Bei einer Hoteleröffnung in Frankfurt am Main wurde unser Kolumnist mit biodynamischen Weinen empfangen – und erfuhr etwas über die kosmischen Kräfte eines Weinbergs.
Bei einer Hoteleröffnung in Frankfurt am Main wurde unser Kolumnist mit biodynamischen Weinen empfangen – und erfuhr etwas über die kosmischen Kräfte eines Weinbergs.. Nachdem ich gestern Abend den Eröffnungsfeierlichkeiten beiwohnen durfte, sitze ich nun im Innenhof und bin beeindruckt, welches Schmuckstück die Investorengruppe gemeinsam mit Boris Messmer, dem Hausherrn und Hoteldirektor der Althoff Collection, hier geschaffen hat.
Im Ensemble der ehemaligen Villa Kennedy, erbaut im Jahr 1901 von Alfred Günther für Eduard Beit von Speyer, ist rund um die 147 Zimmer und Suiten ein grandioses „Home away from Home“ entstanden, das nun von auffallend leidenschaftlichen Gastgebern geführt wird. Das zeigte sich unter anderem bei der: Zur Eröffnung wurde hier nichts dem Zufall überlassen. Von einer der sehenswertesten Weinkarten Deutschlands wurden Qualitäten aus den Vorzeigebetrieben des Pfälzers Markus Schneider und des in Rheinhessen beheimateten Philipp Wittmann serviert.
Und so lassen Sie sich heute von mir nach Rheinhessen entführen und dem Weingut Wittmann unsere Aufmerksamkeit schenken. Schon in jungen Jahren war Philipp Wittmann klar, dass er früher oder später das Weingut seiner Eltern übernehmen wollte. Dabei ist es ähnlich wie in der Hotellerie auch im Weinbau von Vorteil, die Welt bereist zu haben und zu sehen, wie und warum andere großartige Weingüter ihr Handwerk verstehen. Nach einigen Reisejahren kehrte Philipp nach Westhofen zurück.
, ließ ihn 1990 zertifizieren und entschied sich bereits vor über 20 Jahren für den nächsten Schritt: die Weiterentwicklung zur biodynamischen Wirtschaftsweise. Dabei verzichtet man nicht nur, wie im biologischen Anbau, auf chemisch-synthetische Mittel, sondern setzt sich intensiv mit den kosmischen Kräften auseinander, um ein dynamisches Pflanzenwachstum zu ermöglichen. Ja, Sie haben richtig gelesen: kosmische Kräfte. Für Philipp Wittmann ist die sogenannte biodynamische Landwirtschaft einer der Bausteine für besser balancierte und harmonische Weine.
Ganz allgemein: Wer sich als Winzer der Biodynamik verschreibt, der schaut sehr detailverliebt auf seine Weinberge und hört förmlich in deren Böden und ihr Wachstum hinein. Das alles hat nichts mit Fanatismus zu tun, sondern lediglich mit Vernunft und der steten Verpflichtung, das Familienerbe zu pflegen und es für die nächste Generation zu bewahren. Spazieren wir also durch die namhaftesten Lagen Rheinhessens. Wir beginnen in der Aulerde, wo 70 Jahre alte Reben auf schwerem Tonmergel gebettet sind.
Aufgrund ihrer warmen Lage werden die Trauben hier am frühesten reif. Zum Teil mit einer Steigung von bis zu 30 Prozent stehen Wittmanns Reben in der Lage Kirchspiel. Auf Tonmergel mit Kalksteineinlagerungen reifen seine Trauben mit ihrem unverkennbar würzig-elegantem Charakter. Mit einer Hangneigung von 20 ProzentÖstlich vom Morstein und nach Süden ausgerichtet liegt meine liebste Wittmann-Lage, das Brunnenhäuschen.
Seine teilweisen Terra-Rossa-Böden, also roter Boden mit einem hohen Eisenoxidanteil, sind verantwortlich für eine cremige Mineralität, die ich als meinen persönlichen Favoriten auserkoren habe. Schenken die Weinberge nach bestmöglichen Witterungsbedingungen gesunde Trauben, so werden diese auf dem Weingut Wittmann selbstverständlich von Hand gelesen, selektioniert und behutsam gepresst. Der rare Saft der Trauben fließt dank Schwerkraft unter die Erde in den Keller. Die Gärung verläuft ausschließlich mit natürlichen Hefen.
Weiter geht es in den bereits 1829 erbauten Gewölbekellern. Hier lassen Wittmann und sein Team die Weine der einzelnen Weinbergsparzellen bei konstanter Temperatur in mehr als 80 Holzfässern reifen. Das Juwel unter den Fässern ist ein Holzfass aus dem Jahr 1890, es könnte uns sichererzählen. Aber wir müssen nicht alles erfahren oder ergründen, solange uns dieses Fass mit seinen zahlreichen Fass-Kollegen einzigartige und schmackhafte Weine Jahr für Jahr schenkt.
Abschließend noch eine Anekdote aus meiner Rubrik „Jammern auf höchstem Niveau“: Wenige Tage vor der feierlichen Eröffnung des The Florentin fanden sich Weinliebhaber aus ganz Deutschland in der historischen Villa ein und verkosteten zehn Jahrgänge bester Rieslinge aus der Lage Morstein – jeweils von Philipp Wittmann und einem anderen exzellenten Betrieb aus Rheinhessen.plus minus 60 zu 40 als Sieger des Abends hervorgehen werden, selbstverständlich als Momentaufnahme. Allerdings sollte ich mit meiner Vorhersage kläglich scheitern.
Am Ende des Abends hieß es: Die anderen Morsteins waren zwar grandios, in allen zehn Jahrgängen waren Wittsteins Morstein-Rieslinge allerdings grandioser. Ein einfaches 100 zu 0 auf allerhöchstem Niveau. In diesem Sinne erlaube ich mir, Ihnen eine Auszeit im wunderschönen The Florentin zu empfehlen. Blättern Sie in der von Sommelier Erik Veelmann aussagekräftig und wunderschön kuratierten Weinkarte des Hauses und entscheiden Sie sich für einen der mehr als zehn verfügbaren Jahrgänge Morstein, die hier auf Sie warten.
Im hauseigenen Restaurant The Dune wartenieser Zeitung. Er begann in der Gastronomie, arbeitete unter anderem im Berliner Hotel Adlon und gründete 2002 eine Beratungsgesellschaft sowie einen Weinhandel. Später leitete er die Adlon Holding, engagierte sich bei der Eröffnung des 959 Heidelberg und führt seit 2019 das Berliner Traditionshaus sowie die Weinhandlung Ex Château.
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