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Experte für autarkes Wohnen: „Intelligent verschwenden statt blöd sparen“

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Experte für autarkes Wohnen: „Intelligent verschwenden statt blöd sparen“
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Wärmepumpe? Überflüssig. 100 Prozent Autarkie? Wirtschaftlicher Unsinn. Energieexperte Timo Leukefeld erklärt im Interview, wie Häuslebauer vom ersten Tag an bares Geld sparen können.

Wärmepumpe? Überflüssig. 100 Prozent Autarkie? Wirtschaftlicher Unsinn. Energieexperte Timo Leukefeld erklärt im Interview, wie Häuslebauer vom ersten Tag an bares Geld sparen können.

Prof. Dipl. -Ing. Timo Leukefeld ist ein renommierter deutscher Energie- und Zukunftsexperte, Keynote-Speaker und Honorarprofessor, der als einer der führenden Pioniere auf dem Gebiet des energieautarken Wohnens undgilt. Die Bundesregierung ernannte ihn offiziell zum „Energiebotschafter“, da er bereits im Jahr 2010 das erste bezahlbare und vollständig energieautarke Haus Europas zur Marktreife entwickelte.

Mit seiner in Freiberg ansässigen Timo Leukefeld GmbH plant und realisiert er innovative Gebäude, die sich mithilfe moderner Solarstromtechnik, intelligenter Batterien und Infrarotheizungen weitgehend unabhängig vom öffentlichen Strom- und Wärmenetz versorgen. Im Interview mit der OAZ erklärt der Experte, worauf es beim autarken Wohnen ankommt. Geboren 1969 in Annaberg-Buchholz. Von 1990 bis 1996 Studium der Energetik an der TU Bergakademie Freiberg.

Seit 2012 Honorarprofessor ebenda und an der Staatlichen Studienakademie Glauchau. Für Autarkie gibt es keine wissenschaftliche Definition. Im Kern meint man natürlich eine maximale Unabhängigkeit von Energiebezügen von außen – und zwar bei Heizung, Warmwasser, Haushaltsstrom und dem Autofahren. Das sind die Bereiche, in denen Menschen heute Energiekosten haben.

Häuslebauer können vor allen Dingen auf die Sonne setzen. Das ist die einzige Technik, bei der man einmal bezahlt und von da an immer einen Nutzen hat. Voraussetzung ist natürlich ein solargeeignetes Haus mit einer möglichst unverschatteten Dachfläche, die zwischen Ost, Süd und West liegt. Ich würde auch immer eine Batterie empfehlen, weil sie einen wesentlich autarker macht.

Damit kann ich den Strom vom Tag über die Nacht bis zum nächsten Morgen speichern und habe bei Stromausfall meinen eigenen Energievorrat. Das Stichwort „Dunkelflaute im Winter“ lässt viele zweifeln. Kann man 100 Prozent Autarkie erreichen? Technisch ist das möglich, aber wirtschaftlich Unsinn.

Um 100 Prozent Autarkie zu erreichen, bräuchte man extrem teure und komplexe Systeme, etwa eine Wasserstofflösung mit Elektrolyseur, Speicher und Brennstoffzelle. Da sind Sie bei einem Einfamilienhaus schnell bei 150.000 Euro nur für das Haustechnikpaket und haben Unmengen an Wartung vor sich. Man kann auch, wie ich es früher gemacht habe, eine riesige „Thermoskanne“, einen 9000-Liter-Wasserspeicher, ins Haus integrieren. Aber das geht nur im Neubau.

Wir planen Häuser mit einem Autarkiegrad von etwa 50 Prozent. Das ist ein Optimum. Alles darüber hinaus unterliegt dem Prinzip des abnehmenden Grenznutzens. Unser Ansatz ist: intelligent verschwenden, anstatt blöd zu sparen.

Wir verzichten auf teure, komplexe und störanfällige Haustechnik wie Wärmepumpen oder Wasserheizungen. Stattdessen setzen wir wartungsfreie Infrarotheizungen ein, die 30 Jahre halten und nur viel weniger kosten. Das viele Geld, das man dadurch spart, investieren wir lieber in mehr Photovoltaik und eine Batterie. Damit erhält man ein wartungsfreies Haus, erreicht 50 Prozent Autarkie und kauft nur noch wenig Energie zu.

Projekte, bei denen die Bewohner durch exzessives Lüften oder andere Verhaltensregeln einer Art „Selbstversklavung“ unterliegen, lehne ich rundweg ab. Wohnen muss mit Lebensqualität gekoppelt sein. Ein häufiges Vorurteil bei hochgedämmten Häusern ist die Schimmelgefahr. Wie sehen Sie das?

Dieses Problem entsteht oft bei falsch montierten Dämmmaterialien oder falschem Lüftungsverhalten. 80 Prozent unserer Kunden arbeiten nicht mit Styropor, sondern bauen mit monolithischen Wänden, also dicken Ziegelwänden, wie es schon unsere Großeltern taten. Eine dicke Ziegelwand dämmt hervorragend, und da schimmelt eben auch nichts. Sie erwähnten den Verzicht auf Wärmepumpen. Stattdessen setzen Sie auf Infrarotheizungen.

