Die Handball-EM in Ungarn und der Slowakei droht zur Farce zu werden. Die Corona-Fälle nehmen zu, der sportliche Wert ab. Die Bundesliga verfolgt die Endrunde mit großen Sorgen.
Der langjährige DHB-Vizepräsident Bob Hanning attestierte dem Turnier schon jetzt aufgrund der vielen Corona-Ausfälle „nicht den sportlichen Wert anderer Europameisterschaften“. Eine besonders große Gefahr für die Gesundheit der Spieler sieht er bei der EM jedoch nicht.
„Das Risiko einer Ansteckung gibt es überall“, sagte der Geschäftsführer des Bundesligisten Füchse Berlin.Allerdings sind die Spieler beim Kontinentalturnier - anders als vor einem Jahr bei der WM in Ägypten - nicht komplett von der Außenwelt abgeschottet. Die Hallen in den slowakischen Spielorten Bratislava und Kosice sind zu 25 Prozent ausgelastet und in Ungarn sogar voll. Bei den Vorrundenspielen des Co-Gastgebers in Budapest jubelten auf den Tribünen 20.000 Fans - viele ohne Maske. „Wir haben in Ungarn eine Impfquote von 62 Prozent und in der Slowakei von 45 Prozent. Das rechtfertigt nicht die volle oder hohe Auslastung der Hallen“, kritisierte der deutsche Mannschaftsarzt Philip Lübke vor einigen Tagen. Da war die Welt im DHB-Team noch in Ordnung. Nach mittlerweile sieben positiven Corona-Fällen nimmt jedoch die Angst vor einem Flächenbrand zu - auch in der Liga. „Möglicherweise gibt es noch weitere Corona-Fälle in der Mannschaft. Ob es dann Sinn macht, immer weiter nachzunominieren, muss man sehen“, sagte Bohmann. „Da muss man dann sehr vorsichtig sein und nicht sagen, ich mach's noch viel schlimmer als es ist. Wenn es jetzt noch weitere Ausbrüche gibt, dann haben wir eine neue Situation.“ Viktor Szilagyi, Geschäftsführer beim Rekord-Champion THW Kiel, ergänzte mit Blick auf den Bundesliga-Neustart nach der EM: „Wir müssen verhindern, dass Infektionen in die Mannschaft getragen werden.“Warum ausgerechnet das deutsche Team bei der EM derart stark betroffen ist, ist dem DHB ein Rätsel. Bohmann sieht eine Erklärung in der hochansteckenden Omikron-Variante. „Die Infektiosität ist unvergleichlich höher als in der Vergangenheit. Ich maße mir nicht an zu sagen, ob das am Hygienekonzept des Turniers liegt - oder ist jedes Hygienekonzept bei dieser Infektiosität überfordert?“, sagte der 57-Jährige. „Man wird im Nachhinein bewerten müssen, ob es richtig war, das Konzept so offen zu lassen.“ Frank Bohmann, Geschäftsführer der Handball-Bundesliga , spricht im Rahmen einer Pressekonferenz. © picture alliance / Daniel Reinhardt/dpa Zumal es schon zu Turnierbeginn beunruhigende Nachrichten gegeben hatte. So berichtete Frankreichs Superstar Nikola Karabatic vor dem Auftakt: „Wir sind fassungslos über die Bedingungen, unter denen diese EM steht. Wir haben strenge Protokolle befolgt, um uns das Virus nicht einzufangen. Und dann kommen wir hier im Hotel an und bewegen uns unter Gästen, die keine Masken tragen. Wir essen auch an den gleichen Orten.“ Laut Hausleitner wurden die Missstände „angesprochen und behoben“. DHB-Sportvorstand Axel Kromer nimmt an einem Medientermin vor dem Mannschaftshotel teil. © Marijan Murat/dpa Ähnliche Erfahrungsberichte gab es vom DHB-Team zwar nicht - und doch erwischte es die Deutschen mit voller Wucht. „Corona wird uns begleiten. Wir müssen auf alles achten und am Ende auch das Glück haben, dass wir coronafrei bleiben“, hatte Kapitän Johannes Golla kurz vor dem Turnier gesagt. Diese Hoffnung ist längst dahin. dpa
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