Es ist eine Erfindung mit Sprengkraft: Im Oktober 1866 entwickelt Alfred Nobel in Geesthacht das Dynamit. Seine Erfindung lässt er sich am 19. September 1867 patentieren.
Im Herbst 1866 experimentiert der schwedische Chemiker Alfred Nobel bei Geesthacht mit Sprengstoff en. Sein Versuchslabor hat er auf einem Kahn auf der Elbe eingerichtet, in sicherer Entfernung zu Häusern und Menschen.
Er will das hochgefährliche Nitroglycerin weiterentwickeln. Das ist zwar seit seiner Erfindung durch den Italiener Ascanio Sobrero 1847 für den damals florierenden Eisenbahn-, Straßen- und Bergbau in Europa und den USA unverzichtbar geworden. Aber das milchige Sprengöl ist schwer zu lagern und zu transportieren. Es explodiert schon bei kleinsten Erschütterungen oder Druck auf die Blechkanister und Weinflaschen, in die es für gewöhnlich abgefüllt wird.
Alfred Nobel lebte von 1865 bis 1873 in Geesthacht, bevor er sich als reicher Mann in Paris niederließ. Die Sprengkraft des Nitroglycerins ist enorm und die Schäden sind verheerend. In Stockholm hat Nobel wenige Jahre zuvor bei Versuchen sein Haus in die Luft gesprengt, sein Bruder Emil und vier Mitarbeiter kamen dabei ums Leben. Weil er deshalb in seiner Heimatstadt nicht mehr mit Nitroglycerin arbeiten darf, sucht er sich andere Standorte, an denen er mit dem Sprengstoff experimentieren kann.
Unter anderem eröffnet er in Hamburg eine Firma und findet am Geesthang bei Geesthacht ein geeignetes Gelände, auf dem er zusammen mit deutschen Geschäftspartnern eine Sprengstofffabrik mit 30.000 Mark Stammkapital gründet. Auf dem"Krümmel", wo später das Atomkraftwerk gebaut wird, sind anfangs 50 Arbeiter beschäftigt. Von hier ist es nicht weit zumEr wohnt selbst in einem Haus mit eigenem Labor auf dem 42 Hektar großen Fabrikgelände.
Die Produktionsanlagen und Lagerhallen mit Bottichen und Tanks liegen auf dem 42 Hektar großen Gelände weit verstreut. Sie sind von Erdwällen umgeben, um Schäden durch mögliche Explosionen zu begrenzen. Unfälle mit Nitroglycerin sind in der damaligen Zeit weltweit an der Tagesordnung: Im Dezember 1865 explodiert eine Korbflasche mit fünf Kilogramm Nitroglycerin vor einem Hotel in New York und beschädigt mehrere Gebäude. Im April 1866 brennt vor Panama ein Dampfer, der das Sprengöl geladen hat, und sinkt mit 47 Mann Besatzung.
Kurze Zeit später wird ein Lagerhaus in San Francisco zerstört, 14 Menschen sterben. Der Umgang mit dem gefährlichen Stoff ist aber auch zu sorglos, wie ein späterer Bericht offenbart:"Halb ausgelaufene, defekte Kanister wurden zugelötet, mit Sprengöl gefüllte Bohrlöcher mit zermahlenen Ziegelsteinen geschlossen und dieses Füllgut fest hinuntergestoßen.
" Als im Mai 1866 auch das Geesthachter Werk in die Luft fliegt, nimmt Nobel Versuche wieder auf, einen sichereren Sprengstoff zu entwickeln. Ob ihm der Zufall zu Hilfe kommt oder ob intensive Versuche der Grund sind, bleibt ungeklärt. Jedenfalls verbindet Nobel im Oktober 1866 auf seinem Elbkahn vorstammt und bisher als Dämmstoff für die Lagerung der Sprengölbehälter dient.
Es ist die Geburtsstunde des Dynamits, jenes elastischen, explosiven Stoffs, der nicht so leicht auf Erschütterungen reagiert und weitaus besser transportiert werden kann.
"Nobels Sicherheitspulver", wie es zunächst heißt, ist vielseitig in der Anwendung. Nobel füllt es in Pappröhren und versieht diese mit einem Zünder. Das Dynamit lässt Geesthacht boomen. Es entstehen eigens Siedlungen für die Arbeiter.
Viele Häuser sind noch heute gut erhalten. Dynamit ist aber auch knetbar und kann so besonders gut in Sprenglöcher eingepasst werden. Der Absatz steigt. In Geesthacht werden bald Hunderte Arbeiter eingestellt, die in werkseigenen Siedlungen wohnen.
