Flávio Bolsonaro, ältester Sohn des wegen eines geplanten Staatsstreichs verurteilten Ex-Präsidenten Jair Bolsonaro, will bei der brasilianischen Präsidentschaftswahl gegen Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva antreten. DerSenator aus Rio de Janeiro profitiert vor allem vom bolsonaristischen Familiennamen und hat in Umfragen zuletzt aufgeholt. Nach dem Rückzug der Kandidaten von einer zunächst geplanten Fernsehdebatte,kämpfen beide Seiten nun um die Stimmen von rund 160 Millionen Wahlberechtigten. Die Wahl gilt als eng umkämpft, während Bolsonaro-Unterstützer den politischen Wechsel als entscheidend für die Zukunft Brasiliens darstellen.
Wie Jair Bolsonaro, so Flávio? Der Sohn des Ex-Präsidenten will Lula da Silva in Brasilien s Präsidentenamt ablösen. Der Sohn des verurteilten Ex-Präsidenten Jair Bolsonaro an die Macht.
Bei Brasiliens Präsidentschaftswahl will er sich unter anderen gegen Staatschef Lula da Silva durchsetzen. Der sei ein Komplize krimineller Gruppen, meint eine Bolsonarista. Alles war angerichtet für ein Spektakel im Live-TV. Am Donnerstag sollten sich die Kandidaten der brasilianischen Präsidentschaftswahl im Sender Globo gegenüberstehen.
Doch dann kam alles ganz anders. Zunächst sagte Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva ab. Wenige Stunden vor Beginn zog auch sein wichtigster Herausforderer Flávio Bolsonaro zurück. Nach zwei gerichtlichen Entscheidungen strich der Sender die TV-Debatte aus dem Programm.
Stattdessen lief eine Telenovela.. Die beiden kämpfen um jede Stimme. Es dürfte denkbar knapp werden, wenn am Sonntag knapp 160 Millionen Wahlberechtigte ihre Stimme abgeben. Lange führte Lula in den Umfragen mit deutlichem Abstand.
Doch zuletzt hat Flávio Bolsonaro aufgeholt. Wer ist dieser Mann, der Präsident der größten Volkswirtschaft Lateinamerikas werden könnte? Der Senator aus Rio de Janeiro punktet vor allem mit einer Sache: seinem Familiennamen. Er ist der älteste Sohn des Ex-Präsidenten Jair Bolsonaro.
Dieser wurde aufgrund eines geplanten Staatsstreiches - inklusive des Plans, Amtsinhaber Lula zu ermorden - zu 27 Jahre Haft verurteilt. Nach brasilianischem Recht ist er von Wahlen ausgeschlossen. Deshalb soll es nun "01" richten, wie Bolsonaro seinen ältesten Spross in militärischer Tradition nennt. Natalia de Oliveira, 34 Jahre feuerrote Haare, tätowierte Arme, hat ihre Entscheidung schon getroffen - sie wird für Flávio stimmen.
De Oliveira ist auf die Avenida Paulista gekommen, São Paulos bekannteste Straße, um für ihren Kandidaten zu werben. Für sie stehe bei dieser Wahl nichts weniger als die Zukunft Brasiliens auf dem Spiel. Unter Lula habe sich das Land zu einem "Narco-Staat" verwandelt, meint sie. Lula sei ein Komplize krimineller Gruppen.
Das glauben viele Bolsonaro-Wähler, obwohl es dafür keine Beweise gibt. Die 34-jährige Nathalia de Oliveira mit "Lula raus"-T-Shirt sagt, sie werde für Flávio Bolsonaro stimmen. . Ein großer Teil der Bevölkerung befürwortet eine härtere Gangart gegen kriminelle Organisationen.
