Tausende junge Menschen demonstrieren in Berlin gegen die mögliche Wehrpflicht und militärische Aufrüstung. Die Demo am Brandenburger Tor richtet sich gegen das neue Wehrdienstgesetz.
Am Abend des 15. November 2025 haben sich Tausende vornehmlich junge Menschen vor dem Brandenburger Tor in Berlin versammelt, um gegen eine mögliche Wehrpflicht und militärische Aufrüstung zu demonstrieren. Gegen 19.30 Uhr waren nach Angaben eines Sprechers im Lagezentrum der Berlin er Polizei mehrere Tausend Menschen vor Ort. Zu der Demonstration aufgerufen hatte das Bündnis, das von der globalisierungskritischen Nichtregierungsorganisation Attac, der Hilfsorganisation Medico international und der Initiative Schulstreik gegen Wehrpflicht getragen wird. Auch Greenpeace, Sea-Watch und diverse Anti-Kriegs-Initiativen unterstützen den Protest.
Prominente Redner und Musikacts
Auf der Bühne vor dem Berliner Wahrzeichen traten unter anderem der Chef der Satirepartei Die Partei und EU-Parlamentarier Martin Sonneborn sowie verschiedene Musiker auf. Sonneborn sprach vor dem Brandenburger Tor, um gegen die geplante Wehrpflicht zu demonstrieren. In seiner Rede sagte er, er sage es deutlich: Merz leck Eier. Und von mir aus könne Merz persönlich an die Ostfront gehen. Bereits bei vergangenen Protesten gegen die Wehrpflicht war der Spruch Merz leck Eier aufgetaucht. Bei einer Schüler-Demonstration Anfang März in Berlin hatte ein 18-Jähriger ein Plakat mit dieser Aufschrift getragen. Die Polizei teilte anschließend mit, dass sie gegen den jungen Mann wegen des Verdachts der Verleumdung von Bundeskanzler und CDU-Chef Friedrich Merz ermittelt. Auch bei späteren Protestzügen waren Plakate mit dieser Aufschrift zu sehen.
Um 20.30 Uhr – etwas später als zunächst erwartet – soll die Berliner Hip-Hop-Gruppe K.I.Z. auftreten. In den sozialen Medien hatten junge Menschen angekündigt, aus ganz Deutschland anreisen zu wollen – wohl aber eher wegen der Auftritte der hochkarätigen Musik-Acts. Auch auf Veranstaltungsseiten wie Musikexpress war von einem Gratiskonzert am Brandenburger Tor die Rede – statt einer politischen Versammlung. Am frühen Abend wurde die Menge am Brandenburger Tor immer größer – blieb jedoch noch weit unter den erwarteten 30.000 Teilnehmenden.
Teilnehmende und ihre Motivation
Unter den Teilnehmern ist auch Jura-Student Richard aus Steglitz-Zehlendorf. Er sagte, wenn er darauf Lust habe, eine Waffe in die Hand zu nehmen, dann mache er das. Er begründet seine Teilnahme damit, dass er selbst keine Waffe in die Hand nehmen müsse. Solange Frieden herrsche, habe er Hoffnung, dass keine Wehrpflicht komme, sagt der 22-Jährige. Gerade wenn er sehe, wie viele junge Menschen sich dagegen wehren. Und wie viele Ältere uns unterstützen.
Die 29-jährige Lena ist gekommen, weil in ihrer Uni-Gruppe Werbung dafür gemacht wurde. Auch sie studiert Rechtswissenschaften. Sie sagt, auch junge Menschen besäßen in Deutschland Freiheitsrechte. Eine Wehrpflicht spräche grundsätzlich gegen die Gewissensfreiheit. Sie sagt weiter, wie unverschämt es auch einfach sei, junge Menschen, die nichts außer Einschränkungen bekommen haben, nun auch noch zum Dienst an der Gesellschaft zu zwingen. Die Schulen wurden geschlossen. Bildung ist schlecht. Mieten werden teurer. Ein Haus konnten sich nur noch ihre Eltern leisten. Und jetzt sollen sie dem Land auch noch dienen? Bei grauem Herbstwetter machten es sich viele der jungen Teilnehmenden zum Demo-Start auf dem Bordstein gemütlich.
Hintergrund: Das neue Wehrdienstgesetz
Hintergrund der Demo ist das Gesetz über den neuen Wehrdienst, das im Januar in Kraft trat. Kern ist die verpflichtende Musterung für junge Männer ab dem Jahrgang 2008. So sollen Freiwillige für einen Ausbau der Truppe rekrutiert werden. Sollten die Zielkorridore verfehlt werden, kann der Bundestag über eine Wehrpflicht entscheiden. Der Bundestag hatte die Wehrpflicht 2011 ausgesetzt. Die aktuelle Demonstration richtet sich gegen die mögliche Wiedereinführung und die damit verbundene militärische Aufrüstung.
Die Veranstalter hatten ursprünglich mit 30.000 Teilnehmenden gerechnet. Am frühen Abend blieb die Zahl jedoch deutlich darunter. Die Polizei machte keine genauen Angaben zur Teilnehmerzahl. Die Stimmung unter den überwiegend jungen Demonstrierenden war friedlich. Viele hatten sich auf dem Bordstein niedergelassen und warteten auf die angekündigten Auftritte. Die Demonstration zeigt, dass die Diskussion um die Wehrpflicht in Deutschland weiterhin emotional geführt wird.
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