Bedienungen gegen Rechts auf dem Oktoberfest: 260 Servicekräfte gegen Diskriminierung

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Bedienungen gegen Rechts auf dem Oktoberfest: 260 Servicekräfte gegen Diskriminierung
Oktoberfest, Bedienungen Gegen Rechts, München

Die Initiative Bedienungen gegen Rechts kämpft auf dem Münchner Oktoberfest gegen Rassismus, Sexismus und Queerfeindlichkeit. Rund 260 Bedienungen haben sich zusammengeschlossen.

Auf dem Münchner Oktoberfest haben sich rund 260 Bedienungen zur Initiative Bedienungen gegen Rechts zusammengeschlossen. Sie setzen sich für Vielfalt und Respekt ein und berichten von einer Zunahme diskriminierender Sprüche und sexueller Übergriffe in den Festzelten. Die Initiatorinnen Fanny und Anna, die ihren Nachnamen nicht nennen wollen, starteten die Aktion in diesem Jahr.

Hintergrund der Initiative

Fanny und Anna begannen 2022 gemeinsam, auf der Wiesn zu arbeiten. Nach den Schichten tauschten sie sich immer wieder über menschenverachtendes Verhalten aus, das ihnen in den Festzelten begegnete. Nach dem Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt am 6. September dieses Jahres beschlossen sie, etwas dagegen zu unternehmen.

Zu Beginn der Wiesn verbreiteten sie auf sozialen Netzwerken ein Video, in dem beteiligte Servicekräfte an das Oktoberfestattentat vom 26. September 1980 erinnern. Bei dem rechtsextremen Anschlag starben zwölf Menschen, 221 weitere wurden verletzt. Die Bedienungen schlagen damit eine Brücke zwischen der Geschichte des Fests und ihrem heutigen Anliegen: Die Wiesn müsse ein Ort der Vielfalt bleiben.

Aktionen und Unterstützung

Zudem verteilten sie Hunderte Anstecker in Form von Lebkuchenherzen mit Slogans wie Bedienungen gegen Rechts oder Maß statt Hass. Bei der Arbeit tragen Beteiligte diese auch als Einladung für Gäste, im Festzelt Haltung zu zeigen. Aktuell ist die Gruppe auf der Suche nach Sponsoren, um die Öffentlichkeitsarbeit für die kommenden Jahre auszubauen.

Trotz erwartbarer Anfeindungen von rechts seien die Reaktionen bisher weitestgehend positiv, berichtet Fanny. Auch die Wiesn-Wirte haben sich inzwischen hinter die Initiative gestellt: Ihre Vereinigung begrüße die Aktion und lehne Rassismus und Sexismus in den Festzelten ab, erklärten die Sprecher Peter Inselkammer und Christian.

Erfahrungen der Bedienungen

Der Tagesspiegel hat mit zwei weiteren Bedienungen gesprochen, die in der Initiative aktiv sind. Sie berichten in anonymisierter Form, da sie Konsequenzen für ihre Beschäftigung auf dem Oktoberfest fürchten.

Eine von ihnen sagt: Sexistische und rassistische Vorfälle haben in den vergangenen Jahren zugenommen. Lange Zeit habe man gemerkt, dass der gesellschaftliche Fortschritt auch auf der Wiesn angekommen sei und es einen immer respektvolleren Umgang miteinander gegeben habe. Doch der Rechtsruck in Deutschland sei nun auch in den Zelten zu spüren. Die Menschen trauten sich wieder, Dinge zu sagen, die lange als Tabu gegolten hätten. Das wundere sie nicht, wenn man die jüngsten Wahlergebnisse der AfD betrachte.

Immer wieder würden etwa Cola-Bier-Mischgetränke als N-Wort-Bombe bestellt. Das gehe für sie überhaupt nicht, und dann sage sie auch etwas. Sie bekomme mit, dass Menschen mit dunkler Hautfarbe als Affen beschimpft werden. Teilweise von Gästen, aber auch vom Personal. Im Security-Team seien viele Menschen mit Migrationsgeschichte. Da fielen Sätze wie: Denen sieht man die Kompetenz ja schon an der Hautfarbe an. Auffällig sei, dass dieses rassistische Verhalten auch unter internationalem Publikum zu beobachten sei. Offensichtlich biete das Fest manchen eine Plattform, um gemeinsame Feindbilder zu pflegen.

Auch traditionelle Geschlechterstereotypen kämen zurück. Das Harmloseste sei noch, dass es wieder vermehrt heiße: Die Mädels vertragen keinen Alkohol. Sie bekomme auch mit, dass Männer wieder häufiger unter die Dirndl langen und es zunehmend Upskirting, also heimliche Handyaufnahmen unter Röcken, gebe. Dabei wollte die Politik doch dagegen rechtlich und politisch härter vorgehen.

Die zweite Bedienung berichtet: Sexistische Situationen kämen wieder häufiger vor. Sie habe in diesem Jahr schon zweimal mitbekommen, wie Typen begrapscht haben. Die Betroffenen meldeten das zum Glück den Bedienungen oder der Security, und die Übergriffigen würden sehr schnell rausgeworfen. Alle aus dem Team kennten Situationen, in denen sie von Gästen gebeten werden, sie zu küssen. Einer habe ihr dafür 50 Cent bezahlen wollen. Auch aus ungewollten Umarmungen müsse man sich als Bedienung immer wieder herauswinden. Ganz zu schweigen von ungefragten Fotos.

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