Annika Lau erzählt von ihrem Sohn Baz, der an einer schweren Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung leidet, und wie die Familie den Umgang damit gelernt hat. Sie beschreibt die liebevolle, aber oft überfordernde Situation und den Umgang mit Ablehnung und gesellschaftlichen Erwartungen.
Dass Annika Lau, 47, präzise und bestens strukturiert ist, wissen wir schon lange: Bis Januar moderierte sie GALA im TV. Zum Wiedersehen in Berlin erscheint sie überpünktlich, räumt Wasserglas und Karaffe nach dem Interview in die Spülmaschine.
Auch zu Hause hält die dreifache Mutter alles zusammen. Wie herausfordernd das in Wirklichkeit für sie ist und mit welcher Besonderheit ihre Familie zu leben gelernt hat, erzählt sie in ihrem neuen Buch. Im Fokus: die schwere Aufmerksamkeitsdefizit- /Hyperaktivitätsstörung ihres Sohns Baz. GALA: Wir haben uns als Kolleginnen kennengelernt.
Wie sehr du deinen Sohn Baz liebst, wird ebenso deutlich wie deine Überforderung. Wie erlebst du selbst diesen Spagat? Es ist diese Gleichzeitigkeit, die einen verrückt macht. Er ist ja mein Sohn, und mein Sohn ist zuerst mal wahnsinnig toll.
Er ist unglaublich lustig. Superschlau, schnell im Kopf, wenn er möchte. Und dann aber auch wieder so träge und faul. Kinder wie er stoßen überall auf Ablehnung, sie sind es mehr gewohnt, angemeckert zu werden und immer die Schuldigen zu sein, als mal etwas Positives zu erfahren.
Man muss sein Ego komplett zurückstellen. Als Eltern können wir nur dafür sorgen, dass er keinen Schaden anrichtet und ein schönes Umfeld hat, um in der Gesellschaft zu bestehen. Mit Lilo war alles einfach. Dieses Kind ist die pure Leichtigkeit.
Sie ist super verständnisvoll und sehr stark und kann sich deshalb auch mal zurücknehmen. Und bei unserem Jüngsten, Bruno, sagen wir immer, er ist das Licht unserer Familie, weil er so lustig ist und jede noch so schlimme Situation sofort entschärfen kann. Ja, dann gibt es Baz, dem alles egal ist. Der sagt unangenehme Sachen.
Auch mitten im Supermarkt. Es gab mal eine Situation an Weihnachten in der Kirche, wo er ganz laut gerufen hat: Warum singt man hier so viel? Warum tanzt man nicht? Typisch Baz.
Ich habe mich daran gewöhnt, dass sie mit den Augen rollen und uns verurteilen. Wahrscheinlich würde ich das sogar auch machen, wenn ich es nicht besser wüsste. Aber zum Glück haben wir mittlerweile gelernt, dass es nicht unsere Schuld ist, sondern es liegt an dieser Krankheit. Jeden Freitag wirft unser Glam-WG-Team einen ganz persönlichen Blick auf die Woche mit den Stars - lesen Sie exklusive Storys direkt in Ihrem Postfach.
Würdest du sagen, Baz' ADHS ist eine Wachstumsaufgabe für dich? Ja, wir sind alle gewachsen an Baz, und ich bin ihm super dankbar dafür. Sein ADHS hat viel mit uns gemacht als Familie. Es hat uns viel näher und intensiver zusammengebracht.
Ich finde es herausragend, dass er jeden Morgen seine Medikamente zu sich nimmt. Und er nimmt sie ja nicht erst jetzt, wo er zehn Jahre alt und 1,50 Meter groß ist, sondern schon seit vielen Jahren. Und da, muss ich sagen, ist er extrem stark. Auch dass er den Mut hat, Dinge zu sagen, die unangenehm sind.
Ich traue mich das bis heute nicht. Da muss ich sagen: Chapeau, Baz! Chapeau. Annika Laus Buch"Ihr Kind ist anders" über die ADHS-Erkrankung ihres mittleren Sohns erscheint am 7.
Oktober 2026. Was sind das für Situationen, wo du denkst: Ich kann nicht mehr? Also, was mich wirklich sehr oft an den Rand des Wahnsinns bringt, ist die Einschlafsituation. Weil ich einfach müde und kaputt bin.
In mir stecken zehn Jahre große Herausforderungen mit Baz. Und Baz ist der Letzte, der einschläft. Er lässt sich einfach nicht regulieren, steht ständig wieder auf oder will noch etwas erzählen. Das ist mein Ventil.
Ich weine auch auf offener Straße. Ich schäme mich mittlerweile auch nicht mehr so dafür. Im Job siehst du immer so perfekt und strahlend aus. Wie schaffst du das mit so einem herausfordernden Alltag?
Das, was man im Fernsehen sieht. Ist die alte Annika. Weil ich meine Familie an der Haustür lasse. Zu Hause bin ich die Mutter, die es braucht.
Und bei der Arbeit bin ich die Annika, die noch da ist und die es immer noch gibt. Dort ziehe ich mir mein Ego wieder an. Und das brauche ich auch. An einer Stelle im Buch beschreibst du dich als "People-Pleaserin".
Auf einer Skala von eins bis zehn, wie sehr willst du es anderen Menschen recht machen? 20! Ganz schrecklich. Ich möchte, dass es allen um mich herum gut geht. Und das beinhaltet auch fremde Leute, die ich auf der Straße sehe.
Manchmal sagt Freddy dann zu mir: Wir können nicht alle retten, Annika. Lass es jetzt sein. Du schreibst, dass dein Mann nicht überrascht von Baz' Diagnose war, weil er vieles von sich selbst kennt. Welche Parallelen siehst du zwischen Vater und Sohn?
Die beiden sind wie eine Person, einmal in groß und einmal in klein! Wenn die beiden streiten, ist das so, als würde man zwei Sechsjährigen zuschauen. Die brüllen sich an, schmeißen Sachen, aber fünf Minuten später liegen sie sich in den Armen und sagen: Alles okay, wir schaffen das! Freddy kann nicht schlafen, Baz kann nicht schlafen.
Beide können nicht still sitzen. Wenn Freddy telefoniert, trabt er wie ein Panther von rechts nach links. Beim Essen schaufelt er alles in sich rein und steht dann gleich wieder auf. Und weil er Baz' großes Vorbild ist, geht der dann hinterher.
Wir anderen drei bleiben noch ewig sitzen und klönen und quatschen. Das können die beiden nicht. Sie haben diese innere Unruhe. Beide sind sehr intensiv in ihren Gefühlslagen.
Beide vergessen und verlegen ihre Sachen. Das macht mich wahnsinnig in diesem Haushalt. Weißt du, dass ich schon mal die Autoschlüssel im Kühlschrank aus dem Gemüsefach rausgeholt habe? Freddy hat Stein und Bein geschworen: Also, ich habe den an unser Schlüsselbrett gehängt.
Natürlich respektiere ich meinen Mann und liebe ihn über alles, aber manchmal sage ich: Ich habe halt noch ein Kind zur Betreuung – das von meiner Schwiegermutter.
Rubbel die nächste Story frei
Annika Lau ADHS Sohn Baz Familie Mutterschaft
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