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Die kleine Wärmeleitevolution im Test

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 Die kleine Wärmeleitevolution im Test
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Hallo an alle Mitleser, anbei möchte ich kurz auf das z.T. noch recht unbekannte 'Honeywell PTM7950' eingehen. Einige Anwender schwören seit Jahren darauf; andere haben noch nie davon gehört. Ich selbst bin durch Reddit und Youtube-Kanäle wie z.

B. IgorsLab darauf aufmerksam geworden und wollte das Zeug unbedingt einmal selbst testen . Ich habe keinerlei wissenschaftlichen Anspruch. Ich möchte lediglich meine eigenen Erfahrungen mitteilen. Was ist PTM7950? Was ist der Unterschied zu klassischen Wärmeleitpasten? Wo bekommt man PTM7950? Mein PC und der Grund, warum ich PTM7950 teste Die Bestandsaufnahme bzw. der Ist-Zustand der alten Wärmeleit-Paste und -Pads Die Applikation von PTM7950 und die Besonderheiten Die Messergebnisse + Fazit Bild: modDIY Was ist PTM7950 überhaupt? PTM steht für PhaseTransitionMaterial. Zu gut deutsch ein Phasenwechselpad. Man könnte es als einen Hybriden aus klassischer Wärmeleitpaste und einem Graphen-Wäremleitpad bezeichnen . Die Besonderheit ist, dass PTM7950 unter der Kombination aus Druck+Temperatur seine physikalische und chemische Struktur ändern kann . Im kalten Zustand kann es steinhart sein und im erhitzten Zustand fast flüssig. Es eignet sich bestens, um die Unebenheiten/Übergänge zwischen einem Chip bzw. Heatspreader und einem Kühler zu schließen. PTM macht das nachweislich besser, als jede ordinäre Wärmeleitpaste. Die Performance von PTM liegt dabei auf dem Niveau üblicher Premiumpasten wie z.B. Noctua NT-H1, Thermalright TF-8, Arctic MX-6 oder ThermalGrizzly Kryonaut. Man darf also keine Wunder erwarten, aber durchaus solide Messergebnisse. PTM7950 wird fälschlicherweise fast überall als 'PCM' beworben; also als ein 'PhaseChangeMaterial'. Ein PCM ist dabei dafür gedacht, Energie/Hitze zu speichern und ggf. auch wieder abzugeben. Im Grunde wie ein klassischer Taschenwärmer mit Knickplättchen. Genau das macht PTM7950 allerdings nicht. Es kann keine Wärme speichern; dafür aber hervorragend leiten. Angewendet wird PTM7950 vor allem von der Industrie in Geräten mit langen Wartungsintervallen oder in Geräten, die im Grunde planmäßig nie zerlegt werden sollten. So findet es sich z.B. in Spielekonsolen, Gaming-Handhelds und Notebooks . Den Weg in den klassischen Desktop-PC findet PTM hingegen eher nur in Ausnahmefällen. Genau dort möchte ich es aber testen. Natürlich funktioniert PTM am besten bei Direct-DIE-Cooling, wie z.B. beim GPU-Die. Da bei Desktop-CPU's meistens noch ein Heatspreader und ein weiteres Leitmedium im Spiel sind, kann es sich hier weniger gut entfalten. Trotzdem funktioniert es auch hier ohne Probleme und sollte immer noch auf dem Level üblicher Pasten liegen. Bild: igorsLAB Was ist der Unterschied zu 'normalen' Wärmeleitpasten? Das Problem klassischer Wärmeleitpasten ist die begrenzte Lebensdauer. Viele Pasten leiten extrem gut; härten dafür aber extrem schnell aus und die Temperaturen der Chips steigen folglich extrem an. So schneidet z.B. eine Kryonaut Extreme in so ziemlich allen Reviews hervorragend ab. Allerdings ist diese Paste für den SubZero-Bereich gedacht. Also vor allem die Extrem-Overclocker, die ihre Pasten ohnehin im Stundentakt wechseln. Im Heimanwenderbereich ist diese Paste in aller Regel nach ca. 6 Monaten fast 'unbrauchbar' und kühlt fortwahrend immer schlechter. PTM kann nicht austrocknen und ist quasi unbegrenzt haltbar. Zumindest wird es die Lebensdauer des zu kühlenden elektronischen Bauteils überleben. Zudem kann es wiederverwendet werden, wenn man z.B. den Kühler mal demontieren muss; wohingegen Wärmeleitpaste jedes Mal erneuert werden sollte. Und ganz im Gegenteil zu normaler Wärmeleitpaste wird es im Laufe der Zeit immer besser. In Tests hat PTM nach über 10.000 HeatCycles eine sogar noch leicht bessere Wärmeleitfähigkeit besessen, als direkt nach den ersten