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Die Beginner (1)

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Endlich keine Schule mehr! Und dann? Danach kommt die Zeit des Ausprobierens. Über zwei Jahre hat 37Grad drei junge Menschen bei ihrem nicht immer reibungslosen Start ins Leben begleitet. Zur zweiteiligen Reportage:

Was will ich, und was schaffe ich? Das sind die Fragen, die über allem schweben. Studium oder Ausbildung? Den großen Traum umsetzen oder lieber realistisch bleiben? Pao , Faourouz und Dennis gehen unterschiedliche Wege.

Ob sie ans Ziel kommen? Der "37 Grad"-Zweiteiler begleitet junge Menschen bei ihren ersten Gehversuchen im Leben nach der Schule. Sie verlassen das Elternhaus, müssen sich selbst versorgen, sich bewerben, sich bewähren und auch lernen, mit Rückschlägen klarzukommen.Pao hatte bislang darauf gesetzt, dass er Soziale Arbeit studieren wird, aber das lange Warten auf einen Studienplatz zermürbt ihn. Er entscheidet sich gegen das Studium und für eine Ausbildung. "In Deutschland braucht man ja irgendeinen Abschluss, sonst ist man nichts", meint er. Sein Vater, ein Sozialarbeiter ohne Studium, hofft, dass Pao nicht die gleichen Fehler wie er selbst machen wird. Aber Pao pfeift auf die väterlichen Bedenken. Vor der Ausbildung startet er zum ersten Mal in seinem Leben in einen großen Urlaub - und ahnt noch nicht, dass diese Reise alles verändern wird. Dennis musste schon während der Schulzeit kämpfen – gegen Mobbing von Klassenkameraden. Damals war er Teil eines "37 Grad"-Zweiteilers über Jungs in der Pubertät. Zum großen Staunen seiner Eltern und Lehrer kämpft Dennis sich trotz Hauptschul-Empfehlung bis zum Abitur – und will jetzt Jura studieren. "Ich möchte Menschen helfen, die sonst übergangen werden, weil sie kein Geld oder keine Ahnung von ihren Rechten haben", sagt er. In Kiel, 600 Kilometer von seiner Heimat entfernt, findet er einen Studienplatz und ein kleines Studentenzimmer. Seine Freundin Tamara wird er nur noch selten sehen können, das BAföG reicht nicht für viele Fahrten in die Heimat. "Aber irgendwie kriegen wir das trotzdem weiter miteinander hin", hofft Dennis. Kurz vor der Präsentation ihrer Abschlusskollektion an einer Düsseldorfer Mode-Akademie geht es Faourouz gar nicht gut. Sie hat die ganze Woche an der Nähmaschine verbracht und kaum eine Nacht mehr als drei Stunden geschlafen. "Wenn die mich heute durchfallen lassen, habe ich ein echtes Problem", sagt sie. Faourouz, geboren in Togo und als Siebenjährige mit der Großfamilie nach Deutschland gezogen, möchte den Modehimmel stürmen und Designerin mit eigenem Label werden. Für ihre Eltern zunächst ein völlig unverständlicher Traum. Sie drängten ihre Tochter nach der Schule in eine Lehre zur Steuerfachgehilfin. "Da wäre ich fast eingegangen vor Langeweile", sagt Faourouz. Sie weiß, dass sie sich jeden Schritt bis zum ehrgeizigen Ziel selbst erarbeiten und auch finanzieren muss. Um das Geld für den Start in die Selbständigkeit zusammenzubekommen, will sie nebenbei als Flugbegleiterin arbeiten. Aber nun muss sie erst mal die strenge Mode-Jury überzeugen, die heute schon mehrere Studierende durchfallen ließ.Die drei jungen Menschen sind Träumer, Rebellen, Idealisten und Pragmatiker. Sie starten unter schwierigen Bedingungen in die Zeit nach der Schule. Ihre Eltern können sie finanziell kaum unterstützen. Schaffen sie es trotzdem, ihrem Lebenstraum ein Stück näher zu kommen? Die zweieinhalb Jahre, die "37 Grad" dokumentiert, sind voller Überraschungen und Wendungen, voller Glücksmomente und Enttäuschungen, voll prallem Leben.37 Grad-Autoren Ulf Eberle und Katharina Gugel über ihren FilmAls wir auf