Im Wendland hat sich der Protest gegen die Kernenergie gebündelt:'Unsere Bewegung war wie ein Sauerteig, der die Gesellschaft durchwirkt hat', sagt der Sprecher der BI- Lüchow-Dannenberg
Das ist ganz schräg gewesen, denn in Gorleben wurde alles von hinten gedacht: vom Ende, vom Müll her. Es sollte eine Plutoniumfabrik und eine Brennelementfabrik geben. Außerdem sollte ein Pufferlager errichtet werden – daraus ist die oberirdische Zwischenlagerung geworden und unterirdisch sollte ein Endlager für den Atommüll errichtet werden.
Im Kern ging es aber um eine Plutoniumfabrik. Eine solche Fabrik braucht man, um von abgebrannten Brennelementen das durch die Neutronenspaltung entstandene Plutonium zu separieren. Das macht man entweder, um daraus Mischoxid-Brennelemente mit einem höheren Abbrand – also mehr Hitze und mehr Strom – herzustellen,Da hat sich natürlich direkt die Frage aufgedrängt, was eigentlich eine solche Fabrik mit nuklearer Entsorgung zu tun hat: Nichts!Für mich ist völlig klar, dass die zivile und die militärische Nutzung der Atomkraft nicht getrennt werden kann.Bild: dpa / Dieter Klar Genau an dem Tag, an dem Gorleben offiziell als Standort benannt wurde, gab es in Lüchow eine Veranstaltung vom Landvolk. Dort referierte ein Doktor Salander über das Für und Wider der Atomkraft. Es ging auch um den Brennstoffkreislauf und eine Wiederaufarbeitungsanlage. Da das Landvolk zu dieser Veranstaltung eingeladen hatte, waren auch viele Bäuerinnen und Bauern vor Ort.MenschenSie haben sich und ihre Existenz bedroht gesehen. Und so war die erste Demonstration in der Region eine Trecker-Demo, die Landwirte gingen als erste auf die Straße, weil sie Angst vor der Kontamination ihrer Produkte und vor Rufschädigung hatten. Zu Beginn gab es also nur den Plan, diese ganzen Fabriken und das Pufferlager in Gorleben zu errichten. Da der Bau aber nicht direkt losging, hatten wir ein bisschen Zeit, uns politisch zu formieren, heute würde man sagen, sich aufzustellen. Also erst einmal einen Verein, also die Bürgerinitiative, zu gründen. Gleichzeitig gab es aber auch da schon erste Großkundgebungen, weiterhin in Brokdorf, aber auch in Krümmel, in Grohnde, an den AKW-Bauplätzen, auch in Gorleben mit 15.000 Menschen, die dort auf dieser Brachfläche schon im März 1979 – zwei Jahre vor der Standortbenennung hatte der Wald gebrannt – zusammenkamen. "Ich war jung, ich musste mich politisch orientieren und mit den ersten Erfolgen habe ich mich wohlgefühlt."Von Anfang an hatten wir das Gefühl, es mit dem mächtigsten wirtschaftlichen Gegner der Bundesrepublik zu tun zu haben: der Energiewirtschaft. Dahinter stand das staatliche Atomprogramm, auch mit Blick auf die Bombe. Natürlich hatten wir Ohnmachtsgefühle. Aber gleichzeitig haben wir gemerkt, wie viele Menschen mit uns auf die Straße gingen. Ich war jung, ich musste mich politisch orientieren und mit den ersten Erfolgen, da reichte es zu erleben, wie viele Menschen zur Kundgebung nach Gorleben kamen, habe ich mich wohlgefühlt. Zwei Jahre später, 1979, zogen die Bauern aus dem Wendland nach Hannover. Dort gab es ein Symposium, auf dem kontrovers über die Wiederaufbereitung diskutiert wurde. Auch die Frage, was mit dem Atommüll passieren sollte, wurde langsam lauter. Und während wir im Treck dort hingefahren sind, ist etwas passiert, was nie passieren sollte, was als unwahrscheinlich, als Restrisiko abgetan wurde: ein Störfall mit"Es gab die Mollys auf dem Platz, das kommt von Molotowcocktails, es waren die Radikaleren. Wir waren die Müslis, die Friedfertigen."Das war großartig. Wir hatten in dem Moment das Gefühl: Wir können etwas bewegen. Und der erste Erfolg stellte sich schon wenige Zeit später ein: Der niedersächsische Ministerpräsident Ernst Albrecht, dem wir den ganzen Schlamassel zu verdanken hatten, ruderte zurück. Er sagte damals, dass eine Wiederaufarbeitungsanlage technisch machbar, politisch aber nicht durchsetzbar sei.Ich verbrachte dann, ein Jahr später, jede freie Minute auf dem Platz der. Viele kennen das als 1004. Das war der Bohrplatz 1004 zur Erkundung des Salzstocks unter Gorleben für den Bau des Endlagers. Ich hatte sogar meinen Unterricht so gelegt, dass ich montags immer erst nachmittags arbeiten musste. Denn wir gingen davon aus, wenn uns die Polizei räumt, dann montags. Die Polizei kam an einem Dienstag. Naja! Das zeigt, wie wichtig es mir war, aber auch wie skurril. Es war eine politisch sehr aufgeladene Zeit – damals gab es die Anti-Atom-Proteste, aber in der Bewegung auch politische Gegensätze. Friedfertige und Gewaltbereite. Es gab die Mollys auf dem Bohrplatz, das kommt von Molotowcocktails, es waren die Radikaleren. Wir waren die Müslis, die Friedfertigen.ausgeht – vom Staat. Und wir konnten uns bei dieser Aktion durchsetzen, wir ließen uns von der Polizei nicht provozieren.Wir haben dort gelebt.Bunt und unvermummt demonstrierte die Anti-AKW-Bewegung damals.Unsere Bewegung war schließlich wie ein Sauerteig, der die Gesellschaft durchwirkt hat.Vorher waren sie unter Helmut Schmidt in großen Teilen für die sogenannte friedliche Nutzung der Atomkraft. Es gründeten sich die Grünen –
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