Leon Weintraub, 100-jähriger Holocaust-Überlebender, feiert in Berlin die Premiere der Dokumentation L'dor Vador über sein Leben und die Erinnerung.
Der Holocaust -Überlebende Leon Weintraub hat am Abend im Berlin er Kant Kino die Premiere der Dokumentation L'dor Vador – Von Generation zu Generation erlebt. Der 100-Jährige war mit seiner Frau Evamaria Loose-Weintraub, seinem Sohn Robert Weintraub und seiner Tochter Emilia Rotstein aus Stockholm angereist. Der Film der Brüder Dean Körzdörfer (24) und David Körzdörfer (30) erzählt ein Jahrhundert in 90 Minuten.
Mit 13 Jahren verlor Weintraub seine Kindheit, mit 100 Jahren kehrt er an die Orte zurück, an denen sie zerstört wurde. In der Vernichtungslogik der Nationalsozialisten hätte er diesen Abend nie erleben dürfen. Das Publikum reagierte mit stehenden Ovationen und still geweinten Tränen.
Kindheit in Łódź und Deportation
Mit den Filmemachern reist Weintraub in seine Heimatstadt Łódź zurück, die Stadt seiner Kindheit. Er war 13 Jahre alt, als die Wehrmacht im September 1939 Polen überfiel. Die Deutschen sperrten ihn, seine Mutter Nacha und seine vier älteren Schwestern ins jüdische Ghetto Litzmannstadt, das zweitgrößte im besetzten Polen.
Im August 1944 wurde die Familie Weintraub nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Leon war 18 Jahre alt. In Birkenau entschied ein Arzt der SS an der Rampe über das Schicksal der Familie. Weintraub wurde von seiner Mutter getrennt. Er rief ihr die letzten Worte hinterher, dass sie sich drinnen sehen würden. Ein Mithäftling sagte ihm, dies sei kein Ort zum Leben, sondern ein Ort zum Sterben.
Zwischen zwei Baracken sah Weintraub eine Gruppe nackter Männer, die auf Häftlingskleidung warteten und mit einem Gefangenentransport zur Zwangsarbeit ins KZ Groß-Rosen gebracht werden sollten. Er zögerte keine Sekunde, zog sich aus und mischte sich unter die Männer. So entkam er dem Ort zum Sterben. Zwei Tage später wurden alle Häftlinge seiner Baracke vergast.
Überleben und Befreiung im April 1945
Weintraub überlebte Auschwitz, anschließend die Lager Groß-Rosen, Flossenbürg und Natzweiler-Struthof sowie einen dreitägigen Todesmarsch. Den Großteil seiner Familie ermordeten die Nationalsozialisten. Im April 1945 gelang ihm bei Donaueschingen die Flucht. Als französische Soldaten ihn befreiten, war er 19 Jahre alt und an Typhus erkrankt. Er wog noch 35 Kilogramm.
Ein Jahr lang haben ihn die Brüder Dean Körzdörfer und David Körzdörfer für ihren Dokumentarfilm begleitet. Der Titel L'dor Vador ist hebräisch und bedeutet von Generation zu Generation. Der Film blickt nicht nur zurück auf die Verbrechen der Nationalsozialisten, sondern stellt die Frage, was bleibt, wenn die letzten Zeitzeugen nicht mehr selbst erzählen können.
Auch die Kinder von Weintraub kommen in der Doku zu Wort. Tochter Emilia Rotstein sagt, das Vergessen würde den Opfern abermals das Leben rauben. Nach der Vorführung nahm Weintraub gemeinsam mit Schauspieler Christian Berkel (68) auf der Bühne Platz, dessen Stimme durch den Film führt.
Erinnerung und Warnung an die Demokratie
Berkel erinnerte an einen Satz des israelischen Psychoanalytikers Zvi Rix, wonach die Deutschen den Juden den Holocaust nie verzeihen würden. Für ihn greife dieser Gedanke heute weiter: Die Welt scheine den Juden den Holocaust nie zu verzeihen. Nach dem 7. Oktober habe ihn besonders das Schweigen erschüttert, die Verweigerung von Empathie. Berkel betonte, dass wir Verantwortung tragen.
Auch Weintraub sprach über den 7. Oktober. Der Tag habe für ihn bedeutet, im Alter von 97 Jahren noch einmal Krieg in Tel Aviv unmittelbar mitzuerleben. Die Bilder ließen ihn bis heute nicht los. Es sei ein Trauma, das ihn wahrscheinlich bis an sein Lebensende begleiten werde.
Gleichzeitig nennt er sich einen unverbesserlichen Optimisten. Er verwies darauf, dass 60 Millionen Menschen im Zweiten Weltkrieg durch die Ideologie eines Mannes umkamen, der seine Absichten in Mein Kampf offen dargelegt hatte. Die Sünde der 30er Jahre sei gewesen, diese Drohungen nicht ernst zu nehmen. Deshalb warnt er heute dringend davor, die Feinde der Demokratie ernst zu nehmen und Gedanken jener Zeit nicht wieder aufleben zu lassen.
Rubbel die nächste Story frei
Leon Weintraub Holocaust L'dor Vador Berlin Kant Kino Dean Körzdörfer David Körzdörfer Christian Berkel Łódź Auschwitz-Birkenau
Deutschland Neuesten Nachrichten, Deutschland Schlagzeilen
Similar News: Sie können auch ähnliche Nachrichten wie diese lesen, die wir aus anderen Nachrichtenquellen gesammelt haben.
DFB-Präsident Neuendorf trifft Holocaust-Überlebende Knobloch in MünchenDFB-Präsident Bernd Neuendorf traf Charlotte Knobloch in München, um gegen Antisemitismus im Fußball ein Zeichen zu setzen und über den Julius-Hirsch-Preis zu sprechen.
Weiterlesen »
Zara: Halloween-Kostüm sorgt für Holocaust-VergleicheZara bot ein Halloween-Kostüm für Kinder an, das an KZ-Häftlingskleidung erinnert. Nach Empörung wurde das Outfit aus dem Online-Shop entfernt.
Weiterlesen »
Pete Davidson ist 'Überlebender' der Kardashian-JennersPete Davidson war mit Kim Kardashian zusammen, doch das Leben im Rampenlicht überforderte ihn damals. Böses Blut gibt es trotzdem nicht.
Weiterlesen »
Speedway-EM Pardubitz: Janowskis Sieg reichte nicht – Madsen ist Champion - Speedway-EMEin winziger Punkt entschied die Speedway-Europameisterschaft 2026 im vierten und letzten Rennen in Pardubitz zugunsten von Leon Madsen, der nach 2018 und 2022 zum dritten Mal den Titel gewann.
Weiterlesen »
