Es wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen bei der Wahl am Sonntag, denn viele Wähler sind noch unentschlossen. Der SPIEGEL-Südamerika-Korrespondent Jens Glüsing spricht darüber, was diese Wahl so spannend macht.
Darum geht's bei der Wahl im größten Land Südamerika s. Der eine, Lula, prägt die brasilianische Politik seit mehr als 30 Jahren. Er wurde schon 2002 das erste Mal Präsident.
Er saß sogar 2018 bis 2019 schon wegen Korruptionsvorwürfen in Haft, das Urteil wurde aber später wieder aufgehoben.. Heute ist er 80 Jahre alt und irgendwie alternativlos, meint zumindest unser Korrespondent, der seit mehr als 30 Jahren aus Südamerika berichtet. »Lula selbst, heißt es, wollte eigentlich gar nicht mehr antreten. Er wurde von der Arbeiterpartei PT dazu genötigt.
Mehr oder weniger, weil es keinen anderen Kandidaten gibt, der in der Lage ist, einen Bolsonaro zu besiegen. So sieht das jedenfalls die Linke.
« Sein Herausforderer, Flávio Bolsonaro, wird seinerseits mit Korruptionsskandalen und Kontakten die Unterwelt in Verbindung gebracht. Er kandidiert quasi als Stellvertreter für seinen Vater, Jair Bolsonaro, der wegen eines Putschversuchs zu 27 Jahren Haft verurteilt wurde. »Sein einziges Motto. Das, was er immer wieder wiederholt, ist »Freiheit für Bolsonaro« – Freiheit für seinen Vater.
Das ist auch das, worum es den meisten Wählern von Flávio Bolsonaro geht. Sie müssen sich mit dem Sohn begnügen, und Sie werden auch den Sohn wählen. Nur große Euphorie löst dieser Sohn nicht aus.
« Und bei der Wahl geht es noch um einiges mehr: Nach Argentinien, Bolivien, Chile und Kolumbien wäre Brasilien bei einem Bolsonaro-Sieg Teil des allgemeinen Rechtsrucks in Lateinamerika. Da ist was dran. Wobei es nicht so offen läuft wie in anderen Ländern. Aber die Amerikaner haben klar durchblicken lassen, dass sie Flávio bevorzugen.
«Luiz Inácio Lula da Silva, Präsident Brasilien: »In diesem Land ist kein Platz für Politiker, die tagsüber die Nationalflagge hissen und sich nachts vor den Vereinigten Staaten verneigen. « In Umfragen führt der Linke Lula knapp vor Flávio Bolsonaro. Schafft keiner der beiden am Sonntag fünfzig Prozent, kommt es zur Stichwahl Ende Oktober. Haben Sie einen Fehler im Text gefunden, auf den Sie uns hinweisen wollen?
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