Benedetto Vigna räumt mit Spekulationen über einen Streit mit Frederic Vasseur auf, sportlich nimmt der Ferrari-CEO sein Team aber in die Pflicht
Benedetto Vigna räumt mit Spekulationen über einen Streit mit Frederic Vasseur auf, sportlich nimmt der Ferrari-CEO sein Team aber in die Pflichtentschieden zurückgewiesen. Wie absurd manche der kursierenden Gerüchte seien, verdeutlicht er mit einer Anekdote: Von den angeblichen Spannungen zwischen ihm und Vasseur habe er ausgerechnet erfahren, als die beiden gemeinsam beim Abendessen saßen.
"Die Realität ist, dass Fred und die Scuderia entschlossen und darauf fokussiert sind, was getan werden muss", stellt Vigna klar. Gleichzeitig räumt der Ferrari-CEO ein, dass die sportlichen Ergebnisse nicht den eigenen Ansprüchen entsprechen:"Müssen wir das Auto verbessern? Natürlich! Unsere Rivalen haben es besser gemacht.
". Die bislang enttäuschenden Ergebnisse Ferraris hatten Berichte darüber befeuert, dass sich die Scuderia nach möglichen Alternativen an der Spitze des Formel-1-Teams umsehen könnte. Vigna macht nun deutlich, weshalb sich das Unternehmen überhaupt dazu veranlasst sah, auf die Spekulationen zu reagieren. Dabei erzählt der Ferrari-CEO von einer Situation, die für ihn beispielhaft dafür steht, wie weit sich öffentliche Wahrnehmung und Realität voneinander entfernen können.
Vigna saß demnach vor einiger Zeit mit Vasseur beim Abendessen, als er auf einen Beitrag stieß, in dem behauptet wurde, das Verhältnis zwischen den beiden sei völlig zerrüttet. Vigna und Vasseur könnten einander nicht ausstehen, hieß es darin. Die Ironie: Vigna las die Geschichte, während er mit genau jenem Mann beim Essen saß, mit dem sein Verhältnis angeblich so schlecht sein sollte. Seine Reaktion darauf sei ein Lächeln gewesen.
Für Vigna steht diese Episode stellvertretend für ein grundsätzliches Problem. Der Ferrari-CEO, dessen beruflicher Hintergrund in den Naturwissenschaften liegt, betont, wie wichtig es sei, zwischen belegbaren Fakten und Spekulationen zu unterscheiden. Analysen, Kritik und unterschiedliche Meinungen seien legitim. Problematisch werde es jedoch, wenn eine Meinung oder Interpretation als Tatsache dargestellt werde, ohne die zugrunde liegenden Informationen überprüft zu haben.
"Aber überprüft es doch, schaut es mit euren eigenen Augen nach! ", fordert Vigna. Gerade in Zeiten von Social Media sieht Vigna darin eine zunehmende Gefahr. Wird eine Behauptung häufig genug wiederholt, könne sie irgendwann als Tatsache wahrgenommen werden - unabhängig davon, wie belastbar die ursprüngliche Quelle überhaupt war.
Der Ferrari-CEO kennt dieses Problem aus eigener Erfahrung. Während seiner inzwischen 30-jährigen Karriere habe er mehrfach Interviews gelesen, in denen ihm Aussagen zugeschrieben worden seien, die er nie getätigt habe. Die betreffenden Medien hätten diese Aussagen später zwar korrigiert, doch damit sei das eigentliche Problem nicht gelöst: Die ursprüngliche Version sei zu diesem Zeitpunkt längst veröffentlicht und von zahlreichen Menschen gelesen worden. Dass dieselben Leser später noch einmal zurückkehren, um die korrigierte Fassung zu lesen, sei unwahrscheinlich.
Durch Social Media und Blogs werde dieser Mechanismus zusätzlich verstärkt und noch schwieriger zu kontrollieren. Bei Ferrari erhält dieses Phänomen eine besondere Dimension. Kaum ein anderes Team im internationalen Motorsport steht derart stark im öffentlichen Fokus. Entsprechend schnell verbreiten sich Gerüchte aus dem Fahrerlager weit über die Formel-1-Welt hinaus.
Dabei bleiben die Auswirkungen laut Vigna nicht auf die unmittelbar Beteiligten beschränkt. Spekulationen erreichen auch die Mitarbeiter des Teams und deren Familien und können damit zusätzlichen Druck und Ablenkung erzeugen. Genau deshalb entschied sich Ferrari im Fall Vasseur für eine öffentliche Klarstellung. Die Spekulationen sollten beendet werden, bevor sie weiter an Dynamik gewinnen konnten.
Nach Einschätzung Vignas hat diese Strategie funktioniert. Nachdem Ferrari eindeutig Stellung zur Zukunft des Teamchefs bezogen hatte, seien auch die entsprechenden Fragen weitgehend verstummt. Das bedeutet allerdings nicht, dass der Ferrari-CEO mit der aktuellen sportlichen Situation zufrieden wäre. Vigna räumt offen ein, dass die Konkurrenz in dieser Saison bislang bessere Arbeit geleistet hat.
Dabei unterscheidet er jedoch klar zwischen den sportlichen Defiziten des Teams und der Frage nach dessen Führung:"Die Realität ist, dass Fred und die Scuderia entschlossen und darauf fokussiert sind, was getan werden muss", sagt Vigna.
"Müssen wir das Auto verbessern? Natürlich! Unsere Rivalen haben es besser gemacht. Aber die Gesetze der Physik sind unveränderlich, und das bedeutet, dass man es besser machen kann.
"Die Botschaft aus Maranello ist damit eindeutig: Ferrari sieht die Notwendigkeit, sich sportlich zu verbessern, leitet daraus aber keinen Bedarf für einen erneuten Umbruch an der Spitze des Formel-1-Teams ab. Vasseur bleibt im Zentrum des Projekts, und die angeblichen Spannungen zwischen ihm und Vigna weist der Ferrari-CEO zurück. Sein grundsätzlicher Ansatz bleibt dabei derselbe, den er aufgrund seines wissenschaftlichen Hintergrunds auch bei anderen Problemen verfolgt: beobachten, überprüfen und erst anschließend Schlussfolgerungen ziehen.
Denn auch wenn rund um Ferrari zahlreiche Interpretationen und Spekulationen kursieren können, hält Vigna an einem einfachen Grundsatz fest:"Es gibt nur eine Realität. "
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