Corona aktuell: Vor dem Hintergrund der sich rasant ausbreitenden Omikron-Variante informieren Gesundheitsminister Lauterbach und RKI-Chef Wieler über die aktuelle Lage. Verfolgen Sie die Pressekonferenz im Livestream.
In Deutschland liegt die Zahl der erkannten täglichen Neuinfektionen bei 190 148, wie das Robert-Koch-Institut meldet. Die Sieben-Tage-Inzidenz steigt auf 1073 - ein neuer Höchstwert. Am Vortag lag sie bei 1017,4.
In elf Bundesländern liegt der Wert jetzt bei mehr als 1000: in Bayern, Baden-Württemberg, Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und im Saarland. In zwölf Stadt- und Landkreisen sowie Berliner Bezirken, die das RKI separat ausweist, liegen die Inzidenzen bei mehr als 2000. Im Berliner Bezirk Tempelhof-Schöneberg liegt sie bei knapp 3200.steigt laut RKI bundesweit um 170 auf insgesamt 117 484. Seit Beginn der Pandemie sind insgesamt fast 9,5 Millionen Infektionen mit Sars-CoV-2 nachgewiesen worden. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden.RKI verlässt sich verstärkt auf Erfassung von Krankmeldungen Das Robert-Koch-Institut sieht für die aktuelle Lagebewertung"nicht die Erfassung aller Infektionen durch Sars-CoV-2, sondern die Entwicklung der Anzahl und Schwere der Erkrankungen im Vordergrund", wie aus dem RKI-Wochenbericht von Donnerstagabend hervorgeht. Auch wenn nicht mehr jeder Einzelfall im Meldesystem erfasst werde, ermöglichten ergänzend zurate gezogene Schätzwerte"eine zuverlässige Einschätzung der Gesamtentwicklung der epidemiologischen Situation" in Deutschland, hieß es. Die Experten weisen seit Kurzem im Wochenbericht Schätzungen zu Infizierten mit Covid-19-Krankheitssymptomen verschiedener Schwere aus. Hier geht es nicht nur um Krankenhauseinweisungen, sondern auch um die Häufigkeit von Arztbesuchen: In der Woche bis 23. Januar waren dies demnach 280 pro 100 000 Einwohner, in der Vorwoche waren es laut RKI noch 178. Hintergrund für die vorübergehend unvollständiger werdende Erfassung von Infizierten sind unter anderem zunehmend an und über ihre Grenzen kommende Test- und Erfassungskapazitäten. In der vergangenen Woche waren laut dem Verband Akkreditierte Labore in der Medizin , der sich auf Daten von rund 180 Laboren berief, rund 2,4 Millionen der besonders verlässlichen PCR-Tests gemacht worden. Jeder dritte Befund sei positiv gewesen. Die Auslastung der Labore lag demnach im bundesweiten Durchschnitt bei 95 Prozent. Wegen der rasanten Ausbreitung von Omikron rechnen viele Experten mit zahlreichen neuen Patientinnen und Patienten in den Kliniken. Der Leiter des Divi-Intensivregisters, Christian Karagiannidis, sagte, auf Intensivstationen sehe man derzeit eher eine Seitwärtsbewegung. Aufgrund der bei Omikron wohl zumeist weniger schwerwiegenden Verläufe im Vergleich zu Delta befürchten Fachleute allerdings eine zunehmend größere Belastung für Normalstationen.FDP-Fraktionschef Christian Dürr hat eine rasche Diskussion über Öffnungsperspektiven in der Corona-Krise angemahnt."Wir müssen auf jeden Fall jetzt schon anfangen, über Öffnungsperspektiven zu sprechen", sagte Dürr dem Redaktionsnetzwerk Deutschland."Bei Omikron ist anders als bei vorherigen Corona-Wellen nicht mehr die Inzidenz entscheidend, sondern die Frage, wie stark das Gesundheitssystem belastet ist." Dürr sagte:"Wenn die Kliniken der Omikron-Welle gut standhalten, muss die nächste Ministerpräsidentenkonferenz auch Öffnungen empfehlen. Wenn Freiheitseingriffe nicht mehr notwendig sind, müssen wir sie umgehend zurücknehmen." Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach und der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler, wollen am Freitag auf einer Pressekonferenz in Berlin über die aktuelle Lage informieren.Die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA hat dem Covid-Medikament Paxlovid die Zulassung erteilt. Das Mittel des US-Herstellers Pfizer könne bei erwachsenen Patienten eine schwere Erkrankung nach einer Corona-Infektion verhindern, teilte die EMA in Amsterdam mit."Das Sicherheitsprofil von Paxlovid war günstig und Nebenwirkungen im Allgemeinen milde", stellten die EMA-Experten fest. Daten aus Laborstudien ließen erwarten, dass es auch gegen Omikron und andere Varianten wirke. Nun muss die EU-Kommission der Zulassung noch zustimmen, das aber gilt als Formsache. Unklar ist noch, wann das Mittel auf Rezept in der Apotheke zu erhalten ist. Inklusive Paxlovid stehen inzwischen sieben Medikamente zur Behandlung von Covid-19-Patienten in der EU vor Verfügung, Paxlovid ist jedoch das erste Mittel, das Patienten zu Hause oral einnehmen können. Die Covid-Pille gilt als sehr effektiv, gerade bei Menschen mit Vorerkrankungen soll sie das Risiko von sehr schweren Krankheitsverläufen um fast 90 Prozent senken.
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