Die Polin Maja Chwalinska erreicht bei den French Open in Paris als Qualifikantin das Halbfinale. data-manual=googleTeaserText
„Jedes Match, das ich spiele, ist verrückt. Ich bin so dankbar“: Maja Chwalinska nach ihrem Viertelfinalsieg bei den French Open. Maja Chwalinska erreicht als Qualifikantin die Runde der letzten Vier – das gab es zuvor seit 1968 nur einmal.
Nicht nur deshalb ist ihre Geschichte speziell: 2021 nahm sie eine Auszeit vom Tennis. aja Chwalinska stand vor dem Mikrofon, das riesig vor ihr aussah und sie fast verdeckte. Bei ihrer Körpergröße von 1,64 Meter kein Wunder. Die frühere französische Spitzenspielerin Caroline Garcia fragte sie beim Interview auf dem Platz im Court Philippe-Chatrier, dem mächtigen Hauptstadion der, zunächst nach ihren Emotionen. Chwalinskas Augen leuchteten.
„Ehrlich gesagt, weiß ich nicht, was gerade passiert“, sagte sie und sah so verblüfft aus, wie sie klang. „Jedes Match, das ich spiele, ist verrückt. Ich bin so dankbar.
“ An diesem Mittwochmittag, im Viertelfinale gegen die deutlich erfahrenere, gestandene Gegnerin Anna Kalinskaja, 27, aus Russland, hatte die 24 Jahre alte Polin ihren wundersamen Siegeslauf fortgesetzt. Im Halbfinale trifft sie am Donnerstag indes nicht auf die Weltranglistenerste Aryna Sabalenka. Die Belarussin verlor ihrerseits überraschend mit 6:3, 5:7, 0:6 gegen die 22-jährige Russin Diana Schnaider. Dabei hatte Sabalenka im zweiten Satz mit 4:1 und 5:3 geführt.
Chwalinska gewann ihr achtes Match hintereinander. Sie musste sich ja erst einmal, als 114. der Weltrangliste, durch die Qualifikation rackern mit drei Siegen, ehe fünf weitere im Hauptfeld folgten. Und plötzlich hat das Frauenturnier in Paris eine Überraschung der ganz besonderen Art. Chwalinska stellte das beste Ergebnis einer Qualifikantin seit Beginn des Profitennis 1968 ein.
Vor sechs Jahren hatte die Argentinierin Nadia Podoroska die gleiche Erfolgsstrecke zurückgelegt. Im Interview auf dem Platz sagte Chwalinska, sie wolle nur gegen die Besten gut spielen. Als sie ergänzte: „Ich kann mich nicht mit ihnen vergleichen“, erwiderte Garcia zu Recht: „Aber du gehörst doch hier zu ihnen.
“ Für Chwalinska fühlt sich das alles fremd an. Angesichts ihrer Geschichte ist das nur allzu verständlich. Nichts dergleichen hatte sich angebahnt. Sie zählte noch nie zu den 100 besten Spielerinnen im, dabei ist sie seit 2025 Profi.
In ihrer Jugend galt sie als vielversprechendes Talent, doch bei den Erwachsenen ist der Überlebenskampf härter, einsamer manchmal auch. Das führte auch dazu, dass sich Chwalinska 2021 für vier Monate von ihrem Sport zurückzog. Sie litt an Depressionen.
„Die Auszeit war nicht besonders hart“, sagte sie am Mittwoch. „Die harten Momente lagen vor der Auszeit. Ich hatte sehr zu kämpfen.
“ Sie umschrieb diesen Kampf so: „Ich habe am Anfang gepusht. Ich dachte, ich müsste einfach ganz stark und hart bleiben und einfach immer weiterüben. Ja, aber dann kam ich einfach nicht mehr aus dem Bett. Ich war, ehrlich gesagt, einfach völlig leblos.
“ Es ging erst wieder aufwärts, als sie zu ihren Eltern zog, sich mit alten Freunden umgab, sie ließ sich von Experten therapieren. Auch dass sie ihr Schicksal öffentlich machte, habe ihr geholfen, sagte sie in einem Interview der WTA Tour einmal. Sie hätte gemerkt: Es gibt da draußen auch andere Betroffene. Kurzzeitig lenkte sich Chwalinska mit Laufen und Boxen ab.
Aber ihr früherer Tennisklub war in der Nähe, so kehrte sie auf den Platz zurück. Die sozialen Medien meidet sie bis heute weitgehend. Naomi Osaka und Aryna Sabalenka spielen bei den French Open eine Night Session. In Paris keine Selbstverständlichkeit, sondern noch immer ein Politikum – über das nun wieder debattiert wird.
Dass Chwalinska in Paris eine Gegnerin nach der anderen regelrecht entnervte, liegt zweifellos an ihrem Spielstil. Sie ist Linkshänderin, was von Vorteil ist, die meisten spielen mit rechts und kommen mit Schlägen von Linkshänderinnen weniger klar.
„Es war heute sehr knifflig“, sagte später Kalinskaya und gab zu, dass sie in manchen Momenten sogar „frustriert“ gewesen sei. Chwalinskas Spiel ist zudem wirklich speziell, sie variiert ständig, schlägt die Bälle mit Unterschnitt, dann kommt ein Schuss, dann der Stopp, dann der Crossball. Sie, die sich früher selbst gestresst fühlte, stresst jetzt die anderen.
„Das ist einfach mein Spiel“, sagte sie nach ihrem Sieg gegen Kalinskaya. „Ich versuche lediglich, den Rhythmus häufig zu wechseln. Ich habe das Gefühl, dass es ziemlich schwierig ist, gegen diesen Spielstil anzutreten, weil man selbst keinen Rhythmus findet und extrem konzentriert bleiben muss – denn jeder Ball kann anders sein.
“ Und, ja, ihr sei „bewusst, dass das für andere Spieler sehr nervig sein kann“. Aber das ist ja auch ihre Absicht: zu nerven. Und es rieben sich nicht gerade die Unbekanntesten gegen sie auf. Chwalinska besiegte Olympiasiegerin Qinwen Zheng aus China, die Belgierin Elise Mertens, die Griechin Maria Sakkari und Frankreichs Hoffnung Diane Parry.
Da Chwalinska an diesem Donnerstag bereits ihr Halbfinale gegen die Weltranglisten-23. Schnaider bestreitet, hat sie kaum Zeit, lange über alles nachzudenken. Vielleicht sagte sie deshalb auch Erstaunliches: „Ich habe gar nicht das Gefühl, dass dies ein riesiger, gewaltiger Moment für mich ist.
“ Dabei ist es ja so: Zwei weitere Siege, und sie hätte das geschafft, was bislang nur Emma Raducanu gelang. Die Britin gewann als Qualifikantin ein Grand-Slam-Turnier, 2021 bei den US Open in New York. Ein wenig müde fühle sie sich, sagte Chwalinska, aber sobald sie den Platz betrete, sei alles eine „ganz andere Geschichte“. Denn sie wisse jetzt: „Es wird alles gut werden.
“Björn Borg war der erste Popstar des Tennis, bis er abrupt die Karriere beendete und privat wie beruflich abstürzte. Im Interview spricht der bald 70-Jährige über lauernde Fans in Hotels, Kokainnächte in New York, zwei Nahtoderfahrungen – und darüber, wie er sein Glück wiederfand.
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