Schulen und Straßen entstehen, der Ort wird an das Eisenbahnnetz angeschlossen. Einesiedelt sich in der Nähe an. Das kleine Bauerndorf an der Elbe entwickelt sich zu einem modernen Industriestandort, bis zumDynamit: Nützlich, aber auch eine tödliche Waffe Nobels Sprengstoffe werden beim Bau des Gotthard-Tunnels durch das Alpenmassiv ebenso eingesetzt wie beim Bau des Panama-Kanals. Da die Grundstoffe zur Dynamitherstellung äußerst explosiv sind, sind die Fabriken wie hier in Italien um 1888 mit Erdwällen umgeben und haben lose Dächer.
Er verdient ein ungeheures Vermögen, allein am deutsch-französischen Krieg 1870/71, in dem seine Firma beide Seiten beliefert, 31 Millionen Kronen. Nobel besitzt bald 355 Patente und 90 Fabriken in 20 Ländern.
Außerdem steigt er mit der größten Erdölraffinerie Russlands in die Petroleumindustrie ein, lässt Pipelines und Öltanker bauen. Aber nicht nur Industrie und Militär nutzen das gefährliche Dynamit, auch Attentäter schätzen es als tödliche Waffe. Terroristen sprengen den russischen Zaren Alexander während einer Kutschfahrt in St. Petersburg in die Luft. Kaiser Wilhelm I. entgeht nur knapp einer Dynamitexplosion.
Allein im Jahr 1892 werden in Europa mehr als 1.000 Attentate mit Dynamit ausgeführt.im selben Jahr das Prinzip der Abschreckung:"An dem Tage nämlich, an dem zwei Armeen in der Lage sein werden, sich gegenseitig in Sekundenschnelle zu vernichten, werden wohl alle zivilisierten Nationen vor einem Krieg zurückschrecken und ihre Truppen nach Hause schicken.
" Inkognito nimmt Nobel nun an Friedenskongressen teil, spendet Geld für pazifistische Organisationen und verfügt 1895, ein Jahr vor seinem Tod, dass mit dem größten Teil seines Vermögens eine Stiftung gegründet werden soll, die aus den Zinsen Preise verleiht an Menschen, die jeweils"im verflossenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen gebracht haben". So werden seit 1901 jedes Jahr am Todestag Alfred Nobels in Stockholm unter anderem die Preise für Chemie, Physik, Medizin und Literatur verliehen, in Oslo der Friedensnobelpreis für denjenigen,"der am meisten oder besten für die Verbrüderung der Völker gewirkt hat, für die Abschaffung oder Verminderung der stehenden Heere sowie für die Bildung und Verbreitung von Friedenskongressen.
"Zweiten Weltkrieg wird es extrem erweitert, Tausende von Zwangsarbeitern sind dort in drei Schichten eingesetzt. Am 7. April 1945 wird die Fabrik bombardiert und nach Heute befindet sich auf dem Gelände das inzwischen stillgelegte Atomkraftwerk Krümmel. Spuren des ehemaligen Dynamitwerks sind aber noch erhalten, etwa das Verwaltungsgebäude.
Der: Der Vater holt die Familie nach St. Petersburg. Alfred bekommt Privatunterricht mit Schwerpunkt Chemie und geht zudem als Maschinenbauer in die Lehre. : Er tritt eine zweijährige Studienreise an, die ihn unter anderem nach Paris, Italien, Deutschland und in die USA führt. Er beschäftigt sich intensiv mit den Forschungen der Chemie.
: Er mischt Nitroglycerin mit Kieselgur im Verhältnis 3:1. Die neue, stabile Substanz lässt er unter dem Namen"Dynamit" patentieren. Das Dynamit findet riesigen Absatz, vor allem als Kriegswaffe. Nobel wird zu einem reichen Mann.
: Alfred Nobel verordnet testamentarisch, den größten Teil seines Vermögens einer Stiftung zu übergeben. Aus den Zinserlösen sollen hochdotierte Preise für Bemühungen um das Wohl der Menschheit verliehen werden. Seit 1959 bereist die Bark die Weltmeere. Nach langer Sanierung kehrt das Schulschiff am 4.
Oktober 2021 in den Heimathafen Kiel zurück. Am 3. Oktober 1990 tritt die DDR der Bundesrepublik bei, die Wiedervereinigung ist vollendet. Um das Datum gab es viel Streit.
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