Wegen eines Streits um Rekordboni drohen bei Samsung rund 48.000 Beschäftigte, ihre Arbeit niederzulegen. Das könnte die globalen Chip-Lieferketten zusätzlich belasten.
Mitglieder der Gewerkschaft von Samsung Electronics demonstrieren im April vor dem Computerchip-Komplex des Unternehmens im südkoreanischen Pyeongtaek für höhere Prämien. Electronics haben rund 48.000 gewerkschaftlich organisierte Mitarbeiter einen 18-tägigen Generalstreik angedroht.
Der für Donnerstag geplante Streik wäre der mit Abstand größte in der Konzerngeschichte. Hintergrund ist ein Konflikt um die Höhe von Bonuszahlungen an die Belegschaft, nachdem der südkoreanische Elektronikriese im Zuge eines anhaltenden Booms rund um Die Frage, die nun nicht nur innerhalb des Unternehmens, sondern auch in der südkoreanischen Öffentlichkeit hitzig debattiert wird: Wie sollen die Gewinne fair aufgeteilt werden? Der zentrale Streitpunkt ist die Höhe der Jahresboni für die Samsung-Mitarbeiter in der Halbleiter-Abteilung.
Die Gewerkschaft fordert, dass 15 Prozent des jährlichen Betriebsgewinns des Unternehmens als Boni ausgeschüttet werden - und zwar dauerhaft. Derzeit sind die Boni der Mitarbeiter auf 50 Prozent des Grundgehalts begrenzt. Aufgrund der historisch hohen Profite handelt es sich um enorme Summen. Basierend auf einem prognostizierten Gewinn von etwa 300 Billionen Won für das Jahr 2026 würden die Gewerkschaftsforderungen einem durchschnittlichen Jahresbonus in Höhe von rund 350.000 Euro pro Mitarbeiter entsprechen.
Die Summen würden allerdings nur an die Belegschaft der Halbleiter-Sparte fließen. Electronics im ersten Jahresquartal dank des anhaltenden KI-Booms den höchsten Gewinn seit Unternehmensgründung erzielt hat. Der Betriebsgewinn für den Zeitraum Januar bis März beträgt 57,2 Billionen Won - in etwa das Achtfache des Vorjahreszeitraums. Dementsprechend sind die Summen, um die es bei der Verteilungsfrage geht, deutlich höher als zuvor.
Der Rekordgewinn von Samsung wird vor allem von der anhaltend starken Nachfrage nach Computerchips angetrieben. Fast 94 Prozent des Gesamtgewinns des Unternehmens wurden von der Halbleitersparte des Unternehmens erzielt. Samsung argumentiert, dass die Halbleiterbranche starken Schwankungen unterliegt, und man sich aufgrund der zyklischen Volatilität nicht langfristig auf hohe Bonuszahlungen einlassen möchte. Ebenso betont das Management, dass man hohe Summen für Investitionen bereithalten müsse, um auch in Zukunft wettbewerbsfähig zu bleiben.
Auch würden hohe Boni an die Halbleiter-Belegschaft Spannungen mit anderen Konzernabteilungen erzeugen, die deutlich geringere Auszahlungen erhalten. Während mehrerer Verhandlungsrunden soll das Samsung-Management seinen Mitarbeitern Kompromissvorschläge unterbreitet haben, die jedoch deutlich unter den Kernforderungen der Gewerkschaft bleiben. Laut Medienberichten wäre Samsung dazu bereit, bis zu zehn Prozent seines Betriebsgewinns als Jahresboni auszuzahlen - jedoch nur für maximal drei Jahre und unter der Bedingung, dass die Halbleitersparte des Unternehmens bestimmte Gewinnschwellen überschreitet.
Die Gewerkschaft hingegen fordert, dass dauerhaft 15 Prozent des Betriebsgewinns an die Mitarbeiter ausgezahlt werden. Der seit letztem Jahr regierende Präsident Lee Jae Myung hat sich bislang vorsichtig kritisch geäußert.
„Arbeitnehmer sollen für ihre Arbeitsleistung eine angemessene Entlohnung erhalten können“, schrieb Lee in einem Kommentar auf der Online-Plattform X am Montag. Jedoch sollten auch Aktionäre, die durch ihre Investitionen potenzielle Risiken und Verluste tragen, Anspruch auf ihren Anteil am Unternehmensgewinn haben. In einer vorherigen Stellungnahme kritisierte Südkoreas Präsident die Forderungen der Gewerkschaft als „exzessiv“.
Die Aussagen des 62-Jährigen sind bemerkenswert, da er aus dem politisch linken Lager stammt, sich einst als Anwalt für die Rechte von Arbeitern engagierte und einen gewerkschaftlichen Hintergrund hat. Die südkoreanische Zentralbank schätzt in einem internen Bericht, dass der Generalstreik bei Samsung das Wirtschaftswachstum des Landes für dieses Jahr um 0,5 Prozentpunkte ausbremsen könnte. Demnach würden sich die potenziellen Verluste auf rund 20 Milliarden US-Dollar belaufen, wie Südkoreas amtliche Nachrichtenagentur Yonhap berichtete.
Auch die US-amerikanische Handelskammer in Südkorea äußerte eine Warnung, in der es hieß, der Streik könne globale Lieferketten unterbrechen und Südkoreas Ruf als verlässlichen Technologie- und Produktionsstandort beschädigen. Tatsächlich gibt es bereits jetzt Engpässe bei der Chipproduktion, da die weltweite Nachfrage nach Halbleitern das Angebot deutlich übersteigt. Der angedrohte Generalstreik bei Samsung dürfte die Lage zusätzlich verschärfen.
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