DOSB-Präsident Thomas Weikert erklärt, dass er bei der kommenden Wahl nicht mehr antreten wird – und zieht ein zumindest in Teilen selbstkritisches Fazit. data-manual=googleTeaserText
Fünf Jahre an der Spitze des deutschen Sports: Noch-DOSB-Präsident Thomas Weikert mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier vor der Kür des deutschen Olympiabewerbers in Baden-Baden. DOSB-Boss Thomas Weikert erklärt, dass er bei der kommenden Wahl nicht mehr antreten wird – wohl auch, weil die Unterstützung für ihn schwand.
Sein Nachfolger hat einen Berg an Aufgaben. um Abschied ließ Thomas Weikert noch einmal andere für sich sprechen, er wählte das naheliegende Doppel aus Charlie Chaplin und Dietrich Bonhoeffer.
„An den Scheidewegen unseres Lebens stehen keine Wegweiser“ – zu diesem Bonmot des großen Schauspielers und Regisseurs griff Weikert, um zu illustrieren, wie auch er zuletzt mit einem wegweisenden Beschluss gerungen habe. ) diesen Beschluss am Donnerstag verkündete, zitierte er gleich noch den großen Theologen Dietrich Bonhoeffer: „Der größte Fehler, den man im Leben machen kann, ist, immer Angst zu haben, einen Fehler zu machen.
“ Auch er, Weikert, habe „sicherlich nicht alles richtig gemacht in den vergangenen fünf Jahren“. Aber er habe es „immer versucht, und ich glaube, dass die Entscheidung, die ich heute verkünde, die richtige ist“. Für die Münchner Olympiabewerber drängt die Zeit. Noch ist nicht einmal klar, wer dabei das Sagen hat.
Der organisierte Sport stellt sich gegen das früher übliche Organisationsmodell – und positioniert sich offensiv. Thomas Weikert wird also nicht mehr kandidieren, wenn die Mitgliedsverbände des DOSB am 5. Dezember in Frankfurt/Main ein neues Präsidium wählen. Diese Entscheidung hatte sich seit Monaten abgezeichnet; die Frage war bloß gewesen, wann Weikert sie verkünden und wie er diese begründen würde – jetzt, da auch der Dachverband des organisierten Sports auf große Gabelungen zusteuert.
Er habe es geliebt, sich für das „Wohlergehen des Sports“ einzusetzen, stellte der 64-Jährige voran. Er spüre aber, dass er „nicht mehr die Kraft aufbringen“ könne, sich mit vollem Elan den Aufgaben eines DOSB-Präsidenten zu widmen. Es möge „naiv“ wirken, doch er habe unterschätzt, wie viel Arbeit das Präsidentenamt eines Dachverbands erfordere – zusätzlich zu seiner Arbeit als Rechtsanwalt. Diese Belastung wolle er auch seiner Familie nicht mehr zumuten, so Weikert.
Das war ehrenhaft und offen, andererseits wohl eher die halbe Wahrheit. Vertreter beider großen Fraktionen im DOSB – Landessportbünde und Fachverbände – hatten Weikert vor Langem mitgeteilt, dass sie ihn nicht wieder unterstützen würden, hätte er am 5. Dezember zum dritten Mal kandidiert, nach 2021 und 2022. Zwar führte Weikert „anders lautende Kommentare in persönlichen Gesprächen“ ins Feld.
Die Behauptung, er trete „selbstbestimmt“ ab, wirkte in diesem Licht aber fraglich. In jedem Fall äußerte sich Weikert auch zur Kritik an seiner Person, erwähnte Vorbehalte wie „Führungsschwäche und Profillosigkeit“. Dem hielt er entgegen, dass er sich schon als Präsident des Tischtennis-Weltverbands „nie als Anführer gesehen“ habe.
„Ich sage meine Meinung, aber entschieden wird im Kollektiv“ – das sei ihm wichtiger „als im Alleingang erzwungene Achtungserfolge“. Auch mal andere sprechen lassen, so lautete wohl die genehme Auslegung.
Andererseits kam Weikerts Präsidium auch im Kollektiv eher selten über Achtungserfolge hinaus. Zwar wirkt der DOSB im Vergleich zu den Zeiten voller „Konflikte und Zerwürfnisse“ tatsächlich „befriedet“, wie Weikert nun reklamierte. Auch die diplomatischen Beziehungen zu Weltverbänden und zum Internationalen Olympischen Komitee scheinen wohltemperierter zu sein. Doch in vielen Fragen agiert der Dachverbandnur für eine Legislaturperiode fließen statt jährlich- und Paralympics-Bewerbung geriet zum Quell ständiger Debatten.
Es war ein ebenso kurzer wie vielsagender Moment, als Weikert jüngst im ZDF-Sportstudio gefragt wurde, weshalb der Behindertensportverband bei der Kür in Baden-Baden nicht hatte votieren dürfen, obwohl es immerhin auch um die Paralympics gehe. Das gebe die DOSB-Satzung nun mal vor, sagte Weikert. Und eine Satzungsänderung, ja gut, die hatte er „nicht auf dem Schirm“. Sein Nachfolger wird in jedem Fall vor einem Berg an Aufgaben stehen, allein das neue Sportfördergesetz wird tiefe Änderungen in die verzweigte Spitzensportlandschaft schneiden.
Auch deshalb ist ein Teil der DOSB-Mitgliedschaft zunehmend irritiert darüber, dass eine Findungskommission am Freitag das deutsche IOC-Mitglied Michael Mronz als Nachfolger vorschlagen könnte, dessen vorrangige Aufgabe darin besteht, die IOC-Interessen in Deutschland zu vertreten. Was Charlie Chaplin wohl zu all dem eingefallen wäre? Nach der Wahl des Olympiakandidaten steht für den Sport die nächste zentrale Frage an: Wer wird neuer DOSB-Präsident? Der Kölner Sportmanager Michael Mronz gilt als Favorit – doch es formiert sich Widerstand.
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