ändert sich das. Dann merken Kinder, dass Mama und Papa eben doch nicht auf jede Frage eine Antwort haben und auch nicht jede Schwierigkeit aus dem Weg räumen können. Und das kann im ersten Moment verunsichern, ist aber ein wichtiger Schritt Richtung Selbstständigkeit.
Denn es zwingt Teenager in gewisser Weise, eigene Lösungen zu suchen, Verantwortung zu übernehmen und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu entwickeln.
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