unsere Beginner stießen, gab es so ein Gefühl, dass wir mit ihnen über zwei Jahre hinweg überraschende Wendungen erleben würden. Aber wir ahnten nicht das Ausmaß. Pao wurde uns 2016 von einer Sozialarbeiterin empfohlen, die sich stark für Jungs engagiert und die Pao und seinen Vater als Betreuer von Jugendgruppen kennengelernt hatte. „Zwei außergewöhnliche Persönlichkeiten“ seien die beiden und Pao schon länger auf der Suche nach einer Ausbildung. Als wir zum ersten Mal zum Vorgespräch nach Hause kamen, konnten wir nicht so recht glauben, dass es so etwas noch gibt: Vater und Sohn in einer harmonischen, buddhistischen Hippie-Zweimann-WG mit kleinem Altar, Räucherstäbchen, Gitarre und Batiktüchern. Paos Mutter war vor zehn Jahren nach Indien gegangen, um ihr Glück zu suchen. Pao selbst war mit seinen 24 nicht weiter weggekommen als nach Österreich. Er hatte zwei riesengroße Wünsche: einen Studien- oder Ausbildungsplatz für Soziale Arbeit und eine Reise tun, nach Portugal zum Beispiel. Ein halbes Jahr später hatte er die Chance, sich beide Wünsche zu erfüllen. Dass wir dann eineinhalb Jahr lang immer wieder zu ihm und der großen Liebe nach Portugal gereist sind, hätte keiner von uns gedacht. Sein Geld verdient Pao in den Küchen vor Ort, zuerst einem Restaurant, dann einer Pizzeria und im Moment in einem Yoga-Retreat.Faourouz, quirlige Modestudentin, gebürtig aus Togo und schon lange in Deutschland – sie bezauberte uns mit ihrer offenen, lebenslustigen, spontanen Art bei einem Casting in der Modeschule. Nasenring, Nickelbrille, Wuschelkopf und immer bereit, loszulachen. Wir wollten auf jedem Fall für das Filmprojekt bei einer Abschlussprüfung dabei sein und so wurde es am Ende Faourouz mit ihrer Kollektion. Ihre gewünschten und tatsächlichen Stationen nach dem Studium: London, Mailand, Frankfurt, Paris, Bogotá, Randersacker, Dubai, Togo, München. Faourouz hielt uns in Atem mit immer neuen Ideen und spontanen Entwicklungen. Genauso schnell wechselte sie ihr Äußeres: Die Frisur, eigentlich krause, kurze Haare, wurde durch Perücken oder Extensions gelockt, glatt, blond, kurz oder lang. Dazu passend wechselt sie das Outfit. Ihr momentaner Status: Sie ist nach wie vor als Flugbegleiterin unterwegs und daneben hat sie eine Kollektion aus afrikanischen Stoffen entworfen, mit der sie den Modemarkt erobern will. „Das Wichtigste ist, dass du an dich selbst glaubst“ – das ist ihr Leitmotiv.Dennis kannten wir aus einer früheren 37 Grad-Dokumentation, „Jungs unter Strom“ – es ging um die turbulente Zeit der Pubertät. Sein Lehrer, der immer an Dennis geglaubt hatte, auch wenn die Leistungen nicht berauschend waren, schickte uns 2017 eine Nachricht: Dennis hätte zum Erstaunen aller das Abitur geschafft. Der Lehrer wusste nicht, dass wir jetzt „Beginner“ suchten, also junge Menschen, die nach der Schule oder dem Studium ins Leben starten. Es war also reiner Zufall, dass wir wieder auf Dennis und seine treuen Eltern stießen. Er hatte die Zusage für einen Jura-Studienplatz in Kiel und die Trennung fiel vor allem den Eltern nicht leicht. Auch wenn manche Klausur in die Hose ging, verfolgt Dennis sein Studium weiter und kommt regelmäßig nach Hause. Die neuste Errungenschaft: ein Tattoo mit Paragraphenzeichen. Diese drei willensstarken Menschen und ihre unterschiedlichen Wege ins Leben zu begleiten, hat uns wirklich begeistert. Und wir sind uns sicher, dass sie ihren Weg machen werden.

Wir haben diese Nachrichten zusammengefasst, damit Sie sie schnell lesen können. Wenn Sie sich für die Nachrichten interessieren, können Sie den vollständigen Text hier lesen. Weiterlesen:

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