Flávio Bolsonaro will Megagefängnisse nach salvadorianischem Vorbild errichten und für Sexualstraftäter die chemische Kastration einführen. Damit trifft er einen Nerv. Dennoch bleibt die große Begeisterung für Flávio Bolsonaro aus. Ihm gelingt es nicht, ein Momentum wie im Jahr 2018 zu schaffen.
Damals löste sein Vater, "Mythos" von seinen Anhängern gerufen, eine zuvor nie gesehene Begeisterung für einen rechten Kandidaten aus. Er zog mit seinen ständigen Provokationen, Gewaltfantasien und seiner authentischen Art eine fast schon sektenartige Verehrung auf sich. Bolsonaro Junior gilt vielen eingefleischten Bolsonaristen als zu moderat.
"Der stets gestriegelte Flávio mit seinem elitären Duktus vermag nicht an die Instinkte des Durchschnittsbrasilianers zu appellieren", meint David Magalhães, Professor für Internationale Beziehungen an der Bundesuniversität von Uberlândia, im Gespräch mit ntv.de.. Das passt nicht zu dem Saubermann-Image, das das Bolsonaro-Lager zu vermitteln versucht. Dass er dennoch Chancen auf einen Wahlerfolg hat, liegt laut Magalhães vor allem an der Ablehnung Lulas. Auch der 80-Jährige ist seit Jahren mit Korruptionsvorwürfen konfrontiert.
Vieles deutet auf einen Showdown am 25. Oktober hin, heißt: auf eine Stichwahl zwischen Lula und Bolsonaro. Für Maicon Michel da Silva, 50 Jahre, lange Dreadlocks, wäre eine Rückkehr der extremen Rechten "eine Katastrophe für die Arbeiterschaft und die Umwelt". Er glaubt, dass der Kandidat seinem Vater nacheifern, staatliche Kontrollinstrumente zerschlagen und hart gegen soziale Bewegungen vorgehen würde.
Da Silva ist Gewerkschafter und arbeitet in der Montage bei Mercedes. Er sitzt im Büro der Metallarbeitergewerkschaft in São Bernardo do Campo, einer Industriestadt vor den Toren São Paulos. An den Wänden hängen Fahnen linker Ikonen: Che Guevara, Rosa Luxemburg - und natürlich Lula. Hier begann der amtierende Präsident in den 1970er-Jahren seine politische Karriere.
Maicon da Silva, der Lula persönlich kennt, sieht durchaus einige Fortschritte seiner Regierung: den höheren Mindestlohn etwa und den Ausbau der Sozialhilfe Bolsa Família. Auch die Wirtschaftszahlen fallen insgesamt besser aus, als es die politische Debatte vermuten lässt. Die. Doch ein konservativ geprägter Kongress blockiere viele Initiativen der Regierung, meint da Silva.
Bei der anstehenden Wahl zeichnet sich ein weiterer Rechtsruck ab. Neben dem Präsidenten werden auch das Parlament und die Gouverneure der Bundesstaaten gewählt. Für da Silva geht es um mehr als die Entscheidung zwischen zwei Männern. Es geht für ihn auch um die Frage, ob Brasilien weiterhin souverän seinen eigenen Weg gehen kann.
Besondere Sorgen bereitet ihm die Nähe des Bolsonaro-Lagers zu US-Regierung von Donald Trump, der einen Zollkonflikt mit Brasilien angeheizt und dem Land mehrfach offen gedroht hatte. Für den US-Präsidenten wäre ein Wahlsieg Bolsonaros ein wichtiger außenpolitischer Erfolg. Ein Großteil Südamerikas wäre dann rechten Regierungen geführt. Angst macht dem Gewerkschafter da Silva aber auch, was im Fall eines Wahlsiegs Lulas passieren könnte.
"Ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass sie erneut versuchen könnten zu putschen. " Viele Analysten bezweifeln, dass Flávio Bolsonaro eine Niederlage ohne Weiteres akzeptieren würde. Das Lager setzt auf eigene Wahlkontrolleure, die den Ablauf der Abstimmung und
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