Zur Verfilmung ihres Buches Glennkill gewährte Autorin Leonie Swann Moviepilot Einblick in Schafsköpfe und sprach über den Weg ihres Schafskrimis ins Kino, samt Änderungen.
Zur Verfilmung ihres Buches Glennkill gewährte Autorin Leonie Swann Moviepilot Einblick in Schafsköpfe und sprach über den Weg ihres Schafskrimis ins Kino, samt Änderungen. Leonie Swann im Interview: Glennkill als Film und ein "Widdersehen" mit wolligen Ikonen Vor über 20 Jahren erschien Leonie Swanns Debütroman, der sich durch seine ungewöhnliche Idee – detektivisch ermittelnde Schafe – und den charmanten Tonfall seiner wolligen Hauptfiguren für lange Zeit einen Platz auf den deutschen Bestsellerlisten sicherte.
Auch international wurde die Geschichte in 30 Sprachen übersetzt. 2010 folgte aufVerfilmung von Glennkill gab es also gleich einen doppelten Anlass, Leonie Swann als literarische Schäferin im Interview zu ihren erfolgreichen Wiederkäuern auszuhorchen. Die Kinoadaption wäre als Inspiration ein bisschen zu spät dran gewesen, weil ich das Buch auch noch schreiben musste. Was Widdersehen ausgelöst hat, war die Arbeit an der Übersetzung von Garou. Das erschien letztes Jahr in England unter dem Titel "Big Bad Wool".
An der Übersetzung für einen neuen Verlag habe ich relativ eng mitgearbeitet und dabei gemerkt, wie gern ich diese Schafe doch eigentlich mag und dass sie mir ein bisschen fehlen. Ich hatte plötzlich sehr viele Ideen und wieder Lust, mich in ihre Welt zu stürzen. Mit dem Film war das natürlich der perfekte Moment. So kam ich wieder auf die Weide.
Wie hast du dich für dein Debüt Glennkill 2005 überhaupt auf Schafe als Ermittler verlegt? Hattest du eine besondere Beziehung zu diesen Tieren? Ich mochte Schafe immer, aber ich war nicht so sehr von ihnen besessen wie manch andere Leute. Auf meinen Lesungen treffe ich viele Super-Schafs-Fans!
Ich hatte in meiner Jugend ein paar einprägsame Begegnungen mit Schafen. Auf meinem Schulweg gab es ein Schaf, das ich Ramses nannte. Wir haben uns ab und zu unterhalten. Auf meinem Heimweg hat er ab und zu Löwenzahn bekommen und wir haben uns gegenseitig zugewinkt oder geblökt.
Auf einer Reise durch Irland, in meiner frühen Studentenzeit und als ich ein halbes Jahr in Irland lebte, war ich ständig mit Schafen konfrontiert. Da kam der Punkt, wo mir auffiel, dass sie viel mehr als nur weiße Punkte auf grünem Hintergrund sind. In ihnen steckte viel Persönlichkeit und alle verhielten sich verschieden. Das verstärkte mein Schafsinteresse, bis es sich in einem Wort zu einem neuen Genre kristallisierte: Schafskrimi.
Nachdem ich so viel Zeit damit verbracht habe, mich in diese Schafe hineinzuversetzen, gehe ich gelegentlich an einer schönen, saftigen Wiese vorbei und ein Teil meines Gehirns denkt: Oh, lecker, guck mal! Wie grün und saftig das ist! Jeder hat heimliche Lieblingsschafe. Aus der Geschichtenperspektive mag ich sie alle gleich gerne, weil sie für die Handlung alle wichtig sind.
Aber auf einer persönlichen Sympathieebene gibt es Schafe, zu denen ich mehr Affinität habe als zu anderen. Ein großer Favorit ist Mopple, weil er so eine tolle Mischung ist: ein bisschen ängstlich, aber gleichzeitig mutig über sich hinauswachsend. Seine Furcht macht seine Taten zu einer noch größeren Leistung. Durch die Schwäche seiner Verfressenheit kann man sich gut in den rundlichen, wolligen Underdog hineinversetzen.
Und ich habe eine Schwäche für die Ziegen, vor allem für Madouc . Im neuesten Buch gibt es außerdem das "runde Lamm", das einen besonderen Platz in meinem Herzen hat. Ich könnte ewig weitermachen: Die ein bisschen philosophischeren, dunkleren Figuren wie Zora und Othello hab ich auch sehr gern. Das lag nicht an mir.
Es war einfach so, dass die UFA vorher die Rechte hatte. Sie haben relativ früh zugegriffen und wollten, glaube ich, eine Animationssache draus machen. Es lag lange in ihrer Hand, aber Glennkill hat es nie über ein frühes Stadium hinausgeschafft. US-Produzentinhat mein Buch relativ schnell entdeckt und lange frustriert drauf gewartet, dass die Rechte wieder zugänglich wurden.
Ich war der Idee einer Verfilmung also immer aufgeschlossen. Das Glennkill-Filmteam hatte völlig freie Hand. Du hattest also keine Angst, dein Buch einem neuen Schäfer anzuvertrauen, oder wolltest mehr Mitspracherecht? Aus meiner Sicht verliert man die Kontrolle über sein Buch, sobald man es gedruckt den Lesenden übergibt.
