Gefahr vor der EM ist hoch: Wie die IS-Terroristen in Deutschland operieren

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Schwer bewaffnete Männer schießen wehrlose Besucher in der Crocus City Hall im Moskauer Vorort Krasnogorsk nieder. Bei den Attentätern soll es sich um zentralasiatische Tadschiken handeln. Nach FOCUS-online-Informationen reisen die Dschihadisten mit falschen Papieren oder Fluchtgeschichten verstärkt nach Deutschland ein.

Die Bilder wirken verstörend. Schwer bewaffnete Männer schießen wehrlose Besucher in der Crocus City Hall im Moskauer Vorort Krasnogorsk nieder. Bei den Attentätern soll es sich um zentralasiatische Tadschiken handeln.

Nach FOCUS-online-Informationen reisen die Dschihadisten mit falschen Papieren oder Fluchtgeschichten verstärkt nach Deutschland ein, um Asylanträge zu stellen. Hinter dem Anschlag mit 137 Toten steckt offenbar die Terror-Miliz „Islamischer Staat in der Provinz Khorasan“ . Der afghanische Ableger gilt nach dem Niedergang der IS-Zentrale in Syrien und im Irak als einer der einflussreichsten Organisationen im Terror-Netzwerk. Die laut den deutschen Sicherheitsbehörden auf etwa 2500 Kämpfer geschätzte Filiale am Hindukusch dominieren nach FOCUS-online-Informationen pakistanische, afghanische und zentralasiatische Dschihadisten.und Deutschland zu tragen. Thomas Haldenwang, Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, warnte davor, dass „die Anschlagsgefahr so hoch ist wie lange nicht mehr“. So rufen die selbst ernannten Kalifats-Brigaden zu Anschlägen gegen „die Kreuzritter und Juden“ auf. Laut einem internen Bericht des Bundeskriminalamts zum ISPK „bleibt der Gefährdungsaspekt für Deutschland hoch“. Insbesondere vor der anstehenden Fußballeuropameisterschaft im eigenen Lande im Sommer. Derzeit spielt die Anti-Terrorabwehr alle möglichen Anschlagsszenarien durch. Sei es mittels ferngelenkter Drohnen oder Modellbauautos, oder mit Attacken auf dem Weg zum Stadion - wie zuletzt durch die tödlichen Schüsse auf zweiKürzlich erst hatte NRW-Innenminister Herbert Reul die Sicherheitsbehörden von Bund und Ländern aufgefordert, die Anschlagsgefahr in Deutschland durch Islamisten aus Zentralasien stärker in den Blick zu nehmen. Das geht aus einem Schreiben-Politikers an die Innenministerkonferenz hervor, das der „Kölner Stadt-Anzeiger“ veröffentlichte. Aufgrund des „hohen abstrakten Gefährdungspotenzials, auch im Zusammenhang mit der Fußball-Europameisterschaft“, sei eine Befassung der IMK mit dem Thema bei der Frühjahrstagung dringend erforderlich, heißt es. In den vergangenen Jahren hätten die deutschen Sicherheitsbehörden in mehreren Ermittlungskomplexen festgestellt, „dass vermehrt islamistisch-terroristische Personen aus dem zentralasiatischen Raum“ in Deutschland agieren würden. Dabei handele es sich um Personen aus Tadschikistan, Kirgisistan, Usbekistan und Turkmenistan mit aktuellem Wohnsitz oder Aufenthalt in Deutschland. Ein „örtlicher Schwerpunkt“ sei NRW. Die Verdächtigen verfügten über Verbindungen zur Terrorgruppe Islamischer Staat Provinz Khorasan. „Hier versucht der ISPK, insbesondere selbstradikalisierte Einzeltäter und autonom agierende Kleinstgruppen zu Anschlägen zu animieren und in Teilen auch hierbei anzuleiten“, warnte der Minister.Nach FOCUS-online-Informationen reisen die Dschihadisten mit falschen Papieren oder Fluchtgeschichten verstärkt nach Deutschland ein, um Asylanträge zu stellen. So verurteilte der Düsseldorfer Staatsschutzsenat im Mai 2022 ein fünfköpfiges tadschikisches Kommando zu