Die „MV Hondius“ ist am frühen Sonntagmorgen in Teneriffa angekommen. Die rund 150 Passagiere gelten als Hochrisikokontakte für das Hantavirus. Sie sollen bis Montag vom Schiff gebracht werden.
Im Rahmen der Evakuierung des Kreuzfahrtschiffs „MV Hondius“ wegen eines tödlichen Hantavirus-Ausbruchs ist der erste Flug mit Evakuierten von der Kanareninsel Teneriffa gestartet. Das Flugzeug mit insgesamt 14 spanischen Passagieren und Besatzungsmitgliedern hob am Sonntag gegen Mittag vom Flughafen Teneriffa-Süd ab, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete.
Nach den Spaniern werden diejenigen evakuiert, die mit einer niederländischen Maschine ausgeflogen werden. Darunter sind auch vier Deutsche sowie Menschen aus Belgien und Griechenland, wie die spanische Gesundheitsministerin Mónica García Gómez mitteilte. Als Erste wurden die 14 Spanier am Hafen von Granadilla im Süden der Kanaren-Insel Teneriffa in kleinen Gruppen mit Booten an Land gebracht. Es handelt sich nach Angaben des spanischen Gesundheitsministeriums um 13 Passagiere und einen Angehörigen der Crew.
An Land stiegen sie bald in Busse der militärischen Nothilfeeinheit UME ein, um zum zehn bis 15 Minuten entfernten Flughafen gebracht zu werden. Zuvor hatten medizinische Teams alle Menschen an Bord untersucht. Erst nach der Feststellung, dass keine akuten Krankheitssymptome vorliegen, wurde die schrittweise Evakuierung eingeleitet. An Bord befinden sich zwischen 140 und 150 Passagiere aus 23 Ländern. 30 Besatzungsmitglieder sollen an Bord bleiben, um das Schiff zur Desinfektion in die Niederlande zu fahren.
Die Ausschiffung soll nach Angaben des spanischen Gesundheitsministeriums bis Montagnachmittag dauern. Nach ihrer Ankunft am Flughafen im niederländischen Eindhoven sollen die vier deutschen Passagiere nach Frankfurt gebracht werden, wie die Deutsche Presse-Agentur erfuhr. Für den Transport wurden Einsatzkräfte der Feuerwehr Essen und der Feuerwehr Frankfurt angefordert. Sie sollen noch am Sonntag die Passagiere am Militärflughafen in Eindhoven abholen.
Anschließend geht es in einem sogenannten Sonderisoliertransport nach Frankfurt. Unklar ist bisher, wie viele Deutsche genau an Bord der „Hondius“ waren. Laut Passagierliste waren es zu Beginn der Kreuzfahrt sechs, eine Deutsche starb am Virus. Sollte sich daran während des Flugs noch etwas ändern, würde der betroffene Patient zur Uniklinik Düsseldorf gebracht werden.
Dort ist auf der Infektionsstation bereits eine 65-Jährige. Die Frau war ebenfalls auf der „Hondius“ und hatte dort nach Angaben der Behörden engen Kontakt mit einer Patientin, die an Bord mit einer Hantavirus-Infektion starb. Bei der Feuerwehr Essen bereiten sich nach dpa-Informationen sieben Einsatzkräfte auf den Transporteinsatz vor.war Sonntagmorgen vor der Küste von Teneriffa eingetroffen.
Wie ein Journalist der Nachrichtenagentur AFP am Sonntagmorgen beobachtete, näherte sich die „MV Hondius“ eskortiert von einem Schiff der Guardia Civil dem Hafen Granadilla de Abona im Süden der spanischen Kanareninsel, wo es auch ankert. Auch wenn keiner der Menschen an Bord derzeit Symptome hat, gelten sie aufgrund der langen Inkubationszeit des Hantavirus als „Hochrisikokontakte“. Spaniens Gesundheitsministerin Mónica García, Innenminister Fernando Grande-Marlaska und der Chef der Weltgesundheitsorganisation WHO waren eigens auf die Insel gekommen, um die komplizierte Aktion zu überwachen.
WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus versicherte, dass es sich beim Hantavirus nicht um einen mit dem Coronavirus vergleichbaren Erreger handele. In einer Botschaft direkt an die Bevölkerung von Teneriffa betonte er: „Das ist nicht ein neues Covid.
“ Das Risiko für die Menschen auf der Insel sei gering – zumal auf dem Kreuzfahrtschiff kein neuer Verdachtsfall aufgetreten sei. Das Hantavirus wird in der Regel von Nagetieren übertragen, kann bei engem Kontakt aber auch von Mensch zu Mensch überspringen. Der Ausbruch der südamerikanischen Andes-Variante des Virus auf dem kleinen Kreuzfahrtschiff löste weltweit Besorgnis aus – auch und gerade wegen der Erinnerung an die Corona-Pandemie.
Vor allem auf den Kanaren äußerten Menschen Angst wegen einer möglichen Infektion mit dem potenziell tödlichen Virus. Doch der jetzige Fall ist anders gelagert als der Beginn der Corona-Pandemie vor mehr als sechs Jahren. Auch wenn es zu einer Übertragung des Andesvirus durch evakuierte Schiffspassagiere käme, wäre das Virus laut der EU-Gesundheitsbehörde ECDC nicht leicht weiter übertragbar, „sodass es unwahrscheinlich ist, dass es zu vielen Infektionsfällen oder einem großflächigen Ausbruch in der Bevölkerung käme“.
Das Risiko für die Allgemeinbevölkerung in der EU durch eine Ausbreitung des Andesvirus sei „sehr gering“. Auch der frühere Gesundheitsminister Karl Lauterbach sieht derzeit keine Gefahr einer Pandemie durch das Hantavirus.
„Die Lage ist für die deutsche Bevölkerung nicht gefährlich“, sagte er der „Rheinischen Post“. „Eine Pandemie droht nicht, weil die Übertragbarkeit des Virus dafür nicht ausreicht. “ Zunächst hatte es geheißen, das Schiff werde aus Sicherheitsgründen vor dem Hafen vor Anker gehen. Die spanische Handelsmarine erteilte in der Nacht dann aber doch die Genehmigung zur Einfahrt in den Hafen.
Laut WHO wurde mittlerweile in sechs von acht Verdachtsfällen eine Infektion mit dem von Mensch zu Mensch übertragbaren Andes-Virusstamm bestätigt. Drei Menschen sind bisher an dem Virus gestorben, darunter eine Deutsche. Ihre Leiche bleibt auf der Weiterfahrt in die Niederlande an Bord der „Hondius“. Da bei Zwischenstopps des Schiffes insgesamt mehr als 30 Passagiere und Besatzungsmitglieder ausgestiegen sind, wird nun weltweit nach potenziellen Verdachtsfällen gesucht.
Die WHO hatte Spanien gebeten, die Menschen auf den Kanaren vor der Westküste Afrikas an Land gehen zu lassen, weil die Inselgruppe das erste potenzielle Ziel auf der Route des Schiffes mit einer erstklassigen Gesundheitsversorgung war. Kap Verde, wo die „Hondius“ zuletzt vor Anker gelegen hatte, wollte die Passagiere mit Verweis auf die unzureichenden Versorgungsmöglichkeiten dort nicht aufnehmen. Die „Hondius“ hatte ihre Fahrt durch den Südatlantik am 1. April in Ushuaia im Süden Argentiniens begonnen.
Zehn Tage später starb ein Niederländer, seine Frau verließ das Schiff bei einem Zwischenstopp auf St. Helena und flog am 24. April nach Südafrika, wo sie kurz darauf in einem Krankenhaus starb. Nach Angaben des Schiffsbetreibers Oceanwide starb die Deutsche dann am 3. Mai.
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