Ökonomische Sorgen haben in Deutschland zugenommen: Inflation, Steuern, Sozialleistungen, Konjunktur und Überforderung des Staates rangieren ganz vorne, der Klimawandel rutscht auf Platz 20.
Ökonomische Sorgen haben in Deutschland zugenommen: Inflation, Steuern, Sozialleistungen, Konjunktur und Überforderung des Staates rangieren ganz vorne, der Klimawandel rutscht auf Platz 20. Ein Frachtschiff aus den Niederlanden, beladen mit Kleintransportern, fährt sich bei Niedrigwasser des Rheins im Düsseldorfer Hafen fest.
Die Sorge vor steigenden Lebenshaltungskosten bleibt die größte Angst der Deutschen. Rund 59% der Menschen fürchten sich vor einer dauerhaften finanziellen Überlastung, wie aus der Langzeitstudie „Die Ängste der Deutschen“ des Versicherers R+V hervorgeht. Für die Teuerung ist das zum fünften Mal in Folge und zum 16. Mal insgesamt der erste Platz in der jährlichen Erhebung.
Gleichzeitig wächst der Pessimismus der Deutschen mit Blick auf die Konjunktur und sinkt das Vertrauen insgesamt in die Politik. So befürchten 48% der Bevölkerung, dass die Politik mit ihren Aufgaben überfordert ist, was einem Anstieg um sechs Prozentpunkte binnen eines Jahres entspricht. Vier der fünf größten Ängste drehen sich um direkt und indirekt um Geld.
„Wir beobachten einen deutlichen Anstieg der finanziellen Sorgen“, sagte der Leiter der Studie, Grischa Brower-Rabinowitsch. Die Furcht vor einer schlechteren Wirtschaftslage kletterte auf den vierten Platz. Und die Angst vor einer Rezession sei um zehn Prozentpunkte gestiegen – stärker als jede andere Sorge, betonte Brower-Rabinowitsch. Nach Ansicht der Politikwissenschaftlerin Isabelle Borucki fungiert der Blick der Menschen auf die Wirtschaftslage als „eine Art Frühwarnsystem“.
Der Anstieg dieser Angst markiere einen kollektiven Vertrauensverlust in die wirtschaftliche Zukunft des Landes. Auf dem zweiten Platz aller Sorgen rangiert mit 53% die Angst vor Steuererhöhungen oder Leistungskürzungen. Die Sorge, dass der Staat durch die Zahl der Geflüchteten überfordert wird, belegt mit 52% den dritten Platz. Ebenfalls unter den zehn größten Ängsten findet sich mit 50 Prozent die Befürchtung, dass Wohnraum unbezahlbar wird.
Trotz aller Sorgen ist das allgemeine Angstniveau vergleichsweise niedrig. Der Durchschnitt aller abgefragten Ängste liegt nur zwei Prozentpunkte über dem bisher sorgenärmsten Jahr 2021. Überraschend sei zudem, dass die Angst vor dem Klimawandel trotz der vielen Hitzewellen auf 30% sinkt. Die Furcht vor Naturkatastrophen fällt sogar um neun Prozentpunkte auf 27%, was Borucki als Ausdruck von Resignation sieht.
Die Umfrage zeigt einen großen Vertrauensverlust gegenüber der Politik.
„Miserabel sind auch die Schulnoten für Regierung und Opposition“, sagte Brower-Rabinowitsch. „Der Notendurchschnitt liegt in diesem Jahr bei 4,1 - noch schlechter waren die Noten zuletzt während der Regierung von Angela Merkel 2018. “ „Nach dem Ende der Ampel verknüpften viele mit Schwarz-Rot die Hoffnung auf mehr Führung, weniger Streit und eine schnelle wirtschaftliche Wende“, erläuterte Borucki. Dies habe sich aber nicht erfüllt.
„Die Menschen sind enttäuscht und verlieren Vertrauen“, fügte die Expertin hinzu. „Wir sehen eine zunehmende Entfremdung der Politik von den Menschen und umgekehrt, zudem eine starke Emotionalisierung und Polarisierung in den Diskussionen. “Die US-Konjunktur hängt weit stärker an der KI-Entwicklung, als neuere Erzählungen vorgaukeln, die von einer breiteren Abstützung der Wachstumskräfte berichten. Damit steigt auch die Krisengefahr durch Zweitrundeneffekte über Börsen, Kreditmärkte und Zuliefererketten.
Andrew Bailey fürchtet Schocks an den Finanzmärkten, die eine Neubewertung von KI nach sich ziehen könnte. Den britischen Finanzstabilitätshütern macht die Schuldenfinanzierung der KI-Investitionen Sorgen. Die US-Regierung fordert von Deutschland und Frankreich laut Insidern die Freigabe ihrer Dieselreserven und stellt andernfalls einen Exportstopp in Aussicht. Präsident Donald Trump wolle so vor den Zwischenwahlen die Kraftstoffpreise senken.
Berlin mahnt koordinierte Lösungen an. In Japan hellt sich die Stimmung in der Großindustrie zum sechsten Mal in Folge auf. Trotz des Arbeitskräftemangels verschärft die Regierung jedoch die Anforderungen an Ausländer für dauerhafte Aufenthaltsgenehmigungen. Die SNB muss ihre Nullzinspolitik zunehmend rechtfertigen: Die steigende Teuerung und ein negativer Geldmarktsatz nähren Erwartungen an eine Wende im Dezember.
Lula oder Bolsonaro: Wer am 25. Oktober die Stichwahl gewinnt, muss sich Mehrheiten in einem stark fragmentierten Parlament teuer erkaufen. Das hemmt Reformen in einem Land, dessen Haushalt zu rund 90% aus Pflichtausgaben besteht und dessen Wachstum nachlässt.
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