Haftstrafen zwischen vier und neuneinhalb Jahren. Die Angeklagten hatten Bombenanschläge mit Drohnen auf US-Militärbasen in Deutschland geplant. Zudem verfügte die Gruppe über weitreichende Beziehungen zur militanten Islamistenszene in Österreich. Auf Geheiß von ISPK-Führungskadern sollte die Terrorzelle in Neuss einen Islamkritiker töten, der sich von seiner Religion abgewandt hatte. Durch die Tat wollten die Instrukteure am Hindukusch ein Exempel statuieren. Der Anschlag war als PR-Aktion für den ISPK gedacht. Demnach sollten die Terroristen Bilder des getöteten Opfers machen. Zusammen mit einem Aufruf zum Kampf gegen die „Ungläubigen" sollten die Aufnahmen auf Nach dem Fehlschlag des ersten Terror-Kommandos sickerte die zweite transasiatische Truppe im Februar 2022 nach Deutschland ein. Dieses Mal führte der Weg über die Ukraine und Polen. Ähnlich wie die Vorgänger erschlichen sich die Mitglieder mit erfundenen Geschichten über Folter und Gefängnis einen Aufenthaltsstatus. Dabei hatte der mutmaßliche Kopf der Gruppe, Abdusamad A., genannt „der Sheikh“, bereits zwei Jahre zuvor mit zwei ISPK-Instrukteuren alle Details erörtert, um in Europa ein Blutbad anzurichten. Entsprechende Erkenntnisse lieferte der Bundesnachrichtendienst.Die Staatsschützer hatten die Gruppe längst auf dem Schirm. Und so verfolgten Observationseinheiten Mitglieder der neunköpfigen Zelle, die an Ostern 2023 eine große Kirmes in Köln als mögliches Anschlagsziel ausgespäht haben sollen. Zeitweilig geriet auch die liberale Ibn-Rushd-Goethe-Moschee in Berlin-Moabit ins Blickfeld. Das Gebetshaus lädt Muslime jeglicher Fasson ein – und engagiert sich auch für die LGBTQ-Bewegung unter den Gläubigen. In den Augen des ISPK galt die Moschee als ein „Ort der Teufelsanbetung", an dem Männer und Frauen gemeinsam in einer Reihe beteten und in der die Vollverschleierung verboten ist.Titel „Kill them, where ever you find them" rief die „Unterstützer des Kalifats" zu Anschlägen im Westen auf. Als ,,ideale Ziele" wurdenEhe es zu dem geplanten Blutbad gegen „die Ungläubigen“ kommen konnte, wanderte die zweite zentralasiatische Terror-Clique im Juli 2023 in Untersuchungshaft. Doch etliche so genannte „Kontaktpersonen“ scheinen die Nachfolge-Generation aufgebaut zu haben. Ein Zirkel um den tadschikischen Flüchtling Mukhammadrajb B., der zum Jahresende Anschläge auf den Kölner Dom und den Stephansdom in Wien geplant haben soll. Die ISPK-Anhänger wollten vermutlich ein mit Sprengstoff vollgepacktes Auto an Weihnachten oder Silvester vor der Kölner Kathedrale in die Luft sprengen, so der Verdacht. Wie FOCUS online erfuhr, sollte der Sprengstoff aus den Niederlanden kommen. Bisher aber reichten die Ermittlungen hierzulande nicht aus, um die neue ISPK-Clique zu verhaften. Mukhammadrajb B. wurde an die österreichische Justiz ausgeliefert. In Wien ermitteln die Strafverfolger gegen zwei mutmaßliche Komplizen. Ein weiterer Verdächtiger aus Nörvenich sollte abgeschoben werden.Besorgt beobachten die deutschen Staatsschützer, dass die militanten Fanatiker immer jünger werden. Am 1. Dezember, so die Ermittlungen, wollten ein 15-jähriger Deutsch-Afghane aus Burscheid mit seinem ein Jahr älteren Kumpel aus Brandenburg einen Kleinlaster auf einem Weihnachtsmarkt in Leverkusen hochjagen. Anschließend wollten sich die Jugendlichen nach Afghanistan zum ISPK absetzen. Durch den Hinweis eines ausländischen Nachrichtendienstes flogen die wirren Terrorpläne auf. Vergangenen Dienstag wanderten zwei afghanische Migranten unter Terrorverdacht in