Die Entschärfer sind Polizeiprofis, die sich für die Sicherheit unserer Städte und Landschaften einsetzen. Sie riskieren ihr Leben, wenn sie zum Einsatz kommen, aber haben noch nie einen Kollegen verloren. Laut estimates, steht ihnen ein normaler Streifenpolizist daheim, wenn sie aufgespürt werden, während sie im Einsatz sind.
Über diese Männer weiß man wenig. Und man liest auch kaum etwas über sie. Das ist gut so – denn es bedeutet: keine Katastrophen, keine Toten.
Dabei setzen sie bei jedem Einsatz ihr Leben aufs Spiel. Seit 1994 - damals wurden die ersten Gruppen aufgestellt - haben sie noch niemals einen Kollegen verloren. B.Z. -Reportern gewährten die Spezialisten einen exklusiven Einblick.
Torsten F. ist Polizeihauptkommissar, 47 Jahre und verheiratet. Gefahr ist sein Alltag - er machte bei der Bundespolizei zunächst eine technische Ausbildung, war danach Polizeitaucher, Sky-Marschall, ließ sich schließlich zum Entschärfer ausbilden und ist nun deren Leiter inAuf die Frage des Reporters, der die Antwort schon erahnt und sich nach dem Grund dieser Berufswahl erkundigt, antwortet der Beamte prompt: „Weil ich anderen helfen wollte.
“ Dies ist, so der Hauptkommissar, keine von der Behörde vorgegebene Floskel, sondern seine tatsächliche Einstellung. Torstens Leute werden angefordert, wenn am Hauptbahnhof ein verdächtiger Koffer steht. Wenn ein Magnetangler statt des gewünschten Schmucks eine alte Weltkriegsgranate am Haken hat, wenn Terroristen eine Bombe vor einer Botschaft platzieren oder kurz vor dem Jahreswechsel tonnenweise illegales und hochexplosives Feuerwerk sichergestellt werden.werden will, muss nicht nur körperlich topfit sein und sich dies regelmäßig von einem Arzt bescheinigen lassen, sondern auch eine sechsmonatigedurchlaufen.
Das sei wie ein Führerschein.
„Du machst die Prüfung und darfst fahren, die Erfahrung kommt durch den täglichen Job. “ Irgendwann kam auch für ihn der erste scharfe Einsatz, 2011 hatten Täter zahlreiche Brandsätze am deutschen Schienensystem deponiert. Hatte er Angst?
„Nein. In dem Moment funktionierst Du, arbeitest das Erlernte ab.
“ Gegrübelt wird später. Hektik ist der Tod des Entschärfers, zudem hat er drei Feinde: Druck, Splitter und Hitze. Die soll der 100.000 Euro teure und 40 Kilogramm schwere Spezialanzug abwehren. Der besteht aus einer Hose, einer zweiteiligen Jacke, Helm und Schuhen.
Eine Ganzkörper-Panzerweste aus Carbon Kevlar und Keramikplatten. Der Helm ähnelt in seinen Eigenschaften dem der SEK-Beamten, das Visier ist hochklappbar. Gegen Durst und Flüssigkeitsverlust hilft eine Wasserblase mit mehreren Litern Wasser auf dem Rücken, getrunken wird durch einen Schlauch. Die Männer können so über Stunden in dem Anzug arbeiten, abhängig von Körpergröße und Konstitution.
Für Erfrischung sorgt ein Belüftungssystem. Trotzdem gelte stets: „Sei so weit wie möglich von dem Gegenstand entfernt.
“ Denn trotz Anzug kann durch die Wucht einer Explosion der Entschärfer verletzt oder getötet werden. Deswegen verfügen die Männer über ferngesteuerte Roboter, die an den verdächtigen Gegenstand herangeführt werden und ihn mit einem gezielten Wasserstrahl oder scharfer Munition unschädlich machen.kennengelernt. Und natürlich mache sie sich Sorgen, wenn er zum Dienst geht.
„Aber wenn wir zum Einsatz gerufen werden, wissen wir bereits im Groben, was uns erwartet. Es heißt, das da ist böse. Wir betreten die Absperrung, ziehen uns in Ruhe um und machen uns ans Entschärfen.
“ Der normale Streifenpolizist sei der Held - denn der werde zu einer häuslichen Gewalt gerufen und schaue plötzlich in den Lauf einer Schrotflinte.hat zwar formal die Ausbildungshoheit für alle Entschärfer mit ihrer Schule bei Kassel, übt diese aber unter Beteiligung der Fachdienste der Länder aus. Die Ausbildungsinhalte werden gemeinsam abgestimmt.
„Das ist ein großer Vorteil“, berichtet Torsten F.sowie für die Flughäfen zuständig. Ist Not am Mann, unterstützen sie aber auch die Kollegen aus dem Land, wie die GSG9-Beamten dieEntschärfer sind angehalten, ihr Testament geschrieben und eine Patientenverfügung zu hinterlegen. Denn bei aller Professionalität fährt der Tod stets als Beifahrer mit in den Einsatz. Gewisse Passagen in den Besoldungstabellen lesen sich in diesem Zusammenhang wie Hohn – die Gefahrenzulagen werden mit einer geringen Summe pauschal vergütet, Zuschläge gibt es pro Einsatz.
Heißt: Befinden sich in einem verdächtigen Koffer nur alte Socken und ein Rasierapparat, gibts für die Entschärfer weniger Zuschlag. Die hohen Kosten für die ohnehin schwer zu bekommende Lebensversicherung in dem Job bleiben für die Beamten im Gegenzug gleich.
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