paar Zyklen. Reguläre Pasten enthalten oft Anteile an Silikon, welches im Laufe der Zeit zwischen Kühler und Chip herausgedrückt wird. Erst dadurch härtet die Paste letztlich aus und bringt nicht mehr die gewohnte Performance . PTM leidet nicht unter diesem Phänomen. Vorteile von PTM7950: extrem lange Haltbarkeit / kein Erneuern notwendig kein PumpOut- oder BleedOut-Effekt die Wärmeleitfähigkeit nimmt im Laufe der Zeit sogar noch leicht zu allgemeine Kühl-Performance auf Augenhöhe mit den üblichen Premium-Pasten nach Kühlerdemontage wiederverwendbar nicht elektrisch leitend wie einige andere Pasten oder Flüssigmetall Nachteile von PTM7950: regulär wird es nur Business2Business vertrieben und ist im freien Handel kaum bzw. nur schlecht erhältlich genau aus diesem Grund existieren auf den üblichen Plattformen wie Amazon, AliExpress etc. sehr viele Fakes. fummelige Applikation bzw. ist reguläre Paste leichter aufzutragen bei Custom-Wasserkühlungen kann es sich z.T. nicht richtig einbrennen, da die nötigen Temperaturen nicht immer erreicht werden hoher Preis Bild: lttstore Wo bekommt man das 'echte' Honeywell PTM7950? Da es eben regulär nur B2B gehandelt wird und recht teuer ist, haben sich sehr viele Fakes etabliert. Teilweise handelt es sich dabei auch um ähnliche PTM's, aber halt nicht um das Original. Ist das schlimm? Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Das Original zeichnet sich durch seine niedrige BurnIn-Temperatur bzw. durch das relativ breite Temperatur-Fenster aus, das für den BurnIn zur Verfügung steht. Daher hat das Orignal durchaus seine Vorzüge. Das Original ist erhältlich auf z.B. modDIY.com, lttstore.com oder ebuy7.com. Es wird mit Sicherheit noch div. andere Shops geben, die das Original vertreiben. Dies sind lediglich ein paar Beispiele. Mein Gaming-PC und warum dieser mal wieder einen Service nötig hatte Als Erstes mal die verwendete Hardware: CPU:5800X3D CPU-Kühler:Noctua NH-U12A GPU:RTX4080 Ventus 3X OC GPU-Kühlung:Deshroud mit 2x NF-A12x25 Mainboard:ROG Strix B550I Netzteil:Corsair SF750 Gehäuse:NR200P Das System habe ich im Nov. 2022 aufgebaut. Damit ist es jetzt ziemlich genau 21 Monate alt. Die anfänglichen Temperaturen von CPU und GPU waren sehr gut, doch so langsam beginnen die Temperaturen zu klettern . Somit wollte ich das System einmal komplett zerlegen, reinigen und in diesem Zuge auch die Wärmeleitpaste tauschen. Der GPU-Kühler war, zwecks Garantie, noch nie demontiert und ich habe keine Ahnung, welche WLP hier seitens MSI ab Werk genutzt wird. Die Paste auf der CPU ist Noctuas NT-H1. Zwischenzeitlich vermutete ich, dass auch die Wärmeleitpads der GPU so langsam ausgeölt sind und werde auch diese gleich mit austauschen . Anfänglich war der VRAM mal ~12°C kühler als er es jetzt vor dem Pad-Tausch gewesen ist. Die Bestandsaufnahme bzw. der Ist-Zustand der alten Wärmeleit-Paste und -Pads Wie erwartet war die Wärmeleitpaste der GPU 'ausgehärtet' und die Pads waren extrem bröselig. Die Pads zwischen PCB und Backplate waren noch in ganz gutem Zustand, da sie wahrscheinlich weniger hohen thermischen Belastungen ausgesetzt sind, als die Pads direkt auf den RAM-Modulen, Mosfets und VRM's auf der Vorderseite. Bei der Wärmeleitpaste der CPU konnte man sowohl PumpOut als auch BleedOut relativ schön sehen und da ist es dann auch nicht verwunderlich, wenn die Temperaturen nicht mehr so richtig passen. Die obere Hälfte des WLP-Abdrucks war hart und trocken. Hingegen ist die untere Hälfte extrem nass und wurde auch zwischen Coldplate und Kühler rausgepresst. Diese Paste war schon längst überfällig für eine Erneuerung. Die CPU lief anfänglich mal 4450Mhz Allcore bei ~84°C. Die Messung vor der Demontage ergab nur noch 4275Mhz AllCore bei ~90°C. Die CPU hat sich also bereits selbt gedrosselt . Die Applikation von PTM7950 und die Besonderheiten Geliefert wird PTM in Form eines 0,25mm dicken Pads, das von 2 Plastikfolien geschützt wird . PTM ist im Auslieferungszustand bei Raumtempartur sehr klebrig bis schleimig und daher nur schwer zu verarbeiten. Die