Als kleiner dünner Junge bekam ich von meinem Opa zwei Mark, wenn ich ein Schnitzel aß. Eine Kindheitserinnerung über vier Snickers und Gelassenheit.
Als kleiner dünner Junge bekam ich von meinem Opa zwei Mark, wenn ich ein Schnitzel aß. Eine Kindheitserinnerung über vier Snickers und Gelassenheit. Als kleiner Junge, fünf oder sechs, Jahre alt, wohnte ich in einem kleinen Dorf an der Mosel.
Mittags aß ich meistens bei meinen Großeltern. Beide waren damals zwischen 70 und 80. Sie hatten zehn Kinder großgezogen, zwei Weltkriege erlebt und die Mangelzeiten rund um die Kriege kennengelernt, vor allem die Jahre danach. Für sie zählte beim Essen ihres recht schmalen Enkels Uwe deshalb vor allem eines: „Der Junge muss viel essen.
“ Ich war als Kind sehr dünn, und das beunruhigte meine Großeltern anscheinend ein wenig. Ihre Sorge machte sie erfinderisch. Beim Mittagessen durfte ich immer so lange essen, bis ich nicht mehr mochte. Irgendwann sagte ich dann: „Ich habe keinen Hunger mehr.
“ Auf genau diesen Moment hatte mein Opa gewartet. Er zückte ein Zwei-Mark-Stück und sagte:Hunger hatte ich keinen mehr. Aber ich konnte rechnen: Ein Snickers kostete damals 50 Pfennig, zwei Mark waren also vier Snickers. Das war meine Umrechnungswährung, mit der ich dem Geld einen echten, praktischen Wert gab.
Und wer als Kind plötzlich ein „Vermögen“ vor sich sieht, findet im Bauch erstaunlicherweise doch noch Platz. Also nahm ich mir das Schnitzel und aß es auf, allein des Geldes wegen. Dann kassierte ich meinen Lohn, ging zum Spielen nach draußen und freute mich wie ein Schnitzel – im wahren Sinne des Wortes. Nicht immer wurden es am Ende vier Snickers, manchmal wanderte das Geld auch in andere Dinge.
Aber die Snickers blieben mein Maßstab. Würde ich diese Szene heute in einem Familienforum erzählen, wüsste ich ziemlich genau, was geschieht: Belohnung mit Geld, Essen ohne Hunger, „falsche Signale“. Die Ernährungsapostel und die Gesundheitspolizei stünden sofort auf den Barrikaden. Eine Kindheit mit langen Tagen Ich war viel draußen und habe viel gespielt.
Die Tage waren lang, und gegessen wurde danach noch öfter. Das Zusatzschnitzel war ein Mittagessen unter vielen, kein Programm. Meine Großeltern wollten mir etwas Gutes tun, mit den Mitteln, die sie nach Krieg und Entbehrung kannten. Essen gehörte für sie elementar dazu.
Ein Enkel, der nicht wirklich richtig satt war – nein, das ging gar nicht. Und für mich gehört das Zwei-Mark-Stück bis heute zu den schönsten Anekdoten meines erfinderischen Opas . Wenn Ihr Kind schlank und zart ist und beim Essen oft früh aufgibt, machen Sie aus einer zurückgelassenen Portion kein Drama.und ein einzelnes Mittagessen sagt nur begrenzt etwas aus.
Wie sich Ihr Kind entwickelt, zeigt sich über Monate und Jahre. Bei den Vorsorgeuntersuchungen werden Größe und Gewicht regelmäßig verfolgt. Entwickelt sich Ihr Kind altersgerecht und sieht der Kinderarzt keinen Anlass zur Sorge, ist eine einzelne stehen gelassene Portion kein Problem. Essen darf Freude sein.
Am Tisch zählen Gemeinschaft und gute Stimmung mehr als jeder einzelne Bissen. Nicht jede Familiengeschichte muss zum Ernährungsproblem erklärt werden. Manche sind einfach schöne Erinnerungen. Und wenn Sie sich ernsthaft Sorgen um das Gewicht Ihres Kindes machen, sprechen Sie mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt.
Ob man so einen Schnitzel-Deal heute bei einem schmalen Kind einmal mit einem Augenzwinkern ausprobieren mag, muss jede Familie selbst entscheiden. Als Regel taugt er vielleicht nicht, als kleiner Familienmoment vielleicht schon. Ich denke bis heute mit einem Lächeln an diese Mittage an der Mosel. Mein Opa ist nicht mehr da, aber wenn ich ein Schnitzel sehe, höre ich ihn manchmal noch sagen: „So, Uwe ... “
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