Bund, Länder und Kommunen wollen bei Hilfen für Menschen mit Behinderung sparen. Lebenshilfe-Vorsitzende Carolina Trautner erklärt, was das bedeutet.
| Unter dem Motto „Teilhabe ist ein Menschenrecht“ wehren sich Sozialverbände in Deutschland gegen pauschale Kürzungen bei den Hilfen für Menschen mit Behinderung . Unter dem Motto „Teilhabe ist ein Menschenrecht“ wehren sich Sozialverbände in Deutschland gegen pauschale Kürzungen bei den Hilfen für Menschen mit Behinderung .
Der Lebenshilfe Bayern geht es grundsätzlich sehr gut. Wir vertreten in Bayern mehr als 50.000 Menschen mit Behinderung und ihre Familien, dazu kommen. Das ist ein großes Netzwerk. Besonders ist dabei, dass unsere Lebenshilfen vor Ort eigenständig arbeiten.
Der Landesverband übernimmt die politische Interessenvertretung, Beratung und Koordination. Natürlich stehen auch wir derzeit vor großen Herausforderungen. Überall fehlt Geld, die Bezirke stehen finanziell massiv unter Druck. Deshalb stellt sich die Frage, wie wir Leistungen sichern können, ohne dass Menschen mit Behinderung Nachteile erfahren.werden, die Menschen mit Behinderung über Jahrzehnte erkämpft haben.
Viele Reformen - etwa das Bundesteilhabegesetz - hatten das Ziel, Selbstbestimmung zu stärken. Dazu gehört das Wunsch- und Wahlrecht. Menschen mit Behinderung sollen selbst entscheiden können, wie sie leben möchten. Wir dürfen keine Zwei-Klassen-Gesellschaft schaffen.
Zum Beispiel, dass ein Mensch mit Behinderung selbst entscheiden kann, wo er wohnen möchte. Ob in einer Einrichtung, in einer Wohngemeinschaft oder zu Hause mit Unterstützung. Natürlich sind die Kosten unterschiedlich. Aber jeder von uns kann frei entscheiden, wo und wie er leben möchte.
Dieses Recht muss auch für Menschen gelten, die ohnehin schon besondere Belastungen tragen.unterschrieben. Darin geht es um gleichberechtigte Teilhabe und Selbstbestimmung. Dazu gehören Wohnen, Bildung, Arbeit - aber auch Freizeit. Gerade letzteres wird oft unterschätzt, in diesem Punkt können Kommunen sehr viel machen.
Die Resonanz ist enorm. Wir haben eine Petition beim Bund eingereicht und innerhalb kurzer Zeit mehr als 100.000 Unterstützer gewonnen. Das zeigt, dass viele Menschen das Thema bewegt. Gleichzeitig läuft unsere Kampagne „Teilhabe ist Menschenrecht“.
Das ist bewusst deutlich formuliert, weil wir Aufmerksamkeit schaffen müssen. Ich hoffe sehr, dass wir gemeinsam Lösungen finden. Wir sehen die finanziellen Probleme der Bezirke und Kommunen natürlich auch. Deshalb geht es nicht um ein Gegeneinander.
Wir bringen auch eigene Vorschläge ein, wo man sinnvoll konsolidieren kann, ohne Menschen zu benachteiligen. Ein Beispiel ist das sogenannte Pooling von Schulbegleitungen. In manchen Schulen kann es sinnvoll sein, wenn mehrere Kinder gemeinsam unterstützt werden. Gleichzeitig muss aber weiterhin möglich sein, dass Kinder mit hohem Unterstützungsbedarf eine individuelle Eins-zu-Eins-Betreuung erhalten.
Behinderungen sind sehr unterschiedlich. Deshalb darf es keine pauschalen Lösungen geben. Vor allem bei Bürokratie und Verwaltungsstrukturen. Viele Betroffene müssen ihre Behinderung immer wieder neu nachweisen.
Das ist für die Menschen entwürdigend und verursacht unnötigen Aufwand. Hier braucht es mehr Vertrauen und weniger Bürokratie. Eine Erklärung ist: Viele, die die Entscheidungen treffen, sind nicht selbst betroffen. Wahr ist natürlich auch: Vieles ist teurer geworden.
Energie, Personal und Sachkosten belasten die Einrichtungen. Gleichzeitig steigt der Unterstützungsbedarf, weil unsere Klienten viel älter werden als früher. Das ist eine schöne Entwicklung. Doch vor dem Hintergrund der finanziellen Lage muss die Politik Prioritäten setzen und dabei sind wir Wohlfahrtsorganisationen auch bereit, mitzuhelfen.
Für mich ist aber eines unverhandelbar: Der Mensch muss an erster Stelle stehen. Dann wäre das herzlos. Eine Gesellschaft muss sich daran messen lassen, wie sie mit den Schwächsten umgeht. Deshalb ist es so wichtig, dass Betroffene selbst mitreden können und nicht über ihre Köpfe hinweg entschieden wird.
Bei allen finanziellen Zwängen sollten wir auch eines nicht vergessen. Eine Behinderung kann jeden ereilen. Das ist schnell passiert. Carolina Trautner aus Stadtbergen sitzt für die CSU im Landtag.
Die frühere bayerische Familien- und Sozialministerin ist seit drei Jahren Vorsitzende der Lebenshilfe in Bayern, die der Dachverband von rund 160 selbstständigen Vereinen ist. Die Lebenshilfe tritt insbesondere für die Anliegen und Interessen von Menschen mit geistiger Behinderung und deren Familien ein.
Behinderung Sozialverband Bayern Sparplan Kommune Deutschland Politik
Deutschland Neuesten Nachrichten, Deutschland Schlagzeilen
Similar News:Sie können auch ähnliche Nachrichten wie diese lesen, die wir aus anderen Nachrichtenquellen gesammelt haben.
Das Berliner Strandbad Halensee ist das Sinnbild für die deutsche WirtschaftskriseVom Vorzeigeprojekt zum Genehmigungsdschungel: Warum ein Berliner Strandbad für Deutschlands wirtschaftliche Probleme steht.
Weiterlesen »
Das nächste Update macht Soulframe mehr zum MMO, Entwickler ziehen ab jetzt das Tempo anBeim jüngsten Entwickler-Stream zu Soulframe stand das kommende Prelude-Update 15 im Fokus, das noch im Juni erscheinen soll.
Weiterlesen »
Ärzte schlagen Alarm: Protest gegen Sparpläne – drohen längere Wartezeiten?Hausärzte schlagen Alarm wegen der geplanten Sparpläne der Regierung. Sie befürchten längere Wartezeiten und eine schlechtere Versorgung für Patienten. Eine bundesweite Protestkampagne startet.
Weiterlesen »
Finanzen.net ZERO: Kostenfreie Order, 10.000 Sparpläne und exklusive WM‑TorprämieFinanzen.net ZERO bietet ein gebührenfreies Trading‑Erlebnis, tausende Sparplan‑Optionen ab 1 Euro und eine Sonderaktion zur WM 2026, bei der jedes deutsche Tor 5 Euro Prämie einbringt.
Weiterlesen »