Folie lässt sich kaum lösen, ohne dass das PTM daran haften bleiben möchte. PS: Nach der BurnIn-Phase ist PTM bei Raumtemperatur hart. Diesen Zustand hat es, bei Raumtemperatur, nur vor dem BurnIn. Für die Verarbeitung legt man das PTM am besten vor dem Schneiden für eine gewisse Zeit in den Tiefkühler . Bei -18°C wird es hart und leichter zu verarbeiten. Danach kann es einfach mit einer Schere geschnitten werden. Ich habe mit einem Messschieber die Dimensionen des GPU-Dies gemessen. Bei der 4080 habe ich 26x16mm gemessen. Idealerweise lässt man das Pad 1mm überstehen, damit man später die Folie besser abziehen kann. So sieht der PTM-Abdruck auf dem Kühler aus, wenn noch kein BurnIn stattgefunden hat: Bei der CPU verhält es sich im Grund identisch. Dimensionen ausmessen, schneiden, drauflegen, Folie abknibbeln. Fertig. Was genau muss man jetzt, speziell im Sinne des BurnIns, machen? Im Grunde nicht besonders viel. PTM7950 ist ab Minute 1 bereits voll einsatzfähig. Man muss sich also keine großartigen Gedanken machen. Der BurnIn erfolgt, lt. Honeywell, bereits ab 45°C. Dabei ist natürlich die Materialtemperatur gemeint und nicht die Chip-Temperatur. Igor hat das ausführlichst getestet und kam zu dem Ergebnis, dass der BurnIn ca. 5min dauert und eine EdgeTemp von 69°C benötigt. Das ist natürlich z.B. mit FurMark, Prime etc. leicht machbar. Wichtig ist, dass der BurnIn nicht mit dem Erhitzen beendet ist, sondern erst mit dem Erkalten des Materials. Man sollte den PC im Anschluss also zumindest einmalig auf Raumtemperatur abkühlen lassen. Der erste BurnIn ist hierbei eindeutig der wichtigste; da hier die Übergänge zwischen Chip und Kühler geschlossen werden. Jeder weitere BurnIn verbessert die Temperaturen dann nur noch geringfügig. Ab dem 10. BurnIn stabilisieren sich die Messergebnisse dann. Wobei hier natürlich z.B. auch einfach nur gezockt werden kann. Auch das ist, nach dem Abschalten des Rechners, de facto ein BurnIn. Während der ersten paar BurnIns wird das PTM immer dünner, bis es nach dem 5. BurnIn seine 'endgültige' Schichtstärke von 0,16mm erreicht. Die Messergebnisse + Fazit Genug gelabert; hier sind meine Ergebnisse : Die Messung wurde nach dem 5. BurnIn gemacht. Zwischenzeitlich sind die Temperaturen sogar noch margnial gesunken . Jeder BurnIn waren bei mir ein 10-minütiger Durchlauf von Prime95 und FurMark; gefolgt vom Abkühlen des PC's. Wichtig: Die hier angezeigten Lüfterdrehzahlen für die GPU stimmen nicht. Die Karte gibt die Werte basierend auf ihren Stock-Lüftern aus, über die die Karte aber überhaupt nicht mehr verfügt. Die Stock-Lüfter machen bei 100% PWM ziemlich genau 3600rpm. Die NF-A12x25 chromax drehen bei 100% PWM aber nur bis 2000rpm. Somit sind die realen Drehzahlen 1220rpm vor dem Wechsel und 960rpm nach dem Wechsel auf PTM7950. Die GPU ist jetzt also ~6°C kühler und die CPU ~9°C. Positive Nebeneffekte sind hierbei, dass die CPU wieder bis 4450 Mhz boostet und die GPU etwas weniger Lüfterdrehzahl benötigt. Interessanterweise perfomt das PTM speziell auf der CPU bei mir unerwartet gut . Die Werte sind ca. 2-3°C besser als mit frischer NT-H1 . Bei identischer Raum-Temp. ist die Differenz daher wahrscheinlich noch größer. Die GPU ist jetzt wieder ziemlich genau auf den Werten ihres Auslieferungszustands; nur wird sie diese Werte nun auch dauerhaft halten können und nicht nur für eine gewisse Zeit. Eine interessante Auffälligkeit, die man bei jedem BurnIn sehen kann, ist der Verlauf der Temperaturkurve der Chips. Während die Temperaturen bei normaler Paste stetig steigen bzw. die Kurve dann irgendwann abflacht; sieht es bei PTM anders aus. Hier kommt es initial zu einem kleinen Temperatur-Spike, bis sich das PTM schließlich verflüssigt und die Temperatuen dann wieder fallen. Ob sich der Aufwand und die Kosten für PTM lohnen, liegt im Auge des Betrachters. Speziell für Anwender, die ihren PC nur ungern zerlegen wollen und möglichst lang ihre Ruhe haben wollen, ist PTM7950 aus meiner Sicht ideal.

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