Düngerkrise: Werden unsere Lebensmittel teurer? Was Sie als Verbraucher jetzt wissen sollten

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Düngerkrise: Werden unsere Lebensmittel teurer? Was Sie als Verbraucher jetzt wissen sollten
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Die Düngerpreise explodieren, doch die Preise im Supermarkt bleiben derzeit stabil. Warum die Krise versetzt kommt – und woran wir das zuerst merken.

Die Düngerpreise explodieren, doch die Preise im Supermarkt bleiben derzeit stabil. Warum die Krise versetzt kommt – und woran wir das zuerst merken. Auf den Feldern ist die Krise längst da, im Supermarkt noch nicht.

Warum unser Brot, Fleisch und Milch teurer werden könnten. Die EU-Kommission hat angesichts explodierender Düngerpreise zusätzliche Hilfen für Europas Landwirte beschlossen. Weil ein großer Teil der weltweiten Düngerproduktion über dieUm Ernteausfälle und höhere Lebensmittelpreise zu verhindern, will die EU jetzt mit Notfallhilfen und einer stärkeren europäischen Eigenproduktion gegensteuern. Auf die Lebensmittelpreise hat sich die Krise bisher noch nicht ausgewirkt.

Stickstoffdünger – der wichtigste Helfer beim Wachstum von Getreide, Gemüse und Futtermitteln – kostet in Europa zurzeit 71 Prozent mehr als noch 2024. Der Düngerrohstoff Urea hat sich zwischen Februar und April 2026 sogar um 80 Prozent verteuert. Für Verbraucher erst einmal nicht. Die Lebensmittelinflation in Europa lag im April 2026 bei 2,5 Prozent – ein erhöhter, aber kein dramatischer Wert.

Im Supermarkt ist von der Krise also bisher wenig zu sehen. Marco Fleischmann, Experte für Pflanzenernährung beim Industrieverband Agrar, betonte Ende April gegenüber der Nachrichtenagentur dpa, dass die Düngerversorgung in Europa trotz des Iran-Kriegs nicht gefährdet sei. Zwar gingen rund 30 Prozent des globalen Handels mit Harnstoff durch die blockierte Straße von Hormus, aber Deutschland und Europa versorgten sich weitgehend selbst oder aus anderen Importmärkten wie Algerien und Ägypten.

Der Iran-Krieg treibe jedoch den Weltmarktpreis – im laufenden Jahr sei er um rund 50 Prozent auf 750 Euro pro Tonne Harnstoff gestiegen. Eine ähnliche Einschätzung gab Anfang Mai der europäische Branchenverband Fertilisers Europe in einer Stellungnahme gegenüber dem Sender Euronews ab. Europa habe in der laufenden Saison kein Versorgungsproblem, weil die europäische Produktion historisch rund 70 Prozent der europäischen Nachfrage decke und im vierten Quartal 2025 Rekordimporte verbucht worden seien.

Die Landwirte agierten allerdings in einem komplexen Umfeld mit engen Margen. Es gibt also Dünger, aber er ist teuer geworden. Die Lebensmittel hingegen werden nicht im Moment des Düngerkaufs teurer, sondern erst dann, wenn aus dem Korn Mehl, aus dem Mehl Brot und aus dem Brot ein Preis im Regal wird. Das dauert.

Und es gibt mehrere Puffer, die im Moment dämpfend wirken. Zum einen haben viele europäische Landwirte ihren Dünger für die laufende Saison bereits vor Monaten eingekauft, zu noch günstigeren Preisen. Die Felder, die jetzt heranwachsen, wurden also größtenteils noch mit „altem“ Dünger versorgt. Und die Supermärkte und Hersteller haben langfristige Lieferverträge, die sich nicht von heute auf morgen anpassen lassen.

Im Spätsommer und Herbst entscheiden Europas Landwirte, wie viel Dünger sie für die nächste Aussaat einkaufen. Vor allem die Aussaat von Wintergetreide und Raps zwischen Mitte September und Mitte Oktober – das dokumentieren die deutschen Landwirtschaftskammern Jahr für Jahr – wird zur Weichenstellung für die Ernte 2027. Bleiben die Düngerpreise bis dahin extrem hoch, könnten viele Betriebe weniger düngen oder auf weniger düngeintensive Kulturen umstellen. Davor warnt unter anderem die Welternährungsorganisation FAO.

FAO-Generaldirektor Qu Dongyu sagte bei einem Ministertreffen in Rom Anfang Mai, die Landwirtschaft folge einem Anbaukalender, der sich nicht verschieben lasse. Schon eine Verzögerung von wenigen Wochen zwinge Landwirte dazu, den Düngereinsatz zu reduzieren oder ganz darauf zu verzichten. Die heutigen Auswirkungen würden sich auf die nächsten Ernten übertragen und das Nahrungsangebot in der zweiten Hälfte 2026 und 2027 verknappen. Und warum trifft es ausgerechnet Getreide so hart?

