Unternehmer diskutieren auf dem Lexware Festival, ob die junge Generation fauler ist oder nur anders arbeitet. Fünf Stimmen zu Überstunden, Effizienz und Führung.
Auf dem Lexware Festival in Deutschland diskutierten fünf Unternehmer die Frage, ob die junge Generation fauler ist als die ältere oder nur anders arbeitet. Christian Steiger, Kira Marie Cremer, Katharina Kreutzer, Adil Sbai und Christian Justenhoven gaben unterschiedliche Antworten. Die Debatte dreht sich um Überstunden, Effizienz und den Wandel der Arbeitswelt.
Christian Steiger: Fleiß neu definieren
Christian Steiger, 53, Geschäftsführer von Lexware, widerspricht dem Vorwurf der Faulheit. Mehr als 650.000 Unternehmen nutzen die Softwarelösungen von Lexware, bei dem über 500 Menschen arbeiten. Steiger betont, dass junge Menschen schneller fragen, warum etwas so gemacht wird. Das nerve manchmal, aber meistens hätten sie recht. Ältere hätten Fleiß oft an der Uhr gemessen, doch bei Kunden zähle nur, ob die Arbeit gut ist. Die Jungen nutzten Computer und KI selbstverständlich. Wenn eine junge Kollegin in zwei Stunden fertig sei, wofür er früher zwei Tage gebraucht habe, wolle er wissen, wie sie das mache. Er erwarte etwas zurück: klare Ziele und ehrliche Kommunikation. Wer sich daran halte, könne arbeiten, wann und wo er wolle.
Kira Marie Cremer: Generationendebatte überschätzt
Kira Marie Cremer, 31, Unternehmerin, LinkedIn-TopVoice, Podcasterin und bekannt als Die HR-Influencerin, hält die Generationendebatte für überschätzt. Sie fragt, warum wir stolz darauf seien, dass die Alten so viel ausgehalten hätten. Überstunden, schlechte Chefs, starre Arbeitszeiten oder krank zur Arbeit seien jahrzehntelang mit Arbeitsmoral verwechselt worden. Jetzt komme eine Generation, die bei einigen dieser Dinge Nein sage. Das mit Faulheit gleichzusetzen, sei falsch. Natürlich hätten junge Menschen andere Erwartungen an Arbeit als ältere mit Familie und Berufserfahrung. Das sei aber auch vor 30 Jahren so gewesen. Aus Lebensphasen machten wir Generationenkonflikte und wunderten uns, warum Jung und Alt sich nicht verstehen.
Katharina Kreutzer: Effizienz statt Faulheit
Katharina Kreutzer, 27, Gründerin und CEO des Hamburger Logistik-Start-ups MUVN, sieht keine Faulheit, sondern mangelnde Geduld für Leerlauf. Die Plattform vermittelt Mitfahrgelegenheiten für Gegenstände. Junge Menschen hinterfragten Meetings ohne Ergebnis und Arbeit, die nur abgesessen werde. Genau diese Sinnfrage suche sie bei jeder Einstellung. Aus derselben Frage sei MUVN entstanden, denn täglich führen Millionen Autos mit freiem Platz durch Deutschland. Wer nur Stunden zähle, halte die Jungen für faul. Sie erlebe eine Generation, die frage, ob sich etwas lohnt. Das sei keine Faulheit, sondern Effizienz.
Adil Sbai und Christian Justenhoven: Führung und Leidenschaft
Adil Sbai, 41, Mitgründer und Chef der Social-Media-Agentur WeCreate, arbeitet mit Content-Creators. Er sagt, die Jungen seien nicht fauler, hätten nur weniger Geduld, acht Stunden Anwesenheit mit Leistung zu verwechseln. Fleiß bleibe entscheidend, aber junge Menschen wollten für Ergebnisse arbeiten, nicht für abgesessene Zeit. Wer über die faule Gen Z schimpfe, habe oft ein Kultur- und Führungsproblem. Christian Justenhoven, 37, Zahnarzt und Mitgründer von Zapa, gewann beim Lexware Festival den ersten Platz beim Founders Pitch. Zapa erforscht und entwickelt den Bereich Oral Care neu, mit Biomarkern, pH-Wert und Cortisol-Kontrolle, etwa mit individueller Zahnpasta. Er betont, wer gründe, könne sich Faulheit nicht leisten. Wenn etwas schiefgehe, müsse man es lösen. Was früher war, zähle nicht. Das Team ziehe am selben Strang und werfe täglich Dinge um, die es zu wissen glaubte. Die Mission sei die beste individuelle Mundpflege. Da haue jeder rein, weil alle dafür brennten und sich gegenseitig anspornten. Erfahrung und Vorbildfunktion seien wichtig.
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