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Der eine spricht von Staatsversagen, der andere stellt kurz ein Opernhaus infrage

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Der eine spricht von Staatsversagen, der andere stellt kurz ein Opernhaus infrage
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Das waren die Ausreißer in einer seriös-munteren Gesprächsrunde über Meinungsfreiheit im Zeitalter von Desinformation. Der Kulturstaatsminister hatte keine Zeit.

Allein der Titel könnte einem schon die Laune verderben: „Bildungsauftrag unter Druck – Meinungsfreiheit im Zeitalter von Desinformation“. Doch am Mittwochabend in Berlin ließen sich die drei Gäste auf der Bühne im Pop-up-Bau derUnd obwohl vorab damit zu rechnen war, dass sich die Bundesvorsitzende des Deutschen Bibliotheksverbandes Antje Theise, der Verfassungsrechtler Christoph Möllers und der Geschäftsführer Börsenvereins des Deutschen Buchhandels Peter Kraus vom Cleff in den meisten Fragen einig sein würden, brachten sie doch einige unterschiedliche, zumindest unterschiedlich zugespitzte Punkte hervor.

Sie hatten hörbar wenig Lust, nur ihre Zeit abzusitzen, indem sie diePeter Kraus vom Cleff kam mit dieser These: „Wir brauchen eine Aufklärung 2.0.

“ Es ginge vor allem darum, die Sinne zu schärfen für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz und das Bewusstsein für die Herkunft bestimmter Produkte. „Kein Mensch ist gezwungen, bei Google zu sein“, sagte er und nannte gleich einen alternativen E-Mail-Anbieter, Posteo. Er holte einen alten Zeitungsartikel vor, fast dreißig Jahren alt, in dem hieß es, jeder vierte Viertklässler könne nicht sinnentnehmend lesen. Daran habe sich nichts geändert, die Lesekompetenz in Deutschland sei nach wie vor schwach.

„Das ist Staatsversagen“, sagte er. Der Börsenverein vertritt sowohl die Interessen der Buchhändler als auch der Verlage, Kraus vom Cleff zufolge prallten da oft unterschiedliche Positionen aufeinander. Dann müsse man eben streiten und sich verständigen. Als aber vor ein paar Wochen der Kulturstaatsminister Wolfram Weimer in die Arbeit der Jury des Deutschen Buchhandlungspreises eingriff Antje Theise ließ durchblicken, dass sie die Widerstandskraft der Buchhändler und Verlagsleute ein wenig bewunderte.

Ihr Lobbyverband kämpfe eher leise um Aufmerksamkeit. Sie wies darauf hin, welche Folgen es haben kann, dass es keine staatliche oder städtische Verpflichtung gibt, Bibliotheken finanziell zu fördern.

„Wenn dann eine Kommune vor der Entscheidung steht, für den Fortbestand der Bibliothek oder des Schwimmbads Geld auszugeben, entscheidet sie sich fürs Schwimmbad. “ Sollten die finanziellen Sorgen der Städte und Gemeinden aber weiter bestehen, wird die Kommune dann vielleicht im nächsten Jahr auch noch das Schwimmbad schließen müssen. In Mecklenburg-Vorpommern, einem Bundesland mit knapp 1,6 Millionen Einwohnern, gibt es nur noch 90 Bibliotheken.

„Die Hälfte davon sind Ein-Frau-Bibliotheken. “ Das heißt, eine einzelne Person kümmert sich um Ausleihe und Anschaffungen, um die Pflege des Bestands und die Mitgliederausweise. Zeit, Lesenachmittage für Schulklassen zu organisieren, Gesprächsrunden mit interessierten Erwachsenen hat sie kaum. Vor 25 Jahren waren es noch 150 Bibliotheken im Bundesland.

Christoph Möllers äußerte Unverständnis darüber, dass der Staat nicht viel mehr für die Bibliotheken tue, wo man doch dort in großer Auswahl auf demokratische Weise Wissen zur Verfügung gestellt bekomme.

„Als Kulturort ist eine Bibliothek eigentlich noch wichtiger als ein drittes Opernhaus“, sagt er und verzog dabei das Gesicht, als würde er die Ankunft einer Torte oder wenigstens eines Eis fürchten. Sodann versuchte Möllers, eine Runde Mitgefühl mit der CDU zu wecken. Er warnte, dass diese Partei viel für das Land getan habe, aber in Kulturkämpfen nicht bestehen könne. Das sei der CDU nie gelungen.

Diese Aussage war deshalb nicht unpikant, weil er direkt einem CDU-Vertreter in die Augen schaute: Konrad Schmidt-Werthern, Amtschef beim Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, saß in der ersten Reihe. Der hat nicht nur einen wichtigen Posten beim Kulturstaatsminister und offiziell die Vertreterrolle, er verfügt durch jahrelange Arbeit in der Berliner Kulturverwaltung auch über mehr praktische Erfahrung als Wolfram Weimer. An dem Abend in der AGB wirkte er dennoch bloß wie der Ersatzmann. Denn als am 16.

April die Einladung zu der Veranstaltung herausging, stand noch Wolfram Weimer selbst auf der Teilnehmerliste. Nicht näher benannte „terminliche Gründe“ hinderten ihn dann zu kommen. Und so hat es immer noch nicht dasSchmidt-Werthern war auch nicht zum Diskutieren gekommen, sondern als eine Art Abendbrotdirektor mit freundlichen Worten über Bibliotheken an und für sich.

Vor dem doch eher mit dem Medium Buch vertrauten Publikum wirkte es etwas befremdlich, wie er die Bibliothek aus dem Film „Der Name der Rose“ als Leitmotiv seines „Impulsvortrags“ nutzte. Er ging kurz auf den „weißen Elefanten im Raum“ ein, den von seinem Chef in Zweifel gezogenen. Den solle es durchaus geben, aber die Finanzierung sei noch nicht klar, aber darüber werde man … Na ja und so weiter.schauen, ging als Moderatorin souverän mit den unterschiedlichen Temperamenten ihrer Gesprächspartner um. Glücklicherweise hatte sie keine Lust auf ein langweiliges Podium.

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