Eine Wahl fast ohne gültige Stimmzettel – ist das überhaupt eine Wahl?
Bielefeld. Noch sind persönliche Rekorde beim Hula-Hoop- Reifen -Hüftschwung, selbst gebackener Apfelkuchen und natürlich das Wetter – es gießt in Strömen – die bedeutenden Themen der Dorfbewohner, auch am Wahltag.
Die Welt scheint einigermaßen in Ordnung zu sein. Das böse Erwachen dann erst nach Auszählung der Stimmzettel: Nicht einmal jeder Fünfte hat sein Kreuzchen bei den Parteien Links, Mitte oder Rechts gemacht, eine „weiße Wahl“, die Zettel blieben blank. Schnell positionieren sich die jeweils Parteivorderen und krakeelen ihr populistisches Zeugs. Monarchen und Aluhüte suchen die direkte Ansprache zum Volk.
Der politische Gegner habe den Regen herbeigetanzt und: „Wir wollen eine rationale Gesellschaft und ich entscheide“. Aber wie geht man jetzt um mit solch einer Wählerentscheidung? Ist es überhaupt eine?
Die einen sagen: Die Wahl ist ungültig und müsse wiederholt werden, die anderen sagen: Auch ein leerer Zettel ist ein Votum, nämlich eine Enthaltung, zumal sich die Dorfbewohner trotz widrigen Wetters auf den Weg machten ins Wahllokal und ihr Statement zur herrschenden politischen Kaste – den weißen Stimmzettel – in die Wahlurne warfen. Hilflosigkeit und Unbehagen bricht sich Bahn in diesem demokratischen Vakuum, dem GAU, dem größten anzunehmenden Unfall.
Die Welt ist nun nicht mehr in Ordnung, sie scheint stillzustehen und droht sich dennoch rasant zu verändern – nicht zum Besten natürlich. Auch interessant: Erfolgsautorin Anna Yeliz Schentke zu Gast in Bielefeld: „Ich habe ein Herz für das Theater“ Die Populisten schleudern hilflos ihre moralische Keule, die ungebremst in der Magengrube der vermeintlich Aufgeklärten landet. So beginnen chaotische Verhältnisse. Der Ausnahmezustand wird ausgerufen und entwickelt sich zunehmend apokalyptisch.
Stromausfall und Desinformation, Schuldgefühle und Hilflosigkeit Stromausfall und Desinformation, Schuldgefühle und Hilflosigkeit machen sich breit.
„Es gibt das Leben und das Überleben“, heißt es – das Gebot der Stunde – und am Ende herrscht das darwinistische Prinzip: „Am Ende gewinnt der Stärkere“. Dieses Chaos auf der Bühne mit elf Akteuren, darunter ein Erzähler vom Beobachtungsposten , versucht Regisseurin Indira Heidemann in Bahnen zu lenken, eine formale Ordnung zu schaffen, den Knoten zu entwirren, die Quadratur des Kreises zu erfinden.
Das gelingt ihr, indem sie der Gesellschaft durch Überzeichnung der einzelnen Charaktere den Spiegel vorhält, das chaotische Gewusel auf der Bühne folgt irgendwie doch linearen Trampelpfaden. Eine neue Nationalhymne: „All you need is love“ Ob die Katastrophe dieser Dystopie am Ende auch eintritt, entscheidet wohl erst der nächste Gang zur Wahlurne. Sicher ist: Das Publikum im voll besetzten Zuschauerraum des Theaterlabors wird versöhnlich entlassen dank einer „neuen“ Nationalhymne: „All you need is love“.
Dennoch ein warnender Ausblick auch mit dem Fokus auf die „Jetzt-Zeit“: Die Bewohner der „Stadt der Sehenden“, so ist die literarische Vorlage des portugiesischen Nobelpreisträgers José Saramago betitelt, tragen blickdichte Augenbinden. Am 1. und am 2. Juli zeigt das Theaterlabor erneut „Weiße Wahlen“. Lesen Sie auch: Seit 75 Jahren für das Bielefelder Theater da
Rubbel die nächste Story frei
Apfelkuchen Stimmzettel Wahlurne Theaterlabor Demokratiestreik Indira Heidemann Bielefeld-Mitte Bielefeld Meta_Eo_Zusammenfassung Meta_Artikelklasse_Nische Meta_Themen_Medien_Kultur Meta_Copyrights_NW Meta_Userneeds_Informieremich Cnt_Top-Artikel
Deutschland Neuesten Nachrichten, Deutschland Schlagzeilen
Similar News: Sie können auch ähnliche Nachrichten wie diese lesen, die wir aus anderen Nachrichtenquellen gesammelt haben.
In diesem Bielefelder Lokal gibt es westfälischen Pickert in sämtlichen VariationenDer Seekrug am Obersee ist ein beliebtes Ausflugsziel. Besonders bei gutem Wetter sind die 300 Plätze im Biergarten schnell besetzt.
Weiterlesen »
Bielefelder Paar baut GaLaBau-Transporter zum Camper umHannah Elsner und Julian Rusack wollen den Kleintransporter in einen Camper verwandeln. Die Fenster sind schon eingebaut.
Weiterlesen »
Bielefelder Traditionslokal am Obersee überrascht mit verrückten Pickert-KreationenDer Seekrug am Obersee ist ein beliebtes Ausflugsziel. Besonders bei gutem Wetter sind die 300 Plätze im Biergarten schnell besetzt.
Weiterlesen »
Männergruppe verfolgt Bielefelder vom Kesselbrink zur Stadtbahn-EndstationNach dem Aussteigen greift einer der Täter an und schlägt zu. Die Polizei sucht nun Hinweise zu dem jungen Täter mit einem bunten „Carlo Carlucci“-Shirt.
Weiterlesen »
