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Die riesige Razzia am Mittwoch zeigt, wie groß das Netzwerk der „Hells Angels“ noch ist. Wie mächtig sind sie in Hamburg?

Die riesige Razzia am Mittwoch zeigt, wie groß das Netzwerk der „Hells Angels“ noch ist. Wie mächtig sind sie in Hamburg?. Die Rocker sind weniger sichtbar als früher – verschwunden sind ihre Strukturen aber nicht.

Wie mächtig sind sie in Hamburg noch? In Hamburg gibt es zwei Ortsgruppen: „Harbour City“ und „Hellport“. Der ursprüngliche „Hells Angels Motor-Club e. V.“ wurde in Hamburg bereits 1983 verboten.

„Harbour City“ ist alteingesessen, „Hellport“ jünger und stärker mit Kiez und Rotlichtmilieu verbunden. Aussteiger Zargaran schätzt den harten Kern auf 60 bis 70 Mitglieder. Offizielle Zahlen gibt es nicht. Seit dem „Kuttenverbot“ von 2017 sind die „Angels“ im Stadtbild deutlich weniger sichtbar, sagt die Polizei.

Das eine Geschäftsmodell gibt es nicht. Das Rotlichtgeschäft hat sich verlagert: weg vom sichtbaren Kiez, hin zu Online-Vermittlung und Apartments. Drogenhandel spielt ebenfalls eine Rolle. 2018 organisierte „Hells Angels“-Mitglied Martin P. den Zugriff auf einen Lkw mit 1,1 Tonnen Kokain und erhielt zehn Jahre Haft. 2016 fanden Ermittler zudem Tausende mutmaßlich gestohlene BMW-Teile in einer Lagerhalle mit Verbindungen ins „Hells Angels“-Umfeld. Daneben betreiben Mitglieder legale Geschäfte.

„Stress ist immer schlecht fürs Geschäft“, sagt Zargaran. Gerade „Harbour City“ sei darauf bedacht, nicht aufzufallen. Dass die „Hells Angels“ weniger offen auftreten, bedeutet nicht, dass das Milieu ruhig geworden ist. Anfang September wurde Murat B. in der Schanze erschossen.mit Waffe und der Adresse eines „Hells Angels“-Bosses festgenommen worden.

Ob die Fälle zusammenhängen, ist unklar.

„Es besteht jedenfalls der Eindruck, dass es eine Zunahme von Delikten mit scharfen Schusswaffen gibt“, sagt die Staatsanwaltschaft. Belastbare Daten und eine eindeutige Zuordnung zur Rockerszene gebe es nicht. Wie brutal solche Konflikte eskalieren können, zeigte 2018 der Anschlag auf „Hells Angels“-Boss Dariusch F. im Kampf gegen die verfeindeten „Mongols“, die hier Fuß fassen wollten. F. sitzt seitdem im Rollstuhl, der Auftraggeber Arasch R. wurde 2020 zu lebenslanger Haft verurteilt.

Die Hamburger „Hells Angels“ sind eng mit etablierten albanischen Strukturen auf dem Kiez verbunden. Davon abgesehen agieren Charter eigenständig, sind aber bundesweit und international vernetzt. Zargaran berichtet von regelmäßigen Treffen mit Hunderten Mitgliedern, bei denen Aktuelles besprochen und Kontakte für gemeinsame Geschäfte geknüpft wurden.14 Männer wurden nun festgenommen. Ob der Schlag die Strukturen dauerhaft schwächt, hängt davon ab, ob genügend Führungspersonen ausfallen, Geldströme versiegen – oder andere nachrücken.

Hamburg zeigt, wie anpassungsfähig die Szene ist: Trotz Verboten und Haftstrafen bleiben die „Hells Angels“. Laut Polizei hat sich ihre „grundsätzliche Bedeutung“ in den vergangenen zehn Jahren „nicht wesentlich verändert“. Liebe Leserinnen und Leser, wir freuen uns über Ihren Beitrag und einen respektvollen Austausch. Um Kommentare verfassen zu können, benötigen Sie ein MOPO+ Abo.

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