Das Bundesprogramm 'Integration durch Sport' plant eine Kürzung um zehn Prozent, was auch Auswirkungen auf das Fußballprojekt für junge Geflüchtete hat.
Fördert den Zusammenhalt, soll aber finanziell nicht mehr gefördert werden: Fußball für junge Geflüchtete Foto: Felix Kästle/dpa Der Montag gilt gemeinhin nicht als besonders beliebter Wochentag. Das ist bei vielen Bewohner: innen eines Übergangswohnheims für Geflüchtete im Bremer Uni-Viertel anders.
Ungefähr 50 der insgesamt 500 Bewohner:innen treffen sich am späten Nachmittag auf einem Sportplatz der Uni zum Fußballspielen – Kinder und Erwachsene, Männer und Frauen, angeleitet von drei ehrenamtlichen Trainer:innen. Organisiert wird dieses Angebot vom FC Riensberg 11, dem kleinsten Sportverein Bremens, der vor zwölf Jahren von ein paar Freunden gegründet wurde. „Wir haben keine eigene Anlage und mieten die Plätze bei der Uni“, sagt der Vereinsvorsitzende Ingo Brüning der taz. „Je mehr Mannschaften wir haben, desto mehr müssen wir bezahlen.“ Die Platzmiete und die Sachkosten für die wöchentliche 90-Minuten-Einheit der Geflüchteten werden bislang über das Bundesprogramm „Integration durch Sport“ finanziert. Genauso wie das samstägliche Mixed-Team aus Männern und Frauen und ab nächstes Jahr ein geplantes Inklusions-Team. Doch plötzlich stehen Fragezeichen hinter diesen Projekten. Der Sporthaushalt im Bundesministerium des Innern und für Heimat sieht nach aktuellen Planungen eine Kürzung um rund zehn Prozent vor. Betroffen wäre auch das Programm Integration durch Sport. „Wenn man dem Sport die gesellschaftspolitische Bedeutung des Miteinanders zuweist, dann passt es nicht, wenn man an dieser Stelle die Gelder kürzt – das gilt für den Bundes- und den Landeshaushalt“, sagt die Vorsitzende des Landessportbundes Bremen , Eva Quante-Brandt der taz. Das LSB-Präsidium hat den Bremer Senat aufgefordert, sich dafür einzusetzen, dass alle den Sportbereich betreffenden Kürzungen im Bund nicht umgesetzt werden. Zu denen gehören auch geplante Einsparungen bei den Freiwilligendiensten. Bastion des gesellschaftlichen Zusammenhalts Im Breitensport trifft eine auf Kante genähte Finanzierung auf immer größere Ansprüche von außen. Er gilt als eine der letzten Bastionen des gesellschaftlichen Zusammenhalts, während ringsum neue Gräben aufreißen – und während er selbst durch bröckelndes ehrenamtliches Engagement, Corona und Energieverteuerung zusätzlich gebeutelt wurde. „Eine Kürzung wäre für uns eine Katastrophe“, sagt Ingo Brüning. „Es geht doch darum, möglichst viele Menschen zum Sport zu bewegen. Die Leidtragenden wären die Teams, die wir gerade aufgebaut haben.“ Mit welch provisorischen Mitteln die Sportvereine schon jetzt für ihre gesellschaftliche Mammutaufgabe ausgestattet sind, zeigen die möglichen Folgen der geplanten Kürzungen bei den Freiwilligendiensten. In Niedersachsen sorgen im Moment rund 800 und in Bremen 54 Freiwillige in Sportvereinen dafür, dass der Betrieb aufrechterhalten wird. Davon würden in Niedersachsen ca. 200 und in Bremen 16 Stelle wegfallen – eine Situation, die der LSB Niedersachsen als „dramatisch bezeichnet.“ Die Sportministerkonferenz hat den Bund inzwischen einstimmig aufgefordert, die Kürzungen in diesem Bereich zurückzunehmen. In Bremen kommt hinzu, dass die vor Kurzem vorgelegten Eckwerte für den Doppelhaushalt 2024/2025 ebenfalls globale Minderausgaben beinhalten. „Wenn der Bremer Sporthaushalt in der Form gekürzt wird und man sich nicht an die Zielsetzungen des Koalitionsvertrages hält, dann steht der organisierte Sport mit dem Rücken zur Wand“, sagt Quante-Brandt. Der Koalitionsvertrag zwischen SPD, Grünen und Linken sieht unter anderem Verbesserungen im Bereich der ehren- und hauptamtlichen Übungsleiter:innen vor. Wie das mit weniger Mitteln geleistet werden soll, ist schleierhaft. Gar nicht in den aktuellen Haushaltsplanungen berücksichtigt ist das laufende Projekt des Landessportbundes zur Prävention vor sexualisierter Gewalt. „Das wäre ein fatales gesellschaftspolitisches Signal vor dem Hintergrund all der Fälle, von denen wir wissen“, sagt Quante-Brandt. Auf Nachfrage beim Senat wird sich der Senator für Inneres und Sport „dafür einsetzen, dass die Finanzierung des Projektes ermöglicht wird.“ Finanzierung ist ein Flickenteppich Sportvereine finanzieren ihre Arbeit neben Mitgliedsbeiträgen und Sponsorengeldern über einen Flickenteppich unterschiedlichster Projektförderungen. Die müssen entdeckt, beantragt, sachgemäß verwendet, abgerechnet und nachgewiesen werden. Nur Großvereine können sich dafür hauptamtliche Mitarbeiter:innen leisten. Die anderen will der Landessportbund in Zukunft intensiver beraten und unterstützen und fordert dafür eine bessere personelle Ausstattung der Geschäftsstelle. Die sei auch nötig, um die Bremer Sporthallen künftig effektiver zu managen, so Quante-Brandt. Bislang wird der dafür zuständige LSB erst informiert, wenn eine Halle geschlossen werden muss.
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