Das Leben und die Wohnung teilen sie schon, vielleicht auch das Girokonto. Doch was ist mit ETFs? Für wen sich ein Gemeinschaftsdepot lohnt und wer das Geld besser getrennt halten sollte.
Einen ETF-Sparplan kann man auch zu zweit führen. Dafür braucht es nur ein Gemeinschaftsdepot. Während sich ein gemeinschaftliches Girokonto schon durchgesetzt hat, gibt es Depots dieser Art zwar noch seltener.
Sie können aber Vorteile mit sich bringen – wenn auch nicht für jeden. Wenn sich ein Paar für ein Gemeinschaftsdepot entscheidet, muss es zunächst zwischen einem Und- und einem Oder-Depot wählen. Gängig ist letztere Variante. Heißt: Beide Depotinhaber können Käufe und Verkäufe unabhängig von der Zustimmung des jeweils anderen tätigen, lediglich bei einer Depotauflösung oder Vertragsänderungen braucht es beide Unterschriften.
„Das Und-Depot ist im Alltag meist aufwendiger“, schreibt der Bundesverband deutscher Banken. Beide Depotinhaber können nur zusammen handeln, jede Transaktion benötigt die Zustimmung beider. Daher sei diese Variante auch deutlich weniger verbreitet. Ein Oder-Depot ist hingegen wenig aufwendig und hat mehrere Vorteile.
Als Erstes die Kosten: Ein statt zwei Depots bedeutet weniger Gebühren. Allerdings: ETF-Sparpläne sind häufig ohnehin kostenlos, auch Einzelorders sind gerade bei Onlinebrokern günstig.
„Der Kostenvorteil ist also eher überschaubar“, sagt Geldanlage-Expertin Nadine Graf vom Verbraucherportal Finanztip. Gewichtiger ist etwas anderes.
„Manche Paare fühlen sich schlichtweg wohler, große Finanzentscheidungen gemeinsam zu treffen – als eine Art Sparringspartner“, so Graf. Traut sich einer nicht richtig an die Börse heran, kann die Initiative des Partners helfen, um so den ersten Schritt zu machen. Auch können sich beide gegenseitig motivieren, nicht nur endlich anzufangen, sondern auch dabeizubleiben und die Sparrate mit der Zeit eventuell sogar zu erhöhen. Die Entscheidungen sollten aber immer gemeinsam getroffen werden.
Das gilt auch für die Wahl, in welchen ETF investiert wird. Paare sollten also vorher klären: Ist dem einen Nachhaltigkeit wichtiger als dem anderen? Will der eine nur auf Aktien-ETFs setzen und sind dem anderen auch Anleihen-ETFs wichtig? Der Fall einer Trennung: Ist die Beziehung am Ende, steht in der Regel auch der gemeinsame ETF-Sparplan vor der Auflösung.
Aber das geht nur, wenn beide einer Auflösung zustimmen, auch wenn es sich um ein „Oder-Depot“ handelt. Gleichwohl ist es möglich, dass einer weiterhin ohne die Zustimmung des anderen kaufen und verkaufen kann, merkt Finanztip-Expertin Graf an.
„Das kann im Konfliktfall problematisch sein. “Ebenfalls, wenn es nach Auflösung darum geht, wem wie viel bis dahin bereits Erspartes zusteht. Üblich ist, dass beiden Parteien jeweils die Hälfte zugeschrieben wird. Was aber, wenn einer viel mehr eingezahlt hat als der andere?
„Ohne klare Vereinbarung könnte am Ende trotzdem von einer hälftigen Aufteilung ausgegangen werden“, stellt Graf klar. Rechtlich ist die Absicht zum Zeitpunkt des Kaufs der ETF-Anteile entscheidend, also ob das Geld tatsächlich als gemeinsames Vermögen gedacht war oder nicht.
„Das lässt sich im Nachhinein aber oft nur schwer beweisen“, sagt Graf. Deshalb sollten größere, ungleiche Einzahlungen am besten schriftlich festgehalten werden. Einzahlungen in sehr ungleichen Höhen können auch in Hinblick auf die Steuer problematisch sein. Größere Beträge eines Partners auf einem Gemeinschaftsdepot können vom Finanzamt als Schenkung angesehen werden, auf dieanfallen.
Bei Ehepaaren ist der Freibetrag zwar so hoch , dass das in den seltensten Fällen zum Tragen kommen dürfte, bei unverheirateten Paaren liegt der Freibetrag allerdings nur bei 20.000 Euro – die können innerhalb von zehn Jahren durchaus überschritten werden. Auf einen weiteren Teilaspekt weist schließlich der Bankenverband hin.
Und zwar im Falle einer Erbschaft: „Gibt es neben dem überlebenden Partner weitere Erben, können zwei Einzeldepots Streitigkeiten darüber vermeiden, wem welche Anteile gehören oder wer welchen Vermögensanteil eingebracht hat.
“ Denn beim Gemeinschaftsdepot geht der Anteil des Verstorbenen nicht automatisch auf den Partner über, sondern richtet sich ohne Klarstellung in einem Testament nach der gesetzlichen Erbfolge. Fassen wir also zusammen: Ein Gemeinschaftsdepot kann Paaren helfen, gemeinsam Vermögen aufzubauen und einander beim langfristigen Sparen zu unterstützen. Der finanzielle Vorteil gegenüber zwei Einzeldepots ist allerdings in der Regel begrenzt. Gleichzeitig sollten Paare mögliche Konflikte bei Trennung, ungleichen Einzahlungen oder im Erbfall nicht unterschätzen.
Wer sich für ein Gemeinschaftsdepot entscheidet, sollte deshalb am besten schriftlich festhalten, wem welche Anteile zustehen.
Rubbel die nächste Story frei
Deutschland Neuesten Nachrichten, Deutschland Schlagzeilen
Similar News: Sie können auch ähnliche Nachrichten wie diese lesen, die wir aus anderen Nachrichtenquellen gesammelt haben.
Nach Mross-Aus bei der ARD: Das plant das ZDF mit Andrea Kiewels „Fernsehgarten“Bei ARD und ZDF stehen Veränderungen an. Nach dem Aus für Stefan Mross’ „Immer wieder sonntags“ fällt auch Andrea Kiewels Silvestershow weg. Nun hat sich das ZDF zur Zukunft der Moderatorin beim „Fernsehgarten“ geäußert.
Weiterlesen »
News-Charts: Ist das Pech von Dritten das größte TikTok-Glück?Autounfall oder Polizeieinsatz? Für viele Medienmarken fungieren diese Themen als Reichweitenbooster. Auch im aktuellen Ranking gehen die ersten fünf Plätze an Beiträge aus dem Blaulicht-Bereich. Wer sich diesen Monat auf der Überholspur befindet…
Weiterlesen »
Klopps „Spielmacher“ ist zurück: Das ist das neue DFB-GeheimnisNach dem Sieg gegen Serbien sprachen alle über Wirtz, Bischof und Pavlovic. Der Bundestrainer nannte einen anderen Schlüssel zum Erfolg.
Weiterlesen »
Weit über 100 Stunden Spielzeit: Das ist das längste Nintendo-Switch-2-Spiel aller ZeitenWer auf der Nintendo Switch 2 möglichst lange beschäftigt sein will, schaut auf die Spielzeit. Doch welches Spiel hält am längsten? Die Antwort überrascht - und hat einen Haken.
Weiterlesen »
