Die Archäologen geraten immer mehr in einen Zwiespalt. Zwar machen sie auf Norwegens Eisflecken seltene Funde, doch aus einem Grund, der die Landschaft erbarmungslos verändert.
ANZEIGE Die Archäologen geraten immer mehr in einen Zwiespalt. Zwar machen sie auf Norwegens Eisflecken seltene Funde, doch aus einem Grund, der die Landschaft erbarmungslos verändert.
In Norwegen haben Archäologen einzigartige Funde gesammelt: insgesamt 48 Pfeile, die bis zu 6000 Jahre alt und teils ausgezeichnet erhalten sind. Gerade die Pfeilschäfte aus Holz würden unter gewöhnlichen Bedingungen vermutlich nicht überdauern. Im Gebirge Jotunheimen in der Provinz Innlandet lagen die steinzeitlichen Objekte allerdings jahrtausendelang geschützt in Eisflecken.schmelzen die skandinavischen Eisfelder rasant ab – und geben zahlreiche Gegenstände der Vorgeschichte frei.
Bis vor einigen Jahren, so berichten es die Archäologen um Espen Finstad von der Bezirksbehörde Innlandet, stellte sich mithilfe der 14C-Methode heraus, dass ihre Funde wenige Jahrtausende alt oder wikingerzeitlich sind. Doch inzwischen erweisen sich die Objekte als immer älter.
„Es ist die Steinzeit, die jetzt aus dem Eis herausschmilzt“, sagt Finstad in einer Videoaufzeichnung seines Teams. Zu diesen ungefähr 5000 Jahre alten Funden zählt etwa eine Pfeilspitze aus Schiefergestein samt zerbrochenem Schaft. Doch den Fachleuten setzt die Arbeit an den Eisflecken Langfonne, Storefonne und Hanklefonne am Bergmassiv Kvittingskjølen zu: „Es belastet uns immer mehr, zu beobachten, wie sehr sich die Landschaft verändert, wie stark sich der Klimawandel auf die Berge auswirkt und wie das Eis verschwindet“, so der Archäologe.
Meist entdecken Finstad und seine Kollegen Dinge, die Menschen vor Jahrhunderten und Jahrtausenden verloren oder weggeworfen haben: Pfeile, Bögen, ausgedientes Schuhwerk und Skier, die aus organischem Material wie Holz, Textil, Leder, Knochen und Sehne bestehen. Jäger waren einst in die Berglandschaft aufgestiegen, um dort Rentiere zu jagen, die im Sommer auf den Eisfeldern umherstreiften. Seit 20 Jahren läuft das Forschungsprojekt „Secrets of the Ice“ der norwegischen Archäologen. 73 Fundstellen und mehr als 5000 Fundstücke lautet ihre bisherige Bilanz.
Anfangs seien die meisten Funde nicht älter als 2000 Jahre gewesen. Doch inzwischen häufen sich Objekte, die teils mehr als 6000 Jahre zurückreichen. Das Alter der Eisfelder schätzt Finstad auf zwischen 6000 und 7000 Jahre, wie er gegenüber „Science Norway“ erklärt. Rückblickend auf ihre bisherige Arbeit vermuten die Gletscherarchäologen, dass die meisten Eisfleckensein dürften.
Schon jetzt erstrecke sich über große Bereiche am Kvittingskjølen, die noch vor Kurzem mit Eis bedeckt waren, nur mehr Fels und Geröll. Um weitere Zeugnisse der Vergangenheit zu sichern, hat das Team seine diesjährige Kampagne noch nicht beendet. Nach einer kurzen Pause soll es noch vor Wintereinbruch wieder zurück nach Jotunheimen gehen.
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