Denn die stellen sich ja auch nicht alles genauso vor, wie ich es im Sinn hatte. Insofern war ich sehr entspannt, was die Verfilmung betraf. Ich hatte keine Angst, dass es nicht werkgetreu wird. Das Buch existiert ja weiterhin und verpufft nicht einfach.
Da sehe ich keine Gefahr. Ich habe einmal am Set vorbeigeschaut, aber nur, weil ich mal gucken wollte, wie sowas aussieht. Das war spannend. Aber es war relativ früh klar, dass ich mich da heraushalte.
Die Produktionsfirma hatte natürlich auch ein Interesse daran, nicht immer alles mit mir absprechen zu müssen. Ich hatte das Gefühl, dass Filme nicht wirklich meine Wiese sind, no pun intended. In dem Moment, wo ich hörte, dassdas Drehbuch schreibt, habe ich mich entspannt und dachte mir: Wie schlecht kann das schon werden? Ich ließ sie ihr Ding machen.
Und aus meiner Sicht hat das sehr schön funktioniert. Der Film Glennkill macht auf jeden Fall Spaß. Es wurde aber auch viel angepasst, zum Beispiel die komplette Krimihandlung. Erkennst du deine Charaktere trotzdem noch wieder?
Ich habe den Film mittlerweile schon fünf Mal gesehen. Natürlich ist vieles darin neu. Aber ich sehe das gewissermaßen als Bonus, dass es eine neue Handlung gibt. Es bedeutet, dass die Lesenden von Glennkill und den anderen Schafsromanen ein neues Krimi-Abenteuer bekommen – mit den gleichen Schafen, aber der Überraschung, nicht noch einmal denselben Mord bzw. Tathergang zu erleben.
Bei den meisten Sachen verstehe ich, warum etwas geändert wurde. Es ist ein familienfreundlicher Film. Das heißt, die dunkleren Themen, die es in Glennkill gibt, waren nur bedingt geeignet. Auch die Schafsfiguren sind natürlich nicht eins zu eins, was ich mir vorgestellt habe.
Aber ich finde, dieses Grundschafhafte, was mir sehr wichtig war, wurde gut rübergebracht. Sicher gibt es Details, wo ich mir denke: Da hätten sich meine Buchschafe anders verhalten. Aber eine Filmdramaturgie funktioniert einfach anders und das ist legitim. Damit habe ich wenige Probleme.
Nur über die Umbenennung von Miss Maple und Othello im Glennkill-Film war ich ein wenig traurig. Das stimmt, da war ich auch. Ich schätze, bei Othello spielte dieser ganze Themenkreis von "Color Casting" eine Rolle. Die Zuschreibung von Schwarz und Weiß ist heutzutage problematischer als vor 20 Jahren.
Bei Miss Maple lag es, glaube ich, daran, dass ihr Name mit M anfängt. Das Ziel für ein leichteres Auseinanderhalten der Schafe im Film war, keine zwei Figuren mit demselben Initial zu haben. Und weil Mopple unbedingt bleiben sollte, musste Miss Maple anscheinend über die Klinge springen. So habe ich das verstanden.
Es gibt im Film Glennkill zwei neue Rammböcke, die ein Auto zerbeulen. Witzigerweise zerstört in deinem neuen Buch Widdersehen Ziege Maduc ebenfalls ein Auto. Wer hat da wen beeinflusst? Da gab es tatsächlich keine kausale Verbindung.
Bis ich den Film zum ersten Mal gesehen hatte, kannte ich keine Details, geschweige denn, wer der Mörder sein würde. Ich wusste nur, dass die Schafszwillinge als Mischung der Buchfiguren Sir Richfield und Melmoth entstanden sind. Hier wurden also Themen aufgenommen und neu gemixt. Wer aus der menschlichen Besetzung von Glennkill entspricht am ehesten der Vorstellung, die du dir beim Schreiben von deinen zweibeinigen Figuren gemacht hast?
) finde ich schon sehr gut getroffen. Jedes Schaf würde sich wünschen, so einen Schäfer zu haben. Wahrscheinlich ist er sogar optisch gelungener, da ich eigentlich keinen superattraktiven Schäfer im Kopf hatte. Aber seine fürsorgliche Wärme und das gleichzeitig etwas menschenscheue Borstige hat aus meiner Sicht sehr gut geklappt.
Jetzt, wo der Film und dein drittes Buch die Schafe neu belebt haben: Schlummern noch weitere Ideen für einen potenziellen vierten Glennkill-Roman in dir? Das ist natürlich die große Frage. Ich bin stark daran interessiert, mich nicht zu wiederholen, und versuche nur, neue Geschichten zu schreiben, wenn ich einem Thema neue Aspekte abgewinnen kann. In den letzten Tagen hatte ich aber eine Idee, die vielleicht Potenzial hat.
Aber ich weiß immer erst nach einer längeren Zeit, ob eine neue Idee wirklich tragkräftig ist. Sagen wir einfach: Ein weiteres Buch zu den Schafen ist im Rahmen des Möglichen, aber nicht sicher. Dieses Interview wurde gekürzt und verdichtet. Der Film Glennkill: Ein Schafskrimi läuft seit dem 14.
Mai 2026 in den deutschen Kinos. Leonie Swanns neues Buch Widdersehen erschien am 14. April 2026. *Bei dem Link zum Angebot von Amazon handelt es sich um einen sogenannten Affiliate-Link. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision.
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