Was ist das genau? Eine Infrarotheizung ist eine Strahlungsheizung, wie man sie vom Kachelofen, einem Lagerfeuer oder der Sonne kennt. Sie wird als Paneel an der Decke montiert und ersetzt die gesamte konventionelle Heizung. Anstatt die Luft zu erwärmen, erwärmt sie die Oberflächen im Raum – Wände, Tisch, Fußboden.

Dadurch gibt es keine kalten Flächen mehr, was die Behaglichkeit enorm steigert. Ein weiterer Effekt: Da keine Luftzirkulation zur Wärmeverteilung nötig ist, gibt es praktisch keinen aufgewirbelten Staub mehr. Das haben uns Bewohner, die Allergiker sind, zurückgespiegelt. Nein, es gibt gar keinen Kostenunterschied mehr.

Eine fertig montierte Wärmepumpenheizung ist ungefähr viermal so teuer wie eine Infrarotheizung. Wir sparen also bei der Heizungstechnik rund drei Viertel der Kosten ein. Dieses Geld nehmen wir und investieren es in mehr Photovoltaik und einen Akku. Unterm Strich ist es ein Nullsummenspiel.

Ein Haus mit Wärmepumpe und ein bisschen Photovoltaik hat den gleichen Preis wie ein Haus mit Infrarot, viel PV und einem Akku. Sie rechnet sich vom ersten Tag an. Da die Baukosten identisch sind, aber das Haus mit viel Photovoltaik unterm Strich sparsamer ist als das Wärmepumpenhaus, gibt es keinen klassischen Break-even-Point in der Zukunft. Man spart sofort.

Gerade bei Mehrfamilienhäusern entfaltet es sein volles Potenzial. Dort gehen wir auf 50 Prozent Autarkie, um eine Pauschalmiete mit Energieflatrate anbieten zu können. Der Vermieter kann die Energie für etwa 6 Cent pro Kilowattstunde erzeugen. Er nimmt dem Gas- und Stromversorger das Geld weg, das sonst vom Mieter dorthin fließt.

Er kann es dem Mieter günstiger anbieten, behält aber einen Teil der Marge selbst. Unterm Strich kann der Vermieter so zwei bis drei Euro pro Quadratmeter mehr Mieteinnahmen generieren, obwohl es für den Mieter günstiger wird. Auch die Heizkostenabrechnung entfällt. Eine echte Win-win-Situation.

Absolut. Zudem werden Stromspeicher immer wichtiger, da unsere Stromnetze durch die verfehlte Energiewende am Rande des Kollapses stehen. Es werden händeringend Speicherkapazitäten gesucht, um Lastspitzen auszugleichen. Wir bauen heute schon viermal so große Speicher in unsere Mehrfamilienhäuser ein, wie für 50 Prozent Autarkie nötig wären.

Wer Speicherkapazität besitzt, kann diese künftig an Energieversorger „verleihen“ und damit Geld verdienen. Ein Batteriespeicher wird zur Einnahmequelle, selbst ohne eigene Photovoltaikanlage. Oft wird das Elektroauto als Teil der Lösung propagiert, dessen Akku als Hausspeicher dient. Ist das realistisch?

Das ist Quatsch und wird sich in der Masse nicht durchsetzen. Das sind schöne Ideen von Forschungsinstituten, die dafür Gelder bekommen. Aber in der Praxis scheitert es: Wer zahlt die Wertminderung des Auto-Akkus durch die ständigen Lade- und Entladezyklen? Und wer hat Lust, jeden Tag exakt zu planen, wie viele Kilometer er am nächsten Tag fahren wird, damit das Auto nicht zu tief entladen ist?

Das ist für die breite Masse untauglich. Ja, das lohnt sich. Wir haben dafür extra eine kostenlose Bauanleitung unter www.oma-merenke.de veröffentlicht. Der Ansatz ist: Die 15 Jahre alte Gasheizung bleibt drin.

Es ist ökologischer Irrsinn, eine funktionierende Heizung rauszuschmeißen. Stattdessen kommt eine PV-Anlage aufs Dach, eine Batterie in den Keller und ein Elektroheizstab in den Warmwasserboiler. Dieser nutzt nur den überschüssigen Solarstrom. Zusätzlich installiert man Infrarotpaneele in den Kernräumen wie Stube, Bad und Küche.

In der Übergangszeit heizt man diese Räume mit überschüssigem Solarstrom. Der alte Gaskessel läuft dann nur noch an wenigen Wochen im tiefsten Winter für die Spitzenlast. Mit diesem Paket, das weitaus günstiger ist als eine neue Wärmepumpe, kann man locker 40 Prozent Autarkie erreichen und spart etwa das Dreifache an Energiekosten und CO₂ ein. Um die 15.000 bis 20.000 Euro kostet das.

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