Am heutigen Samstag stehen beim Herz-Jesu-Feuer viele Gipfel in Tirol in Flammen. Dort oben brennt ein Gemisch aus Abenteuer und Tradition.
Am heutigen Samstag stehen beim Herz-Jesu-Feuer viele Gipfel in Tirol in Flammen. Dort oben brennt ein Gemisch aus Abenteuer und Tradition. Mit Brennstoff gefüllte Becher illuminieren den Gipfel der 2163 Meter hohen Gehrenspitze bei Reutte.
Derweil machen sich die Bergretter, die das Herz-Jesu-Feuer entzündet haben, wieder an den Abstieg. Mit Brennstoff gefüllte Becher illuminieren den Gipfel der 2163 Meter hohen Gehrenspitze bei Reutte. Derweil machen sich die Bergretter, die das Herz-Jesu-Feuer entzündet haben, wieder an den Abstieg.
„Ich bin heut‘ Abend extra für Euch hier oben“. Die Bedienung der Gehrenalm macht klar, dass in der Nacht auf Sonntag keine Hüttenruhe einkehren muss. Auf der Terrasse gönnt sich die Landjugend aus Wängle noch ein kühles Bier, bevor es dann schweißtreibend wird. Denn es geht hinauf auf die umliegenden Gipfel und Grate zum traditionellen Herz-Jesu-Feuer.
Während gegen 19 Uhr die Jugend zur Schneidspitze aufbricht, packen Benjamin, Stefan, Patrick, Sebastian und Joachim ihr Zeug zusammen. Bis auf Joachim sind die Männer zwischen 33 und 46 Jahren bei der Bergrettung Reutte aktiv, ihnen ist beim Herz-Jesu-Feuer der Gipfel der Gehrenspitze vorbehalten. Wie oft sie dort schon das traditionelle Bergfeuer entzündet haben, wissen sie gar nicht mehr genau.
„Aber so zehn Mal wird es schon sein“, sind sich alle sicher. Die ersten Bergfeuer haben sie schon als Kinder miterlebt. Im 18. Jahrhundert entstand der Feuerbrauch in Tirol, der bei gutem Wetter am dritten Samstag oder Sonntag nach Pfingsten bis heute weiterlebt.
Fotos vom Herz-Jesu-Feuer auf der Gehrenspitze bei Reutte. In einer kleinen Karawane geht es hinauf zum Gehrenjoch. Die Rucksäcke gefüllt mit Brennstoff, Brotzeit und Gipfelhalbe wiegen schwer, der Schweiß läuft. Nach mehreren Querungen und über Schrofen geht dann die Kraxelei los.
Der Anstieg zur Gehrenspitze führt über einen Kamin auf die exponierte Nordseite und dann über einen leicht ausgesetzten Grat zum Gipfel. Für die Bergretter kein Thema. Aber es ist auch klar, dass hier schon allein wegen des Steinschlags nicht die gesamte Landjugend auf die Gehrenspitze kann. Zur Schneidspitze sind knapp 30 Jugendliche aufgebrochen, wir sind nur zu sechst.
Am Gipfel der Gehrenspitze übernimmt aber erstmal ein ganz anderes Feuer die Regie. Der Gipfel ist für einen Sonnenuntergang in den Bergen ideal. Die Abendsonne taucht die Tannheimer Riesen in ein magisches Licht, die Bergkette bis hin zum Horizont scheint endlos. Doch viel Zeit bleibt nicht.
Nach einer kurzen Brotzeit geht es ans Aufstellen der Becher. Hinein kommt ein Stein zum Beschweren, dann Dieselbrennstoff.
„Die Becher brennen nachher fast völlig ab“, sagt Benjamin. „Es ist eigentlich nichts übrig. Die Reste sammeln wir dann am Dienstag ein“. Um 22 Uhr ist es dunkel.
Die Bergretter entzünden die Becher, einen nach dem anderen. Viele von Ihnen sind an luftigen Graten aufgestellt - im Abstand von rund einem halben Meter.
„Je enger, desto schöner sieht es unten im Tal aus“, sagt Patrick. Auch auf den benachbarten Gipfeln sind jetzt erste Feuer zu sehen. Aber so einen exponierten Platz wie auf der Gehrenspitze hat kaum einer. Zu sehen ist unser Feuer bis weit ins Ostallgäu hinein.
Die Gehrenspitze ist von weiten Teilen des Ostallgäus aus zu sehen. Im Hintergrund kann man den Forggensee bei Füssen erkennen. Die Gehrenspitze ist von weiten Teilen des Ostallgäus aus zu sehen. Im Hintergrund kann man den Forggensee bei Füssen erkennen.
Es bleibt nur wenig Zeit, die Stimmung am Gipfel mit dem erleuchteten Kreuz der Gehrenspitze aufzusaugen. Denn die Bergretter packen schon wieder zusammen, es geht an den Abstieg. Weiter unten scheint der gesamte Grat der Schneidspitze zu brennen, auch die Landjugend hat ihre Becher angezündet. Rund eine halbe Stunde werden sie brennen.
Im Licht der Stirnlampen steigen wir ab - obwohl sie alles hell erleuchten, ist Konzentration gefragt. , die in Erinnerung an das Herz-Jesu-Gelöbnis umgedeutet wurden. Mit dem Schwur wollten die Tiroler 1796 ein einigendes Band für den Krieg gegen Napoleon schaffen. Doch zumindest gegen Mitternacht denkt auf der Gehrenalm daran kaum einer mehr.
Denn es gibt Schweinsbraten mit Knödel und Kässpatzen. 1796 siegten überraschend die Tiroler, heute sind es Hunger und Durst.
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