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Fotokunst gegen das Vergessen und als Mahnung: Was am heutigen Antisemitismus schockiert

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Fotokunst gegen das Vergessen und als Mahnung: Was am heutigen Antisemitismus schockiert
NS-Verfolgung20260519 Luigi ToscanoGegen Das Vergessen

'Gegen das Vergessen' heißt das multimediale Erinnerungsprojekt des deutsch-italienischen Fotografen und Filmemachers Luigi Toscano. Seit 2014 trifft und porträtiert er dafür weltweit Überlebende der NS-Verfolgung. Nun hat der 54-Jährige in Hamburg gegen das Vergessen fotografiert.

Hunderte von Begegnungen hat es bereits gegeben - in Deutschland, Österreich, der Ukraine, Russland, Israel, den Niederlanden, USA oder Belarus. Für sein Holocaust-Gedenkprojekt fliegt Toscano um die Welt.

Gerade war er noch in St. Louis, wo er insgesamt drei Ausstellungen hatte, jetzt ist der Deutsch-Italiener in Hamburg. Ein weiteres Bild gegen das Vergessen - jenes von Eva Umlauf, der Vorsitzenden des Auschwitz-Komitees - soll in der Hansestadt hinzukommen. Mehr als 600 Menschen hat der Sohn sizilianischer Gastarbeiter, der einst über einen VHS-Kursus mit der Fotografie in Berührung kam, bereits porträtiert.

"Es sind Fotos, die schon an verschiedenen Orten auf der Welt waren. In New York bei den Vereinten Nationen, in Washington, in Paris bei der UNESCO", sagt Toscano. Zuvor ist der Mannheimer auf Spurensuche in der für ihn fast fremden Stadt. Sie ist reich an jüdischer Geschichte.

In der Innocentiastraße im Stadtteil Harvestehude hält er vor einem Haus inne und blickt auf die zahlreichen Stolpersteine im Gehweg. Selig Cahn wurde als Jude verfolgt und ermordet. Eine bedrückende Wahrheit, die bei seinem Fußballclub lange Zeit unbeachtet geblieben ist.

"Benjamin Sarfaty, Ruth, Israel, Abraham. Das muss man sich einfach noch mal vor Augen halten: Warst du Jude, warst du tot! Du warst niemand in dem Moment. Du warst dann am Ende", so Toscano.

"Das haben mir auch einige Überlebende erzählt, die im Konzentrationslager waren. Du warst einfach nur noch diese Nummer - sonst warst du nichts mehr.

"Luigi Toscano an der Erinnerungsstätte des Hannoverschen Bahnhofs in der Hamburger HafenCity. Die Spurensuche führt Toscano ins Grindelviertel. Hier stand die größte Synagoge der Stadt, hier prägten viele Jüdinnen und Juden das kulturelle Leben.

"Die jüdische Kultur hat hier einen vielfältigen Raum eingenommen in Deutschland - allein in der Literatur oder in der Kunst", sagt Toscano. Seine Fotokunst richtet sich gegen das Vergessen, genau wie seine Gedanken.

"Der Antisemitismus ist nie verschwunden, auch heute nicht. Und was mich so schockt, ist, dass dieser Antisemitismus auch aus der linken Richtung kommt. Klar kann ich verstehen, dass da eine Wut aufgrund des Nahostkonfliktes entsteht, aber das dann so zu bewerten, finde ich schwierig.

" In der Hamburger Hafencity sind noch die Gleise und der Bahnsteig des Hannoverschen Bahnhofs erhalten, Von hier aus wurden in 20 Transporten mehr als 8.000 Jüdinnen und Juden, Sinti und Roma aus Norddeutschland in Ghettos, Konzentrations- und Vernichtungslager verschleppt. "Du musst dir vorstellen: Du wirst verhaftet, du wirst abgeführt und kommst gleich in so einen Transporter rein. " Sein großes Anliegen:"Ich möchte darauf hinweisen, dass wir einfach nicht vergessen dürfen, was passiert ist.

Denn ich habe den Eindruck, was hier in Deutschland passiert oder auf der ganzen Welt - das geht in die Richtung, dass gerade ganz vieles schief läuft.

"In Hamburg wird der Preis am Holocaust-Gedenktag an junge, engagierte Menschen verliehen. Benannt ist er nach dem Roman des Schriftstellers Ralph Giordano.

"Gegen das Vergessen" - Fotografien von Holocaust-Überlebenden Mehr als 600 Menschen hat Luigi Toscano für sein Erinnerungsprojekt bereits porträtiert. In Hamburg spürte er auch der jüdischen Geschichte nach.

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