Marianne Niemann ist eine Ausnahmeerscheinung in der OWL-Läuferszene. Sie ist 72 Jahre, vielfache Mutter und Oma. Bewegung ist ihr Lebenselixier.
Bielefeld / Borgholzhausen . Marianne Niemann ist ein Phänomen. Als Läuferin hat die 72-Jährige aus Bielefeld , die bei Wettkämpfen für den LC Solbad Ravensberg startet, eine Ausnahmestellung in OWL inne.
Diese wurde ihr jetzt auch von den Veranstaltern des Trail- und Road-Cups bescheinigt – wieder einmal. Bei der Siegerehrung der Laufserie stand Marianne Niemann in ihrer Altersklasse W70 auf Platz 1. Beim Hermannslauf Ende April sorgte die passionierte Hobbyläuferin ebenfalls für Schlagzeilen. Sie bewältigte die wahrlich ambitionierte Strecke von 31,1 km in 3:16:58 Stunden.
Damit feierte sie ihren 13. Altersklassentitel in Folge. Ihr Vorsprung auf die Zweitplatzierte ihrer Altersklasse betrug galaktische 35 Minuten. Damit noch nicht genug.
Die 72-Jährige war mit dieser Leistung schneller als – Achtung – zwei Drittel der gesamten Frauenkonkurrenz. Wie macht die Frau das? Was steckt hinter diesen außergewöhnlichen Leistungen? Als erste Antwort fällt Marianne Niemann dazu ein: „Ich kann nicht ohne Bewegung – ohne den Sport wäre ich ein anderer Mensch und würde wahrscheinlich durchdrehen.
“ Als Beleg führt sie einen Fahrradunfall aus der Vergangenheit an, bei dem sie zahlreiche Brüche im Schulterbereich erlitten hatte. „Im Krankenhaus konnte ich bloß still im Bett liegen, da war ich extrem unausgeglichen“, erzählt sie: „Kaum wurde ich entlassen, bin ich täglich stundenlang spazieren gegangen. “ 72-Jährige schwimmt jeden Wochentag 1.000 Meter Das half ihrer Psyche. „Ich war viel an der frischen Luft und wirklich gut drauf“, sagt sie.
Und es half ihrem Heilungsprozess, der laut den behandelnden Ärzten „unfassbar schnell“ vonstatten ging. Überhaupt moderiert Marianne Niemann mit einer beeindruckenden Resilienz gesundheitliche Rückschläge und körperliche Malaisen.
„Mein linkes Knie ist in keinem wirklich guten Zustand“, gesteht die Sportlerin: „Meniskusschaden, Arthrose und noch ein bisschen mehr. “ Der behandelnde Orthopäde, den sie von Zeit zu Zeit aufsucht, ist stets verwundert, dass „ich mit dem Knie noch solche Aktionen bewältigen kann“. Der Alltag der Rentnerin gleicht nämlich eher dem Arbeitsnachweis eines Profis. Jeden Wochentag geht Marianne Niemann zum Frühschwimmen: 1.000 Meter.
„Die sind ja schnell erledigt“, sagt sie mit einem Augenzwinkern. Sportler im Ehrenamt: Die drei Karrieren des Bielefelders Michael Menzhausen Dazu kommen wöchentlich drei Laufeinheiten – mal 10, mal 15, mal 20 Kilometer pro Termin. An den anderen Tagen sitzt sie zumeist auf dem Rad und spult weitere Kilometer ab. Bei den Niemanns Zuhause steht ein Rennrad auf einer Rolle, falls das Wetter mal nicht mitspielt.
Und in der Garage eine Eistonne zur besseren Regeneration.
„Wir haben eine alte Tiefkühltruhe umfunktioniert“, erzählt die 72-Jährige: „Nach längeren Einheiten steige ich da fünf Minuten bei 5 Grad Celsius rein. Danach ist die warme Dusche doppelt so schön.
“ Bielefelderin zwischen Obsession und Gesundheit Bei der Ernährung geht Marianne Niemann einen pragmatischen Weg: „Anfang des Jahres mache ich immer eine sechswöchige Entsäuerungskur. Das tut mir unheimlich gut.
“ Das scheint ihr ganz persönlicher Schlüssel zum Erfolg zu sein. Marianne Niemann macht die Dinge, die ihr guttun. Sie bestätigt: „Gesundheitliche Kapriolen mache ich auf keinen Fall, ich höre da schon auf meinen Körper.
“ Dem traut sie allerdings viel zu. „Ich glaube fest daran, dass sich mein Körper an neue, manchmal auch schwierige Situationen wie mit meinem lädierten Knie gewöhnen und schließlich damit auch arrangieren kann. “ Intensive Bewegung sei nun einmal ihr Lebenselixier. Doch es gibt auch kritische Stimmen.
„Manche sagen: Bewegung ist eine Sucht bei mir“, gibt die 72-Jährige unumwunden zu. Sie räumt freiwillig ein, dass da dieser innere Druck sei.
„Ich bin oft erst richtig zufrieden, wenn ich etwas getan habe. Ich habe eben einen gewissen Leistungsanspruch an mich“, betont das Multi-Bewegungstalent. 35 Minuten stellen ihr Leben auf den Kopf: Hermannslaufsiegerin 2025 erleidet mit 27 Jahren einen Schlaganfall Borgholzhausenerin macht Radtour über den Nordseeküsten-Radweg Beim Inline-Skating wurde sie 2013 sogar W60-Meisterin im Marathon. Ihre Bestzeit beim „Hermann“ lief sie im Alter von 59 Jahren - mit 2:29:23 Stunden.
Zum Vergleich: Die Siegerzeit 2026 war lediglich 23 Minuten schneller und Gewinnerin Franzi Bossow ist 25 Jahre jünger. Auch abseits der großen Wettkämpfe und Volksläufe leistet Marianne Niemann Bemerkenswertes. Anfang Mai ist sie zu einer Radtour aufgebrochen. Die Borgholzhausenerin hat den Nordseeküsten-Radweg ins Visier genommen.
Deutlich mehr als 1.000 Kilometer von der niederländischen Grenze über Hamburg bis nach Dänemark.
„Ich plane mit 100 Kilometern am Tag“, sagt sie mit einem Unterton, als breche sie zu einem entspannten Senioren-Radeln am Sonntagnachmittag auf. Bei diesen Leistungsdaten versteht es sich von selbst, dass Marianne Niemann auf einem konventionellen Rad und keinem E-Bike unterwegs ist. Phänomenal eben. Hermannslauf 2026: Die besten Fotos des Volkslaufs von Detmold nach Bielefeld
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