Der DFB sucht einen neuen Mittelstürmer. In der Länderspielphase testete Bundestrainer Klopp Kandidaten wie Ebnoutalib, Burkardt und Woltemade.
Der deutsche Fußball sucht einen neuen Mittelstürmer für die A-Nationalmannschaft. In der aktuellen Länderspielphase erhielten mehrere Kandidaten die Chance, sich zu präsentieren. Bundestrainer Jürgen Klopp nominierte vier Mittelstürmer für seine beiden insgesamt 44 Mann starken Kader, auch die U21 hat ein interessantes Trio in der Hinterhand. Alle sammelten Einsatzminuten, konnten aber nur teilweise überzeugen.
Herausforderung Mittelstürmer im DFB-Team
An großartigen Mittelstürmern mangelte es dem deutschen Fußball über Jahrzehnte eigentlich nie. Ob Gerd Müller, Karl-Heinz Rummenigge, Klaus Allofs oder Jürgen Klinsmann – die Liste der herausragenden Neuner ist lang. Doch die Dichte an herausragenden Neunern hat in den vergangenen Jahren spürbar abgenommen. Zwischendurch sprang auch der DFB auf den Zug der falschen Neun auf, in der Ausbildung wurde das Profil des klassischen Knipsers vernachlässigt oder nur noch stiefmütterlich behandelt. Nun sucht der Verband händeringend nach einer Lösung im Sturmzentrum.
Kandidaten in der A-Nationalmannschaft
Im Fokus stehen mehrere Angreifer. Da ist zum einen der 23-jährige Ebnoutalib, der als einer der Profiteure von Klopps revolutionärer Herangehensweise mit zwei Kadern gilt. Der Frankfurter wurde erstmals nominiert und feierte beim 1:1 im Auswärtsspiel in den Niederlanden als Joker sein DFB-Debüt. Bei der Niederlage gegen Griechenland durfte er sogar von Beginn an ran und ersetzte den verletzten Havertz. Gegen die Niederlande brachte der 23-Jährige direkt Schwung und hatte kurz nach seiner Einwechslung bereits eine gute Chance. Er setzte seine 1,91 Meter gut ein und konnte mit seiner physischen Präsenz auch einen Virgil van Dijk vor Probleme stellen.
Gegen Griechenland hatte Ebnoutalib einen schweren Stand. Er war der Leidtragende vom behäbigen deutschen Offensivspiel, das kaum den Weg in den Strafraum fand. Zwei eher ungefährliche Torschüsse und nur 25 Ballaktionen sprechen eine deutliche Sprache. Dennoch dürfte der gebürtige Frankfurter auch künftig eine Rolle in den Planungen von Klopp spielen. Bei der Eintracht ist er unter Trainer Adi Hütter gesetzt und trifft zuverlässig. Mit 23 Jahren ist er zudem in einem Alter, in dem seine Entwicklung womöglich noch nicht zu Ende ist.
Bei Ebnoutalibs Vereinskollegen Jonathan Burkardt ist die Lage recht ähnlich. Auch er ist im Klub gesetzt, weil Hütter mit einer Doppelspitze agieren lässt. Und auch Burkardt hat in dieser Saison schon mehrere Treffer erzielt. Aber ist im Nationalteam wirklich Platz für beide Frankfurter? Was aktuell für Burkardt spricht, ist seine größere Erfahrung sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Bühne. Über 160 Bundesligaspiele für Mainz 05 und die Eintracht, dazu fünf Einsätze in der Champions League. Eigentlich sollte er im zweiten Kader des DFB-Teams für die aktuelle Periode stehen, wurde dann aber schon für das erste Griechenland-Spiel für Havertz nachnominiert. Klopp setzte Burkardt zweimal als Joker ein, Eigenwerbung konnte er dabei aber nicht betreiben. Sowohl in den gut 25 Minuten gegen Griechenland als auch in der Viertelstunde gegen Serbien blieb er weitestgehend blass und ohne Einfluss aufs Spiel. Dass er in diesem Ranking vor Ebnoutalib liegt, kann daher als Momentaufnahme verstanden werden, die sich schnell ändern kann.
Ein weiterer Kandidat ist Nick Woltemade. Klopp berief ihn nicht nur in seinen Kader, sondern brachte ihn gegen Serbien von Beginn an. Zwar gelang dem großen Blonden trotz einer fast hundertprozentigen Chance wieder kein Tor. Aber er war sehr fleißig, setzte immer wieder nach und sorgte allein mit seiner Präsenz im Angriffsdrittel für Gefahr. Dennoch: Wenn der 24-Jährige langfristig in der Sturmspitze den Stammplatz beanspruchen will, muss er seine Kernkompetenz wieder häufiger nachweisen: Und das sind nun mal Tore.
Talente in der U21
In der U21 von Trainer Antonio di Salvo hat der 21-Jährige dennoch einen festen Platz, in beiden EM-Qualifikationsspielen in Lettland und auf Malta stand er in der Startelf. Allerdings einmal als hängende Spitze rund um. Dabei blieb er ohne Torerfolg, spielte jedoch mannschaftsdienlich und schaffte Räume. Außerdem kreierte er gute Pressingaktionen. Um perspektivisch wirklich eine große Rolle in der A-Nationalmannschaft spielen zu können, braucht er allerdings zwingend mehr Tore.
So ein bisschen schien Paris Brunner nach seinem Abschied von Borussia Dortmund vor zwei Jahren in Vergessenheit zu geraten. Dann aber tauchte er zu Beginn dieser Saison wieder auf dem Radar auf - und wie! In den ersten fünf Ligaspielen erzielte der 20-Jährige für seinen Klub AS Monaco vier Treffer. Auch in der U21 stellte er seine unglaubliche Frühform in dieser Saison unter Beweis. Gleich bei seinem Debüt für das Team von Antonio Di Salvo traf er in Lettland per Doppelpack. Seinem ersten A-Länderspiel für Deutschland stehen allerdings noch zwei Hindernisse im Weg. Erstens dürfen ihm solche Ausraster wie die Kopf-ab-Geste im Spiel gegen Straßburg nicht mehr passieren. Zweitens muss er sich überhaupt erst einmal dafür entscheiden, auch A-Länderspiele für den DFB zu bestreiten.
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