Das Wunder vom Kiez: „Regenbogenhaus“ gerettet – Bewohner im Glück (M+)

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Das Wunder vom Kiez: „Regenbogenhaus“ gerettet – Bewohner im Glück (M+)
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Es ist kurz nach Mitternacht, als in der Nacht auf den 11. Dezember vergangenen Jahres eine dichte Rauchwolke über der Reeperbahn steht. Auf der Vorder-

und Rückseite des Gebäudes über der Boutique Bizarre stehen Menschen an den Fenstern und rufen um Hilfe. Flammen lodern im dritten Stock des so genannten „Regenbogenhauses“. Ein Zuhause für viele Menschen, die sonst auf der Straße leben würden.

Zahlreiche Bewohner werden bei dem Feuer verletzt, einige von ihnen schwer. „Petras Männerpension“ betitelte „SpiegelTV“ einst eine Doku über das Haus der gestrandeten Seelen mitten auf der Reeperbahn. „Obwohl hier auch fünf Frauen leben…“ ergänzt Petra Knecht mit Stolz. Sie hat die Pension die vergangenen 15 Jahre aufgebaut und ist in der Zeit so etwas wie die Mutter der Wohngemeinschaft geworden. „Ich hatte immer einen Draht zu sozial schwachen Personen. Ich bin auch nicht mit Geld geboren und musste mir vieles sehr hart erkämpfen.“ Zahlreiche Bewohner werden bei dem Feuer verletzt, einige von ihnen schwer. „Petras Männerpension“ betitelte „SpiegelTV“ einst eine Doku über das Haus der gestrandeten Seelen mitten auf der Reeperbahn. „Obwohl hier auch fünf Frauen leben…“ ergänzt Petra Knecht mit Stolz. Sie hat die Pension die vergangenen 15 Jahre aufgebaut und ist in der Zeit so etwas wie die Mutter der Wohngemeinschaft geworden. „Ich hatte immer einen Draht zu sozial schwachen Personen. Ich bin auch nicht mit Geld geboren und musste mir vieles sehr hart erkämpfen.“Ihre ersten Kneipe betrieb sie im zarten Alter von 18 Jahren an der Silbersackstraße, seitdem führte sie unterschiedliche Bars und Hotels auf dem Kiez. Das Haus mit der bunten Fassade in Regenbogenfarben war ihr Lebenswerk und sollte die Rente absichern.. Noch immer schockiert erzählt Petra Knecht: „Ich hatte in der Nacht bei Freunden übernachtet, plötzlich klingelte das Telefon. Es brennt, es brennt! Ich musste mich erstmal aufrappeln, das war etwas, wovor ich immer Angst gehabt hatte. Ich war wie versteinert. Ich wusste nicht mehr, was ich zu tun hatte.“ Als Petra in der Nacht auf dem Kiez eintrifft, sind diejenigen, die unverletzt blieben, in einer Turnhalle untergebracht. Sie kümmert sich sofort. „Ich habe versucht, Halt zu geben. Die Dinge nahmen ihren Lauf. Für mich war das ein Einbruch in meine Seele. Es hat mich bis heute noch nicht ganz losgelassen.“Nach Petra Knecht führt nun Olli Zeriadtke das Regenbogenhaus weiter. Die Monate nach dem Feuer haben viel Kraft gekostet, zu viel Kraft. Es gab immer schon Angebote von Investoren für das Gebäude. Eine Zimmervermietung direkt auf der Reeperbahn ist attraktiv. Doch das hätte das Aus für die Bewohner bedeutet. Kernsanierung, Kündigung für die Mieter und die Entstehung eines weiteren Kiezhostels für Touristen wäre die Folge gewesen. Doch es kam anders. Ein befreundeter Nachbar, der nach dem Feuer Spenden für die Bewohner sammelte, zeigte Interesse die Pension zu weiterzuführen – und zwar genau so wie sie ist. Olli Zeriadtke wohnt nur wenige Hausnummern weiter selbst auf der Reeperbahn und kennt viele seiner jetzigen Mieter schon von seinen Gassirunden mit Bulldogmix Spencer. „Viele kenne ich seit Jahren, ich wusste aber nicht, dass die hier wohnen. Das ist ’ne ganz tolle Erfahrung. Der Großteil der Menschen, die hier wohnen, sind froh, dass ich das mache. Jemand, der das hier kennt und nicht ein Investor von außerhalb.“Olli ist Kiezianer und Vollblutbiker und das sieht man ihm an. Der Vater von drei erwachsenen Töchtern hat in seinem Leben schon einige Stationen erlebt. Er betrieb eine Solarfirma mit 40 Angestellten, arbeitete als Türsteher und Barmann auf dem Kiez und führt Touristen durch St. Pauli. Seit Samstag leitet er die Zimmervermietung, für das erste Jahr auch noch mit Unterstützung von Petra. „Hier im Haus herrscht eine Gemeinschaft, die so gewachsen ist, die kann man nicht zerreißen. Vor allem gestrandete Persönlichkeiten, ganz liebe Menschen, die irgendwo im Leben mal falsch abgebogen sind. Leute, die auf dem normalen Wohnungsmarkt keine Chance hätten. Weil die Schufa nicht da ist, manchmal noch nicht mal ’n Bankkonto. Mindestens die Hälfte der Bewohner hat Erfahrungen mit Obdachlosigkeit“, erzählt Olli Zeriadtke.Die Wohnsituation für die Mieter ist nicht luxuriös, aber komfortabel. „Wenn wieder alles saniert ist, haben wir hier 57 Zimmer mit 57 Bewohnern. Bei einigen zahlt das Amt, andere haben schon einen festen Job. Jeder hat ein Zimmer für sich – immer möbliert. Alle mit Bett, Schrank, Tisch. Einige, aber nicht alle, mit eigenem Bad und Küche. Dafür gibt es eine Gemeinschaftsküche im zweiten Stock. Hier trifft man sich und kocht auch regelmäßig zusammen.“ Bei dem Brand gab es vier Schwerverletzte. Ein Mann brach sich zahlreiche Knochen, als er vor dem Feuer flüchtete, indem er aus dem Fenster sprang. Den meisten geht es wieder gut, bis auf Bewohner Matthias . Er erlitt schwerste Verbrennungen, deutliche Narben zeichnen noch heute Hände und Gesicht. Narben zeichnen Hände, Gesicht und auch die Seele von Brandopfer Matthias. „Ich war im Koma, das Leben lief wie auf alten Filmrollen vor mir ab“, erinnert sich der hagere Mann mit einer Träne im Auge. „Ich habe seit dem Tag einen Knacks weg und Beklemmungen, wenn eine Kerze brennt.“ Dennoch ist er sofort zurück ins „Regenbogenhaus“ gezogen, als ihm ein Zimmer im zweiten Obergeschoss angeboten wurde – im Stockwerk unter dem, das von dem Feuer zerstört wurde. „Ich habe in meinem Leben viel erlebt, war im Knast, habe zwei Jahre unter der Kennedybrücke gelebt. Aber hier habe ich meine Heimat gefunden, hier bin ich zu Hause.“

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