Trumps Drohungen gegen Grönland haben eine neue Allianz ausgelöst – und die verändert die Machtlage in der Arktis grundlegend.
Trumps Drohungen gegen Grönland haben eine neue Allianz ausgelöst – und die verändert die Machtlage in der Arktis grundlegend. Die Arktis galt jahrzehntelang als Zone der Zusammenarbeit – jetzt wird sie zum Schauplatz eines neuen Machtkampfs.
Und das Erstaunliche daran: Die Eskalation kommt nicht nur aus Moskau oder Peking, sondern aus Washington selbst. Seit US-Präsident Donald Trump wiederholt mit der Übernahme Grönlands droht – einschließlich militärischer Optionen –, rücken Kanada, Dänemark und die nordischen Staaten enger zusammen als je zuvor. , beraten sich grönländische und dänische Behörden bereits seit drei Jahren mit Ottawa über den Aufbau einer eigenen Version der kanadischen "Rangers" – einer Reserveeinheit, die dauerhaft in entlegenen arktischen Gemeinden präsent ist.
Trumps Rhetorik habe diese Gespräche massiv beschleunigt, sagt Whitney Lackenbauer, ehemaliger Ehren-Oberstleutnant der 1st Canadian Ranger Patrol Group und Arktis-Experte an der Trent University, gegenüber Reuters: "Die nordischen Länder und Kanada – wir erkennen zunehmend, dass wir militärisch und diplomatisch zusammenarbeiten können, um eine Botschaft mit moralischem Gewicht zu senden.
" Ein konkreter Plan für grönländische Ranger-Strukturen soll laut Regierungsdokumenten bis Ende dieses Jahres vorliegen. Das Weiße Haus begründet den Anspruch auf Grönland mit nationaler Sicherheit und wirtschaftlichen Interessen der USA in der Arktis. Parallel bezeichnete Trump Kanada als potenziellen "51. Bundesstaat".
Dänemarks Premierministerin Mette Frederiksen nennt die Souveränität über Grönland dagegen eine "rote Linie" – eine Annexion durch die USA würde das Ende der Nato bedeuten, warnte sie. Kanadas Premierminister Mark Carney setzt auf das, was er "Mittelmächte" nennt: Staaten, die in einer Welt ohne verlässliche US-Führung eigenständig handlungsfähig werden müssen. Im März vereinbarten Kanada und die fünf nordischen Länder – Dänemark, Finnland, Island, Norwegen und Schweden –, ihre Kooperation bei militärischer Beschaffung zu vertiefen und die Rüstungsproduktion hochzufahren.
Explizit adressiert das Abkommen auch Cyberangriffe als zentrale Bedrohung.ein Arktis-Abkommen . Stubb und Carney schreiben sich nach eigenen Angaben nahezu täglich – "meistens geht es um die Nato oder die Ukraine oder den Iran", so Stubb laut Reuters. Kanada unterzeichnete zudem eine strategische Partnerschaft mit Schweden zu Verteidigungsindustrie, künstlicher Intelligenz und Cybersicherheit sowie ein Verteidigungsabkommen mit Finnland zu Schiffbau und Eisbrechern. Die Dringlichkeit hat Gründe jenseits von Washington.
Russland verfügt in der Arktis über deutlich mehr Militärbasen als jedes andere Land und baut seine Präsenz weiter aus. Zudem verstärkt China parallel sein Engagement in dem mineralreichen Gebiet, überwiegend in Partnerschaft mit Moskau. Der Klimawandel öffnet saisonal immer längere Abschnitte der Nordostpassage und macht neue Seewege zwischen Asien, Europa und Nordamerika möglich – einschließlich neuer Verwundbarkeit. Unterseekabel, LNG-Terminals, Satellitenbodenstationen und Offshore-Plattformen werden durch die geringere Eisbedeckung leichter zugänglich – auch für Sabotage und hybride Operationen.
Kanada reagiert mit höheren Verteidigungsausgaben: Im vergangenen Jahr erreichte Ottawa erstmals das Nato-Ziel von 2 Prozent des BIP, rund 63 Milliarden kanadische Dollar – ein Anstieg vom historischen Tiefstand von nur 1 Prozent im Jahr 2014. Dennoch lagen Kanadas Investitionen in die Arktisverteidigung laut dem Arctic Business Index traditionell am unteren Ende der acht Anrainerstaaten.
Arktis-Experte Rob Huebert von der Universität Calgary mahnt zudem, eine vollständige Abkopplung von den USA sei illusorisch: "Wenn wir über Kriegsführungsfähigkeit sprechen, bedeutet das, mit dem US-Militär zusammenzuarbeiten". Das Forum, das Umweltmonitoring, Such- und Rettungseinsätze und Maßnahmen bei Ölverschmutzungen koordiniert, überstand die russische Invasion in der Ukraine 2022 nur knapp – damals hielt ausgerechnet Russland den Vorsitz.
Norwegen rettete den Rat laut Foreign Policy ab 2023 durch geschickte Diplomatie und eine Strategie der "Entpolitisierung": Arbeitsgruppen tagen seither online, Ministertreffen sind ausgesetzt. Seit Mai 2025 führt Dänemark den Vorsitz – mitten in der Grönland-Krise. Die grönländische Außenministerin Vivian Motzfeldt, die erste Grönländerin an der Spitze des Rates, musste jüngst aus innenpolitischen Gründen zurücktreten. Ein dauerhafter Nachfolger steht bislang nicht fest.
Klaus Dodds, Geopolitik-Professor an der Middlesex University London, sieht den Rat laut Bericht als "tödlich verwundet". Svein Vigeland Rottem vom norwegischen Fridtjof-Nansen-Institut hält demnach den Fortbestand für möglich – solange es keinen militärischen Angriff innerhalb der Arktis gebe.
"Aber es ist schwer vorstellbar, dass der Arktische Rat ohne die USA auskommt", warnt er. Trumps Arktis-Politik steht nicht isoliert. Unter dem Schlagwort "Greater North America" skizziert Washington eine geopolitische Ordnung vom Polarkreis bis zum Äquator, in der die USA den Takt vorgeben – ein Konzept, dasFür die nordischen Staaten und Kanada verdichtet sich das Bild: Ein Bündnispartner, der Verbündete wahlweise als Verhandlungsmasse betrachtet oder mit Strafmaßnahmen überzieht, verändert die sicherheitspolitische Kalkulation fundamental.
Die neuen Abkommen zwischen Ottawa und den Nordics senden daher drei Signale: an Washington, dass die Arktis kein Vakuum ist; an Moskau, dass regionale Akteure eigenständig handeln können; und an Europa, dass Souveränität im hohen Norden verteidigt werden muss – notfalls ohne den bisherigen Schutzherrn. Beim nordisch-kanadischen Gipfel in Oslo brachte Frederiksen die neue Lage auf den Punkt: "Wir müssen etwas Neues aufbauen, und es muss eine Weltordnung sein, die auf den Werten basiert, für die wir stehen".
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