Gera in Untersuchungshaft. Die beiden Männer sollen auf Geheiß des ISPK einen Anschlag in Schweden ausgeheckt haben. Die Bundesanwaltschaft machte als Motiv die Verbrennungen des Koran in Schweden und Finnland im vergangenen Jahr aus. Die ISPK-Propaganda verfängt vor allen Dingen über die sozialen Netzwerke. So hatten die beiden ranghohen Mitglieder des ISPK, Faridzhonovich Davlatov und Sayvaly Shafiev, einen tadschikischen Terroristen in NRW als digitalen Anwerber auserwählt. Über ein-tadschikisches Online-Netzwerk suchte der Administrator Sympathisanten weltweit zu radikalisieren, sowie Spenden und neue Kämpfer anzuwerben. So etwa auch jenen tadschikischen Attentäter, der in der Stockholmer City am 7. April 2017 mit einem Lastkraftwagen vier Personen tötete und zahlreiche weitere Menschen verletzte. „Es ist davon auszugehen, dass diese Kanäle bewusst für die Rekrutierung und ideologische Festigung von Personen in Europa und Russland gegründet worden sind“, heißt es in einem BKA-Auswertebericht. Kommandeur Shafiev, der die tadschikischen ISPK-Einheiten lenkte, hatte es speziell auf kampfbereite Landsleute aus seiner Heimat „und auf diejenigen, die in Russland arbeiten“, abgesehen.Wie aber sieht das Innenleben der afghanischen Terror-Organisation aus ? Laut einem Dossier für die Bundesanwaltschaft handelt es sich bei den Anführern meist um pakistanische Abtrünnige aus Taliban-Kreisen. Die Taliban-Regierung in Kabul gilt als verhasster Feind der IS-Milizen. Seit der Gründung des ISPK im Jahr 2014 führen beide Seiten einen erbitterten Krieg gegeneinander. Nachdem sich eine weitere islamistische Splittergruppe dem ISPK anschloss, strömen vermehrt Usbeken, Tadschiken und Uiguren in die Hochburgen im nördlichen afghanischen Grenzgebiet zu Pakistan. Es sein kein Zufall, dass sich der Standort „an der afghanisch-pakistanischen Grenze befindet, denn das nahe Nachbarland ist für den Zustrom ausländischer Kämpfer und die Lieferung von Waffen, Munition und sonstigem Nachschub wichtig“, konstatiert der Islamexperten Guido Steinberg in einer Analyse. Vor vier Jahren wurde Shahab al-Muhajir von der IS-Führung zum Emir der afghanischen Dependance ernannt. Offenbar hatte er sich als Chefplaner großer Anschläge in Kabul und anderen Städten einen Namen gemacht. Viel mehr ist über ihn nicht bekannt. Neben einigen Komitees wie der Schura organisiert der „Militärrat“ den Kampf gegen die Taliban, dieDer ISPK musste in der Vergangenheit einen hohen Blutzoll für seine Kämpfe am Hindukusch bezahlen. Seit 2015 wurden laut BKA mindestens fünf Emire nebst 65 Personen in hohen Positionen durch afghanische-, US-Streitkräfte oder die Taliban festgenommen. Viele wurden getötet. Einem Bericht des UN-Sicherheitsrates zufolge finanziert sich der ISPK über unterschiedliche Einnahmequellen. Zum einen beuten „die Gotteskrieger“ die lokale Rohstoffindustrie aus, ferner erpressen sie Lösegeld für entführte Familienangehörige vermögender Afghanen. Noch ist unklar, ob Drogengeschäfte eine Rolle spielen. Neben Zuschüssen durch die IS-Zentrale sammeln die afghanischen Dschihadisten in Zentralasien und in Europa Spendengelder ein. In etlichen Trainingscamps schulen Ausbilder die islamistischen Rekruten in Kampftaktik, Schusswaffen und in der IS-Ideologie. So lernen die Kämpfer den Umgang mit 75 Millimeter-Kanonen und Mörsern. Kinder üben bereits mit Sturmgewehren. Daneben existieren Trainingscamp, in dem die Kandidaten zu Selbstmordattentätern herangezogen werden.

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