Stickstoffdünger wie Urea stünden im Zentrum der Krise, weil Stickstoff – anders als Kali oder Phosphat – das eine Element sei, das die Pflanze jedes Jahr brauche. Man könne eine Saison Kali auslassen, man könne eine Saison Phosphat auslassen, aber man könne keine Saison Stickstoff auslassen, erklärte Dawid Heyl, Portfoliomanager beim Investmenthaus Ninety One, im März gegenüber dem US-Wirtschaftssender CNBC.

Heyl bezog sich auf den globalen Markt, doch die Regel gilt genauso für deutsche Felder – Weizen, Raps, Mais und Zuckerrüben sind hierzulande die wichtigsten stickstoffhungrigen Kulturen. Wenn der Schock im Supermarkt ankommt, wird er nicht alle Produkte gleichzeitig treffen. Es gibt eine ziemlich klare Reihenfolge. Zuerst wird es Brot und Backwaren treffen, denn Getreide ist besonders abhängig von Stickstoffdünger.

Wenn die Ernte 2027 schlechter ausfällt, wird es beim Bäcker und im Mehlregal sichtbar. Das betrifft auch Nudeln, Frühstücksflocken, Kekse oder Knäckebrot. Ein realistischer Zeitrahmen für spürbare Aufschläge ist Spätsommer 2027. Wenig später trifft es dann das Gemüse.

Vor allem stickstoffhungrige Sorten wie Kohl, Spinat, Salate oder Lauch. Hier kann der Effekt aber auch früher kommen, weil die Anbauzyklen kürzer sind. Produkte wie Fleisch, Milch, Eier, Käse oder Butter sind indirekt betroffen, weil die Tiere mit Getreide gefüttert werden. Wird Futtergetreide teurer und knapper, ziehen Fleisch- und Milchprodukte nach – allerdings mit einer Verzögerung von sechs bis zwölf Monaten.

Verarbeitete Lebensmittel wie Tiefkühlpizza, Fertigsuppen, Kekse, Schokolade, und Müsli würde es zuletzt treffen. Hier haben die Hersteller die längsten Lieferverträge und größten Lagerbestände. Deshalb wirkt sich die Krise am spätesten aus. Was nichts bringt, ist Hamstern.

Es gibt keinen akuten Mangel, und es wird zeitnah auch keinen geben. Wer jetzt zehn Säcke Mehl in den Keller stellt, hat in einem Jahr alte Mehlvorräte und keinen finanziellen Vorteil. Lebensmittel sind anders als Toilettenpapier 2020 – sie werden nicht plötzlich aus den Regalen verschwinden. Was hilft, ist, den Einkauf umzustellen, wenn der Preisaufschlag kommt.

Eigenmarken der Discounter geben Preisanstiege oft später und gedämpfter weiter als Markenprodukte. Saisonales Obst und Gemüse aus der Region bleibt häufig günstiger als Importware. Hülsenfrüchte – Linsen, Bohnen, Erbsen – sind nicht nur preisstabil, sondern brauchen sogar weniger Stickstoffdünger, weil sie ihn selbst aus der Luft binden. Auch ein höherer Anteil pflanzlicher Lebensmittel im Speiseplan ist ein Puffer, weil tierische Produkte später, aber stärker betroffen sein werden.

Was in Berlin als Preisaufschlag von einigen Prozent ankommt, ist andernorts eine existenzielle Bedrohung. Viele Länder im Globalen Süden beziehen große Teile ihres Stickstoffdüngers direkt aus dem Golf oder aus Werken, die dessen Gas nutzen. Schon moderate Düngerpreissteigerungen zwingen bäuerliche Betriebe, weniger zu düngen, warnt die Hilfsorganisation Brot für die Welt. Nach Angaben des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen könnten bis zu 45 Millionen Menschen zusätzlich hungern, sollte sich der Konflikt im Nahen Osten verlängern.

Eine Wiederholung des Schocks von 2022, als die Lebensmittelpreise zweistellig stiegen, ist nach aktueller Datenlage nicht das wahrscheinlichste Szenario. Die Weltbank rechnet damit, dass sich die Lage 2027 wieder entspannt, sofern die Lieferwege im Persischen Golf bis dahin funktionieren. Für Berlinerinnen und Berliner mit geringem Einkommen wird diese Krise – wie jede Lebensmittelinflation – härter als für andere. Wer Unterstützung braucht, sollte sich nicht scheuen, sie anzunehmen.

Die Tafeln in Berlin sind über das Stadtgebiet verteilt erreichbar, die Sozialberatungen der Wohlfahrtsverbände bieten kostenlose Budgetberatung an. Auch beim Jobcenter kann ein Anspruch auf höhere Leistungen entstehen, wenn die Lebenshaltungskosten dauerhaft steigen.

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