Seit Beginn des russischen Überfalls auf die Ukraine ringen viele Christen um ihre Haltung zu Waffenlieferungen. Was bedeutet das für den Pazifismus?
Evangelische Kirche:Die Christen und der Krieg Seit Beginn des russischen Überfalls auf die Ukraine ringen viele Christen um ihre Haltung zu Waffenlieferungen. Was bedeutet das für den Pazifismus?Friedrich Kramer, Pfarrerskind und friedensbewegt seit seiner Jugend in Wittenberg, kommt in den Saal, Papiere unter dem Arm. Der Raum, Balkendecke, viel Backstein, hat etwa achtzig Plätze und ist gut gefüllt, gesetztes Publikum, gepflegtes Auftreten, viel weißes Haar.
Friedrich Kramer, 58 Jahre alt, hat als junger Mann in der DDR den Militärdienst an der Waffe verweigert, war als „Bausoldat“ in Prora auf Rügen stationiert und musste in den 18 Monaten beim Bau des Hafens Mukran schuften. Bausoldaten waren nichts anderes als Zwangsarbeiter. Und jetzt bemächtigen sich Rechtsradikale Kramers Idealen.
Ja, die evangelische Kirche rede mehrstimmig, bekennt Friedrich Kramer. „Wir finden uns in Zerrissenheit wieder“, sagt er seufzend. Und immer wieder diese arg verkürzte Frage nach Waffen – ja oder nein? Er ist strikt dagegen und empfiehlt das Gebet um Frieden, Gespräche mit der Gegenseite und humanitäre Nothilfe, selbstverständlich ohne Waffen. „Die Waffen, die wir liefern, werden Tod bringen.
Da plötzlich steht ein Mann im Saal und stellt ihm, als wäre er der biblische Versucher, eine Falle: Was soll man tun, wenn einem Fünftklässler auf dem Schulhof von zwei Achtklässlern das Handy weggenommen wird? Kramer antwortet zunächst, die Eltern sollten informiert werden, keinesfalls jedoch sollte man Knüppel reichen. Dann aber weist er die Frage ab.
In Erfurt ruft das Symbol zum ökumenischen Friedensgebet, das hier jeden Donnerstag um fünf Uhr in der Lorenzkirche stattfindet. Friedensgebete, so hatte Kramer gesagt, seien ein Schatz der Kirche. Das bekannteste lädt montags in die Leipziger Nikolaikirche ein, das älteste aber in die Lorenzkirche in Erfurt. „Seit 1978“, sagt Dieter Oberländer. Mehr als ein halbes Leben lang ist er schon dabei.
Ist Oberländer, inzwischen über achtzig Jahre, selbst beständig? „Schwerter zu Pflugscharen ist eine hilfreiche Utopie, ein Zielgedanke“, beginnt er. „Aber was bedeutet das, wenn Menschenleben direkt bedroht sind?“ Jetzt müssten Leben gerettet werden, und das schließe Gewalt nicht aus. „Ich bin nicht gegen Waffenlieferungen“, formuliert er vorsichtig. Die Spirale der Gewalt könne allerdings nicht ins Unendliche weitergehen. „Wir sind jetzt mittendrin.
Sie hat sich aber auch mit den Mächtigsten im Staat angelegt, hat den Erniedrigten beigestanden, sie hat Feindesliebe verkündet und Pazifismus. Kurzum – sie hat Großes geleistet und Verachtenswertes getan. Es gibt Protestanten, die in sich beides vereinen. wochentazDieser Text stammt aus der wochentaz. Unserer Wochenzeitung von links! In der wochentaz geht es jede Woche um die Welt, wie sie ist – und wie sie sein könnte. Eine linke Wochenzeitung mit Stimme, Haltung und dem besonderen taz-Blick auf die Welt. Jeden Samstag neu am Kiosk und natürlich im Abo.
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