25 Jahre nach seinem Coming-out äußert sich Berlins Ex-Bürgermeister Klaus Wowereit alarmiert über zunehmende Intoleranz und Anfeindungen gegen Homosexuelle. Er warnt vor gesellschaftlichen Rückschritten und kritisiert politische Parteien sowie religiöse Einflüsse.
25 Jahre nach seinem «Das ist auch gut so»-Coming-out sieht Klaus Wowereit immer noch Anfeindungen gegen Homosexuelle selbst in der oft toleranten Stadt Berlin. Er wurde mit dem Satz „Ich bin schwul, und das ist auch gut so“ zur Ikone.
Doch 25 Jahre danach schaut Klaus Wowereit, der frühere Bürgermeister von Berlin, mit Sorge auf die Gegenwart. Seine Warnung ist ein Weckruf, auch für die Menschen in unserer Region. Ein Vierteljahrhundert nach seinem historischen Coming-out äußert sich Berlins ehemaliger Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit alarmiert über den Zustand der Gleichstellung von Lesben und Schwulen.
„Es gibt Fortschritte, vor allem im rechtlichen Bereich. Gleichzeitig sehen wir aber auch gesellschaftliche Rückschritte“, offenbarte Wowereit in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Die Situation sei dramatisch.
„Man hat den Eindruck, dass es auch wieder zunimmt mit Intoleranz, Anfeindungen und Übergriffen. Das ist auch in einer toleranten Stadt wie Berlin ein großes Problem“, meint Wowereit. Die Gesellschaft als Ganzes sei gefordert, solchen Ausprägungen von Hass und Ausgrenzung Einhalt zu gebieten. Seine Mahnung ist unmissverständlich: „Da waren wir schon mal weiter.
Die Intoleranzen sind nicht weg, sondern werden teilweise geschürt und verstärkt. Das ist eine Entwicklung, die man sehr ernst nehmen muss.
“ Wowereit macht auch deutlich, wo er die Ursachen für diese Tendenz sieht. Seiner Ansicht nach werden Befürchtungen in der Bevölkerung von gewissen politischen Parteien für ihre Zwecke missbraucht.
Darüber hinaus hätten kulturelle sowie religiöse Einflüsse in einigen Gemeinschaften Bedeutung, wo Intoleranz weiterhin fest verwurzelt ist. An dieser Stelle wird Wowereit sehr direkt: „Wenn in bestimmten Religionen offen gegen Homosexualität gepredigt wird, dann braucht man sich auch nicht zu wundern, dass junge Männer diese Haltung übernehmen.
“ Wowereits Bekanntheit explodierte am 10. Juni 2001 durch seine Ansprache bei einem außerordentlichen Parteitag der SPD in Berlin. Ein einziger Satz machte ihn unvergessen: „Damit auch keine Irritationen hochkommen, liebe Genossinnen und Genossen, ich sag's euch auch und wer's noch nicht gewusst hat: Ich bin schwul, und das ist auch gut so, liebe Genossinnen und Genossen. “
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